Smarte Jobs rund um Smart Home

Ein Tablet-Computer, auf dem eine Smart-Home-Anwendung läuft
Licht an oder Licht aus? Das geht im Smart Home nicht mehr mit dem Baumarkt-Schalter, sondern per Tablet-Steuerung.
Foto: Thomas Lohnes

Berufe rund um Smart Home

Smarte Jobs rund um Smart Home

Immer mehr Aufgaben im Haus können automatisiert werden, solche sogenannten Smart-Home-Anwendungen sollen das Leben einfacher machen. Für diese Entwicklung sind innovativ denkende Menschen gefragt.

Was ist eigentlich ein Bus? Na klar: ein großes Straßenfahrzeug, das der Beförderung zahlreicher Personen dient. Wenn Jan Rotter aber sagt, dass er sich erst vor sechs Jahren mit einem Bus beschäftigt hat, als bereits angehender Elektroingenieur, dann kann er keinen solchen meinen. „Ich musste mich schon ein bisschen einarbeiten“, sagt der 33-Jährige und spricht natürlich über einen Bus, der Daten befördert – einen sogenannten Feldbus, der Geräte wie Sensoren und Aktoren mit einem Automatisierungsgerät verbindet.

Aktoren, um gleich den nächsten Fachbegriff zu erklären, sind Baueinheiten, die Befehle eines solchen Automatisierungsgerätes in mechanische Bewegungen verwandeln. So heben und senken sie etwa Rollläden, betätigen Lichtschalter und regeln Thermostate. Ohne Aktoren, Sensoren und eben einen Bus kommt kein Smart Home aus, und ein solches wollten Bekannte von Jan Rotter vor sechs Jahren haben.

Anfänge reichen zurück ins Jahr 1973

Smart Home war damals schon keine Innovation mehr: Bereits in den 1980er-Jahren erschien die erste Generation der Feldbustechnik, mit der die bis dahin analoge Signalübertragung digitalisiert wurde. Zwar rückte das Thema Smart Home erst zur Jahrtausendwende ins Licht der Öffentlichkeit, seine Ursprünge reichen aber noch weiter zurück: Schon 1973 kam eine speicherprogrammierbare Steuerung auf den Markt, die jedoch bei Ausfall ihrer Zentraleinheit die gesamte Elektrik des Hauses lahmlegte.

Ein Foto von Jan Rotter

Jan Rotter

Foto: privat

Heute funktionieren Smart Homes natürlich viel moderner, stellen die Gebäudesteuerung beispielsweise auf Touchscreens, sogenannten Wandpanels dar. Während seines Bachelorstudiums an der Hochschule Darmstadt absolvierte Jan Rotter ein Praktikum bei einem Hersteller solcher Panels, der ebenfalls in der südhessischen Stadt ansässigen Firma PEAKnx: „Nach meiner Bachelorarbeit bei PEAKnx wurde ich als Servicemitarbeiter übernommen und leite nun die Produktion und den Support.“ Er betreut Kunden, wenn sie Fragen haben, und unterstützt die Kollegen in der Produktion – sieht sich als Schnittstelle zwischen Entwicklung und Fertigung. „Ich selbst bin kein Entwickler, habe aber das technische Verständnis für zahlreiche Anwendungen, die im Bereich Smart Home möglich sind.“

Der Elektroingenieur führt zum Beispiel Tests für neu entwickelte Panels durch und gibt Verbesserungsvorschläge der Kunden an die entsprechenden Entwicklungsabteilungen weiter. „Man muss im innovativen Umfeld Smart Home Spaß an Herausforderungen haben und Lust, neue Wege zu gehen“, sagt Jan Rotter. Außerdem muss er sich ständig weiterbilden, „denn kaum ein Bereich entwickelt sich derzeit so schnell wie die Gebäudeautomation“.

Immer mehr Menschen wohnen smart

Smart Home ist ein Berufsfeld, das in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Schon heute besitzt jeder vierte Bundesbürger mindestens eine Smart-Home-Anwendung wie Sprachassistenten oder intelligente Beleuchtung, hat eine Studie des Verbands Bitkom im Jahr 2018 ergeben. Außerdem plant mehr als ein Drittel der Bundesbürger laut Bitkom, sich in den nächsten zwölf Monaten eine smarte Anwendung für das Zuhause anzuschaffen.

