Vergangenes für die Zukunft bewahren

Eine Frau sitzt vor einer großen Glasvitrine und archiviert ein Kreuz mit einer Nummer
Wer sich gerne mit historischen Gegenständen beschäftigt, kann in der Archivierung und Restauration seine Berufung finden.
Foto: Isabella Fischer

Berufe rund ums Erhalten und Bewahren

Vergangenes für die Zukunft bewahren

Um historisch bedeutende Dinge oder wertvolles Wissen der Nachwelt zugänglich zu machen, bedarf es verschiedener Spezialisten. Von der Restaurierung bis hin zur Archivierung – rund ums Erhalten und Bewahren gibt es vielfältige berufliche Möglichkeiten.

Auch Sophie Erdmann (28) findet die Beschäftigung mit der Vergangenheit spannend. Sie hat sich für den Bachelorstudiengang „Konservierung und Restaurierung“ an der FH Potsdam und für die Fachrichtung „Stein“ entschieden. „Historische Gegenstände und Architektur haben mich schon immer sehr fasziniert, also habe ich nach dem Abitur Kunstgeschichte studiert“, berichtet sie. „Doch nach zwei Semestern habe ich gemerkt, dass mir das praktische Arbeiten mit den Händen fehlte und ich lieber in den Bereich Restaurierung wollte.“ Sie wechselte in die handwerkliche Ausbildung zur Steinmetzin in einem Denkmalpflegebetrieb und nutzte diese als Vorbereitung für ihr jetziges Studium. Daran gefällt ihr vor allem, dass es facettenreich und praxisnah ist. Auf die Fachrichtung bewirbt man sich hier bereits vor dem Beginn des Studiums – möglich sind auch „Holz“, „Metall“ und „Wandmalerei“.

In der hochschuleigenen Werkstatt

Ein Porträt-Foto von Sophie Erdmann

Sophie Erdmann

Foto: Thomas Gdanitz

„In den ersten Semestern werden vor allem Grundlagen in Bereichen wie Materialkunde, Kunst- und Baugeschichte oder Naturwissenschaften vermittelt“, erklärt Sophie Erdmann. „Es gibt aber auch praktische Seminare, in denen verschiedene Kunst- und Handwerkstechniken gelehrt und ausprobiert werden, zum Beispiel plastisches Gestalten und Vergolden.“ Im vierten Semester steht ein fünfmonatiges Praktikum an. „Ich durfte am Magdeburger Dom zusammen mit einer Gruppe von Freiberuflern ein Sandstein-Epitaph, also ein Grabmal, restaurieren – samt Konzepterstellung, Ausführung und Dokumentation.“

Ab dem fünften Semester bekommen die Studierenden in der hochschuleigenen Werkstatt ein Objekt, das sie in Teamarbeit konservieren und restaurieren. „Bei uns war es ein über 100 Jahre alter Gipsabguss einer ägyptischen Statue aus dem Bestand des Ägyptischen Museums in Berlin“, sagt die Studentin. „Spannend finde ich, dass ich es immer wieder mit neuen Materialen zu tun bekomme.“ So werden nicht nur Objekte aus Naturstein, sondern auch aus Kunststein wie Beton oder Gips untersucht und restauriert.

Sophie Erdmann bereitet sich derzeit auf ihre Bachelorarbeit im kommenden Semester vor. „Das darauf aufbauende Masterstudium möchte ich auf jeden Fall anschließen. Danach kann ich mir gut vorstellen, freiberuflich und selbstständig oder im Angestelltenverhältnis innerhalb eines größeren Restaurierungsbetriebes zu arbeiten.“

Vielfältige Studiengänge

Das Erhalten und Bewahren von geschichtlichen Zeugnissen beinhaltet vielfältige berufliche Möglichkeiten – meist sind diese über ein Studium zugänglich. Wie Interessierte hier das Passende finden können, erläutert Anja Soyke, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Potsdam. „Zunächst sollte man sich fragen: An welcher Stelle sehe ich mich in diesem Prozess? Im Bereich Kunstgeschichte etwa beschäftigt man sich mit dem bereits vorhandenen Hintergrundwissen von historischen Objekten. Praktischer geht es in den Bereichen Archäologie, Konservierung sowie Restaurierung und Denkmalpflege zu. Hier kann man auch Schwerpunkte setzen und sich in den Altertumswissenschaften zum Beispiel auf die Ur- und Frühgeschichte konzentrieren – oder zum Beispiel einen kombinierten Bachelorstudiengang, etwa Archäologie und Geschichte wählen.“ Restauratoren wiederum spezialisieren sich schon im Studium oft auf bestimmte Materialien wie Metall, Holz oder Stein.

„Der nächste Schritt im Prozess des Erhaltens wäre, die Dinge der Öffentlichkeit zu präsentieren“, führt die Berufsberaterin aus. „Hiermit beschäftigen sich Studiengänge wie zum Beispiel Museologie oder Museumskunde (Siehe auch die Studienreportage Museologie „Objekte erforschen, bewahren und ausstellen“). Und schließlich gibt es den Bereich der Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft. „Im Archivwesen spiegelt sich zunehmend der Trend der Digitalisierung wider. Das bedeutet: Wer etwa Bibliothekswissenschaft studieren möchte, sollte sich auch darauf einstellen, mit Datenbanken am Computer umzugehen“, betont die Beraterin.

