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„Man kann im Netz ständig angegriffen werden“

Ein Laptop steht auf einem Tisch, dahinter steht ein Banner auf das Begriffe zur IT-Sicherheit geschrieben stehen
Die IT-Sicherheit ist mittlerweile ein interdisziplinärer Bereich und braucht Ökonomen genauso wie Juristen und Psychologen.
Foto: Armin Weigel

Berufe rund um Sicherheit – Interview

„Man kann im Netz ständig angegriffen werden“

Sebastian Pape hat sich früher in der Schule mit seinem Informatiklehrer „gekabbelt“, wer die schönere Lösung für eine Programmieraufgabe hat. Er hat Mathematik und Informatik studiert, über angewandte Kryptographie promoviert und arbeitet jetzt an der Universität Frankfurt, die das Megaprojekt „CyberSec4Europe“ koordiniert. 43 Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft aus ganz Europa bündeln dabei ihre Kompetenzen, um eine länderübergreifende Strategie für Cybersicherheit und Datenschutz zu entwerfen. Im Interview berichtet er über Gefahren im Netz und wie man sich dagegen wappnen kann.

abi>> Herr Pape, können Sie noch unbekümmert im Netz surfen oder ist man als Experte für Cybersicherheit zwangsläufig etwas paranoid?

Sebastian Pape: Von Paranoia würde ich da gar nicht sprechen. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden über die Überwachungspraktiken von Geheimdiensten weiß man ja, was alles gemacht wird. Die Leute, von denen man vorher gedacht hat, die seien völlig paranoid, haben ziemlich genau die Realität beschreiben.

abi>> Also sollte sich jeder darauf einstellen, dass es im Internet ständig jemand auf seine Daten abgesehen hat?

Sebastian Pape: Man kann ständig angegriffen werden, ja. Und die Bedrohung nimmt in dem Maße zu, wie die Welt digitaler und vernetzter wird. Und es hat ja fast jeder schon mal eine Phishing-Mail erhalten, mit denen Betrüger persönliche Daten wie Passwörter oder Kontodaten abgreifen wollen.

abi>> Die lange nicht mehr so einfach zu durchschauen sind wie früher.

Ein Porträt-Foto von Sebastian

Sebastian Pape

Foto: privat

Sebastian Pape: Die werden immer professioneller. Für Kriminelle ist es natürlich eine entscheidende Frage: Riskiere ich bei einem Banküberfall die direkte Konfrontation mit der Polizei – oder verschicke ich einfach einige tausend Mails und hoffe, dass ein paar Empfänger doch den Anhang mit meinem Schadprogramm öffnen. Und die wird es immer geben.

abi>> Wie kann ich mich dagegen wappnen?

Sebastian Pape: Erstmal: Keine Anhänge öffnen! Vor allem nicht von unbekannten Personen. Dazu sollte man seine Systeme immer auf dem neusten Stand halten. Und generell so datensparsam und wachsam wie möglich im Netz unterwegs sein.

abi>> Das Lieblings-Passwort der Deutschen ist ja immer noch 12345.

Sebastian Pape: Ja – und das ist absolut fahrlässig! Aber ich verstehe auch, wenn man sich nicht für jeden Account ein anderes langes Passwort mit Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen anlegt – das kann sich ja keiner merken. Und solange es keine anderen sicheren Systeme gibt, rate ich zum Passwortmanager.

abi>> Was kann die Politik tun, um unsere digitale Welt sicherer zu machen?

Sebastian Pape: Sie versucht es ja: Etwa mit dem IT-Sicherheitsgesetz oder der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Aber solche Verordnungen sind ja auch immer ein Zeichen dafür, dass zuvor zu wenig gemacht wurde.

abi>> Welche Strategie wäre besser?

Sebastian Pape: Das Thema IT-Sicherheit von vornherein mitzudenken. So wie ich von einem Produkt keinen Stromschlag bekommen will, sollte jeder erwarten können, dass es auch keine Sicherheitslücken hat. Da gibt es bei „CyberSec4Europe“ auch einige Projekte, die sich damit befassen: dass das Thema Sicherheit im ganzen Lebenszyklus der Software mitgedacht wird.

abi>> Das heißt, IT-Sicherheitsexperten sind nach wie vor sehr gefragt?

Sebastian Pape: Auf jeden Fall! Das heißt allerdings nicht, dass alle Informatik studieren sollen. Die IT-Sicherheit ist mittlerweile ein so interdisziplinärer Bereich. Da kann jeder erstmal seinen Interessen nachgehen: Wir brauchen Ökonomen genauso wie Juristen und Psychologen. Aber dann im Studium die Augen nach IT-Sicherheitsthemen aufzuhalten, lohnt sich. Denn uns wird die Arbeit mit Sicherheit nicht ausgehen!

abi>> 28.10.2019

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