Ein Foto von Alexander Schneider-Schaper

Alexander Schneider-Schaper

Foto: privat

„Unter Smart-Home-Anwendungen versteht man Assistenzsysteme, die das Wohnen komfortabler machen“, erklärt Alexander Schneider-Schaper, Geschäftsführer des Vereins SmartHome Initiative Deutschland. „Je weniger die Bewohner ihre Geräte selbst steuern müssen, umso smarter ist die Anwendung.“

Kühlschränke, die eigenmächtig Lebensmittel nachbestellen, bezeichnet er lediglich als Insellösungen, die wenig Mehrwert bieten und mit Smart Home nur entfernt zu tun haben – vielmehr brauche man Lösungen, die der Zielgruppe etwas bringen. Laut der Bitkom-Studie sind etwa smarte Staubsauger, Alarm- und Schließanlagen sowie intelligente Beleuchtung gefragt.

Wer an der smarten Zukunft mitarbeiten will, dürfe sich laut Alexander Schneider-Schaper nicht nur für Technik interessieren: „Man muss sich intensiv mit der jeweiligen Zielgruppe befassen, um herauszufinden, was diese wirklich wünscht und braucht.“ Beispielsweise könnten die smarten Anwendungen weniger kompliziert sein, sagte immerhin ein Drittel der Befragten in erwähnter Studie.

Außerdem sollten die Smart-Home-Experten immer gewerkeübergreifend denken, so Alexander Schneider-Schaper. „Wer im Bereich Smart Home arbeiten will, sollte gern technische Neuerungen ausprobieren – und eine hohe Frustrationsgrenze haben: Nicht alles, was technisch denkbar ist, wird auch funktionieren.“ Viele Fähigkeiten seien demnach gefragt: Mathematik, Informationstechnologie, kaufmännische Kenntnisse, das Wissen um künstliche Intelligenz – Smart Home entstehe aus Teamarbeit.

Ein Foto von Susanne Bock

Susanne Bock

Foto: Fotostudio Morgana

Susanne Bock, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Augsburg, nennt drei Bereiche, in denen Smart-Home-Interessierte einsteigen können: die Entwicklung, die Installation und den Vertrieb. „In der Entwicklung arbeiten meist Akademiker, gesucht sind vor allem Elektroingenieure und Informatiker sowie Software-Entwickler“, erklärt sie. Diese entwickeln die Geräte und haben dabei immer das Thema Sicherheit im Blick. Wenige Hochschulen bieten bereits spezielle Studiengänge mit Smart-Home-Inhalten an.

Viele Berufe machen den Einstieg möglich

Für die Umsetzung der Lösungen sind ebenfalls Elektroingenieure, aber beispielsweise auch Ingenieure der Automatisierungstechnik gefragt. Ein passender Ausbildungsberuf für den Bereich ist der des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik. Je nach Smart-Home-Anwendung braucht man auch Fachkräfte aus anderen Bereichen, zum Beispiel Anlagenmechaniker und Mechatroniker für den Einbau von Klimamanagementsystemen oder Elektroniker der Fachrichtung Informations- und Telekommunikationstechnik für die Installation von Sicherheitsmaßnahmen. „Wer eine abgeschlossene Ausbildung hat, kann sich beim TÜV zum Fachberater Smart Home weiterbilden“, sagt Susanne Bock.

Für den Vertrieb braucht man kaufmännische Kenntnisse. Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Elektrotechnik sind hierfür passende Studienrichtungen. Die Ausbildung für Kaufleute im E-Commerce eignet sich gut für den Umgang mit Smart-Home-Anwendungen. Auch Fachinformatiker der Fachrichtung Anwendungsentwicklung sind im Vertrieb gut aufgehoben. Susanne Bock weiß: „Je tiefer man in das Thema Smart Home einsteigt – sei es durch Berufspraxis oder durch Weiterbildungen – umso mehr ist man auf dem zukunftsträchtigen Arbeitsmarkt Smart Home gefragt.“

Letztlich, darüber gibt die Bitkom-Studie ebenfalls Aufschluss, schwingt beim Thema Smart Home auch immer die Frage nach der Sicherheit mit: Jeweils knapp ein Viertel der Befragten fürchten Angriffe von Hackern und haben Angst um ihre Privatsphäre.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: "smart home")
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Mit dem finder findet man mit dem Suchwort „Smart Home“ Studiengänge, die sich beispielsweise mit dem „Internet der Dinge“ oder „Smart Automation“ befassen. Natürlich ist auch Markus Többens Studiengang hier gelistet
studienwahl.de

Bitkom e.V.

Der Verein vertritt Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Auf seiner Webseite informiert er über die Branche
www.bitkom.org

Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE)

Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE)
www.vde.com/de

Verein Deutscher Ingenieure

Größte Vereinigung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern in Deutschland
www.vdi.de

SmartHome Initiative Deutschland

Verfolgt das Ziel, dass smarte Assistenten sowohl im Wohnungsneubau als auch in der Nachrüstung zur Standard-Ausstattung werden.
www.smarthome-deutschland.de

 

Elektroniker für Betriebstechnik

Arbeiten unter Strom

In seiner Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik beschäftigt sich Janik Lerch (24) unter anderem mit dem Thema Smart Home.

Es ist kein Geheimnis, dass Elektroniker durch die fortschreitende Digitalisierung in Zukunft immer mehr gefragt sein werden. Deshalb hat sich Janik Lerch nach einem abgebrochenen Lehramtsstudium für eine technisch-handwerkliche Ausbildung entschieden. Schon während des Studiums begann er, praktische Erfahrungen bei einem Elektromeister zu sammeln. Entsprechend gerüstet bewarb er sich bei Viessmann, einem Anbieter von Energiesystemen im nordhessischen Allendorf (Eder). Mittlerweile ist der 24-Jährige im zweiten von dreieinhalb Lehrjahren – bei guter Leistung kann die Ausbildung auch auf drei Jahre verkürzt werden.

Einsatz in vielen verschiedenen Bereichen

Ein Foto von Janik Lerch

Janik Lerch

Foto: Stephanie Böhme/Frank Feisel

Im ersten Jahr haben die Auszubildenden im Technischen Ausbildungszentrum die Grundlagen der Elektrotechnik kennengelernt. In der Werkstatt lernten sie, wie man elektrische Anlagen und Betriebsmittel plant sowie Dokumentationen dazu erstellt. Ab dem zweiten Lehrjahr durchlaufen die Azubis verschiedene Fachbereiche. „Ich weiß schon, dass ich für jeweils zwei bis drei Monate im Elektrobau, in der Produktion unserer Regelungstechnik sowie in der Instandhaltung eingesetzt werde“, sagt Janik Lerch. Durch den Einsatz in den verschiedenen Abteilungen sollen die Azubis einen Einblick in die Bandbreite des Unternehmens bekommen und am Ende ihrer Ausbildung entscheiden, wo sie künftig am liebsten arbeiten möchten. Ein- bis zweimal in der Woche besucht Janik Lerch zudem die Berufsschule.

Als modernes Unternehmen der Heizungs- und Klimabranche beschäftigt sich Viessmann auch mit smarten Anwendungen, berichtet Janik Lerch: „Smart Home ist auf jeden Fall ein Teil unserer Ausbildung.“ Er hat sich beispielsweise mit dem wibutler befasst, einer Anwendung eines Viessmann-Tochterunternehmens, die smarte Geräte miteinander verbindet: Per Funk steuert der wibutler Systeme für Heizungs- und Klimaanlagen, Beleuchtung, Rollläden sowie Sicherungstechnik, wenn es zum Beispiel regnet, dunkel wird oder der Besitzer das Haus verlässt. „Wir haben die verschiedenen Programme des wibutlers erstellt, getestet und sie mit unterschiedlichen Techniken verknüpft“, sagt Janik Lerch.

Berufliche Zukunft ist noch unklar

Am meisten Spaß macht Janik Lerch die Vielfalt der Aufgaben: An einem Tag verbindet er Laptops mit einer Anlage, damit diese über den Rechner gesteuert werden kann. Am anderen Tag baut er für die Ausbildungswerkstatt eine Installationswand auf, an der die Azubis arbeiten. Was er nach der Ausbildung machen will, weiß Janik Lerch noch nicht. Smart Home jedenfalls bezeichnet er als spannendes Thema, „weil ich die Digitalisierung an sich schon sehr interessant finde“. Möglichkeiten gibt es viele: von der Weiterbildung zum Techniker oder Meister über ein Duales Studium bis zu Fortbildungen in einem Fachbereich. „Wichtig ist für den Beruf auf jeden Fall, sich in technische Anlagen hineindenken zu können und Verständnis für elektronische Verknüpfungen mitzubringen.“ Und da ein Elektroniker immer auch mit Strom zu tun hat, ist sorgfältiges und verantwortliches Arbeiten ganz wichtig – sonst kann es auch mal gefährlich werden.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Intelligente Gebäudetechnik

Das Beste aus drei Welten

Markus Többen (26) studiert Smart Building Engineering an der Fachhochschule Aachen – ein interdisziplinärer Studiengang aus den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik und Informatik.

Markus Többen hatte bereits zwei abgeschlossene Ausbildungen – zum Assistenten für Informatik sowie zum Elektroniker für Gerätetechnik – in der Tasche und befand sich im Bauingenieurstudium an der Fachhochschule (FH) Aachen. Nach sechs Semestern merkte er jedoch, dass er mit den Studieninhalten nicht glücklich ist. Und so wechselte er: zum Fach Smart Building Engineering, ebenfalls an der FH Aachen. „Das ist ein interdisziplinärer Studiengang, der sich aus den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik und Informatik zusammensetzt“, erklärt der 26-Jährige.

Mittlerweile befindet er sich im dritten Semester – sieben sind, inklusive der Bachelorarbeit, insgesamt für das Studium vorgesehen. „In jedem Fachbereich haben wir Grundlagenfächer, die wir zusammen mit den Studierenden der entsprechenden Studiengänge besuchen, aber es gibt auch viele Vorlesungen, die speziell auf uns zugeschnitten sind.“ Grundlagenfächer sind unter anderem Mathematik, physikalische Fächer, Materialkunde und Architekturgeschichte. Ein spezielles Fach für die Studierenden von Smart Building Engineering befasst sich zum BeispieI mit integralem Planen und Bauen: Hier erklären Firmenvertreter aus dem Baugewerbe, wie sie ihre Planungsmethoden im Alltag anwenden. „Diese Praxisnähe finde ich besonders spannend“, schwärmt Markus Többen. Auch Vorlesungen zu den Themen Smart Building und Smart Home gehören zu den Spezialangeboten, die auf den Studenten zukommen werden.

Smart Building als Aufgabe für Studierende

Ein Foto von Markus Többen

Markus Többen

Foto: privat

Gut findet er, dass der Studiengang einen großen Schwerpunkt auf Informatik und Digitalisierung legt. „In meinem Studiengang sind wir unserer Zeit voraus und lernen Planungsmodelle kennen, die bislang noch gar nicht angewendet werden. Das finde ich sehr zukunftsorientiert.“ Einen hohen Bedarf an smarten Bauten sieht Markus Többen vor allem im Büro- und Industriebereich. „Hier lassen sich durch intelligente Lösungen besonders viele Kosten für Strom, Heizung und Lüftung sparen.“ Im dritten und im sechsten Semester bearbeiten die Studierenden konkrete Projekte rund um Smart Buildings, bei denen es zum Beispiel um die Modernisierung eines Gebäudes oder um die Energieeffizienz einer Heizung gehen kann. Sein Praxisprojekt steht ihm noch bevor. Vor dem Studium ist zudem ein zweimonatiges Praktikum im Bereich Bau, Elektrotechnik, Informatik oder Architektur Pflicht. Diese Praxiserfahrung hat Markus Többen durch seine Ausbildungen erfüllt.

Wie es nach seinem Abschluss weitergehen wird, weiß der Student noch nicht. „Das Studium ist sehr breit gefächert, und viele Inhalte habe ich ja noch vor mir. Da wird mit Sicherheit weiteres dabei sein, was mich interessiert.“ Derzeit reizt ihn die Schnittstelle zwischen Bauwesen und Informatik am meisten: „Wie kann man Gebäude clever designen? Wie lassen sich Big Data, also große Datenmengen, für intelligente Lösungen nutzen?“ Wer das Studium Smart Building Engineering an der Fachhochschule Aachen anstrebt, sollte also vielseitige Interessen mitbringen.

 

Informatikerin

Wenn Trockner sprechen lernen

Die studierte Wirtschaftsinformatikerin Doris Janssen (43) befasst sich mit der Gestaltung unter anderem von Smart-Home-Produkten und trägt dazu bei, dass diese von Nutzern positiv wahrgenommen werden. Dabei arbeitet sie für einen Pionier der Smart-Home-Branche: das Fraunhofer-Institut.

Es ist ein Gerücht, dass das Leben von Informatikern auch zu Hause von Computern bestimmt wird. Doris Janssen widerlegt dieses Gerücht nicht: Wenn der Trockner in ihrem Keller sein Programm abgeschlossen hat, ertönt über einen Lautsprecher im Obergeschoss eine entsprechende Mitteilung. Sie betreibt hierfür einen eigenen Server, über den unter anderem auch Anwendungen für das Licht, die Heizung, Türkontakte, intelligente Steckdosen und andere Geräte gesteuert werden. Ihre Programmierkenntnisse waren bei der Einrichtung hilfreich, aber die Erfahrungen helfen ihr bei der Arbeit, sagt die 43-Jährige: „Meine Erfahrung als Nutzer mit diesen Anwendungen kann ich im Berufsalltag und im Austausch mit den Kunden und den Testpersonen nutzen.“

Pionier in Sachen Smart Home

Ein Kopfbild von Doris Janssen

Doris Janssen

Foto: privat

Sie wohnt in einem Smart Home, wie man ein intelligentes Zuhause neudeutsch bezeichnet, und arbeitet für die Fraunhofer-Gesellschaft, einem Pionier dieser Technik. Kurz nach der Jahrtausendwende, als das Thema Smart Home populär wurde, hat Fraunhofer im Jahr 2005 in München das Haus der Gegenwart erbaut, in dem sich alle elektrischen Vorgänge zentral steuern ließen. Zwar arbeitet Doris Janssen nicht für das auf Smart Home spezialisierte Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg sondern in Stuttgart, beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation – entziehen kann man sich dem Thema jedoch nicht.

Während und nach ihrem Dualen Studium der Wirtschaftsinformatik arbeitete Doris Janssen auf dem Flughafen München, wo sie Software für den Verkehrsbereich auf dem Flughafen entwickelt hat: „von der Abfertigung beim Boarding bis zum Einsatzplan der Busse auf dem Rollfeld.“ Im Jahr 2001 zog sie nach Stuttgart und begann dort ihre Tätigkeit für Fraunhofer.

2008 beschäftigte sie sich erstmals mit Smart Home: „Ich habe damals an einem Forschungsprojekt mitgearbeitet, bei dem es um erste Ansätze von Smart-Home-Anwendungen zur Unterstützung für ältere Menschen ging.“ Mittlerweile ist sie häufig für Unternehmen tätig, die Smart-Home-Lösungen anbieten und wissen wollen, wie sie ihre Produkte möglichst nutzerfreundlich gestalten können. Für die Projekte überlegt sie sich ein Testkonzept, erstellt die Materialien dafür, begleitet die Nutzer während des Tests und wertet die Ergebnisse aus.

Wichtige Berufsvoraussetzung: Neugier

Wenn ein Unternehmen beispielsweise ein neues Gerät für die Steuerung von Smart-Home-Aufwendungen auf den Markt bringen will, lädt Doris Janssen Personen aus unterschiedlichen Nutzergruppen ein – junge, alte, alleinstehende, verheiratete und so weiter – und diskutiert mit ihnen darüber, was bei dem Gerät wichtig sein könnte. Gewünscht wird dann etwa Transparenz darüber, welche Daten das Gerät aufzeichnet. Sofern es bereits ein Produkt gibt, dürfen die Testteilnehmer einen Prototypen davon mit nach Hause nehmen und ausprobieren. In einem Tagebuch notieren sie, ob sie gut damit zurechtkamen und was ihnen daran gefallen hat. „Diese Daten kann ich auswerten“, sagt Doris Janssen. Auch hierbei sind ihre Informatikkenntnisse von Vorteil, wenn sie etwa mit der Entwicklungsabteilung des Kunden spricht: „Wir können auf dem gleichen fachlichen Level reden.“

„Wer sich mit Benutzerschnittstellen und der Bedienbarkeit von Smart-Home-Geräten beschäftigt, sollte nicht nur technisches Verständnis mitbringen, sondern auch gern mit Menschen zusammenarbeiten und neugierig darauf sein, wie sie auf technische Neuerungen reagieren“, ist Doris Janssen überzeugt. „Damit ist dieser Bereich ideal für Informatiker, die nicht nur am Computer sitzen wollen.“ Kontaktfreudigkeit, Moderations- und Diskussionsfähigkeiten, Eingehen auf andere Meinungen – all das brauche es, um herauszufinden, wie neue Produkte von den Anwendern wahrgenommen werden. Denn nur wenn diese Wahrnehmung positiv sei, würden die Angebote der Smart-Home-Anbieter von Menschen genutzt.


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Wenn Trockner sprechen lernen

  • Arbeiten unter Strom

  • Das Beste aus drei Welten

  • Das smarte Heim

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 23.01.2020