Aus- und Weiterbildung

Ein Porträt-Foto von Anja Soyke

Anja Soyke

Foto: privat

Eine Ausbildung ist in den verschiedenen Bereichen ebenfalls möglich. Steinmetze und Steinbildhauer zum Beispiel können in Restaurierungsbetrieben, Museumswerkstätten oder Kirchenbauämtern tätig werden. Anja Soyke nennt weitere Beispiele. „Maler und Lackierer etwa können einen Schwerpunkt in der Kirchenmalerei und Denkmalpflege setzen und Fachangestellte für Medien und Informationsdienste sich auf die Fachrichtungen Archiv, Bibliothek oder Information und Dokumentation spezialisieren.“ (Siehe auch die Ausbildungsreportage Fachangestellte für Medien und Informationsdienste „Im Büro und im Lesesaal“.) Möglich sind außerdem schulische Ausbildungen, etwa zum Denkmaltechnischen Assistenten oder zum Technischen Assistenten für naturkundliche Museen und Forschungsinstitute.

„Wer sich anschließend weiterqualifizieren möchte, könnten sich unter anderem für die Weiterbildung zum Restaurator entscheiden. Hier sind verschiedene Schwerpunkte wie zum Beispiel Maler- und Lackierhandwerk möglich.“ Darüber hinaus gibt es unter anderem die Weiterbildung zum Techniker für Baudenkmalpflege und Altbauerneuerung oder für Grabungstechnik. Im Bereich der Bibliotheken wird die Weiterbildung zum Fachwirt für Medien oder Informationsdienste angeboten.

Für alle, die den Bereich Denkmalpflege interessant finden, hat die Job-Expertin noch einen Tipp. „Hier können Interessierte zur Orientierung ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren oder alternativ Praktika machen. Dabei lernt man schon einmal den Umgang mit verschiedenen Materialien kennen und knüpft Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern oder zum Beispiel für die Bachelorarbeit.“

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt für Berufe rund um das Erhalten und Bewahren hat sich im Zuge des allgemein guten Arbeitsmarktes ebenfalls überwiegend positiv entwickelt. Dazu Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit: „Arbeitslose Akademiker und Akademikerinnen, die eine adäquate Tätigkeit in Berufen der Medien-, Dokumentations- und Informationsdienste suchten, sind 2018 im Vergleich zum Vorjahr weniger geworden. Zugleich sind Stellenangebote, die sich speziell an diese Zielgruppe wandten, auf niedrigem Niveau gestiegen.“

Zurückgegangen ist laut Claudia Suttner auch die Zahl der arbeitslosen Archäologen. „Hier gibt es mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als noch im Jahr 2013. Ebenso im Bereich Museums- und Ausstellungstechnik. Restauratoren zählen nach den Angaben der Expertin zu der Berufsgruppe der bildenden Künstler und Kunsthandwerker. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist in diesem Berufsfeld leicht rückläufig. Allerdings sind hier mehr als 90 Prozent der Erwerbstätigen selbstständig.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.
berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

 

Hochschulkompass
Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

 

Verband deutscher Archivarinnen und Archivare
www.vda.archiv.net

 

Deutscher Museumsbund
www.museumsbund.de

 

Deutsche Stiftung Denkmalschutz
www.denkmalschutz.de

 

Deutsches Literaturarchiv Marbach
www.dla-marbach.de

 

Museologie

Objekte erforschen, bewahren und ausstellen

Von der Mischung aus Theorie und Praxis ist sie begeistert: Marion Großmann (25) studiert den Bachelorstudiengang Museologie an der HTWK Leipzig.

Nach ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste wollte Marion Großmann unbedingt noch studieren. „Ich habe mich für Museologie entschieden, weil dieser Studiengang besonders viel Abwechslung bietet. Er beinhaltet nicht nur die Vermittlung von historischen und kunstgeschichtlichen Kenntnissen oder Museumstheorie, sondern auch Fächer mit hohen Praxisanteilen“, erzählt die 25-Jährige.

Besonders überzeugte sie daran, dass man Einblicke in verschiedene Fachwissenschaften bekommt und Seminare zu bestimmten Objektgattungen wahrnehmen kann, etwa zu Elfenbeinkunst oder Kostümkunde. „Das war für mich ein wichtiges Argument. Es bleibt immer spannend und es gibt unglaublich viel entdecken.“

Alltagsgegenstände als Zeitzeugen

Ein Porträt-Foto von Marion Großmann

Marion Großmann

Foto: privat

Inzwischen ist Marion Großmann im vierten der regulär sieben Semester und hat im Studium schon viele praktische Erfahrungen gesammelt. „Wir lernen viel über die Bestimmung von Alltagsgegenständen, also wie man sie datiert, das Material und ihre Funktion bestimmt oder wie man sie professionell lagert und aufbewahrt.“ Im Modul „Formen und Werkstoffe“ geht es vor allem um die verschiedenen Formen und Materialien, aus denen Museumsobjekte bestehen können. Von Holz über Metall oder Textilien bis hin zu Plastik nehmen die Studierenden alles genau unter die Lupe.

„Es gibt außerdem verschiedene Wahlmodule, mit denen man sich weiter spezialisieren kann. So können wir etwas über Zeugnisse der Industriekultur lernen oder auch Ur- und Frühgeschichte in einem anderen Bereich wählen.“
Eine wesentliche Rolle spielt auch die Frage, wie man Informationen vermitteln und öffentlich machen kann. In diesem Sinne beschäftigen sich die Studierenden mit der Theorie der Museumskommunikation bis hin zu Publikumsforschung, Museumspädagogik und Marketing. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, eine eigene kleine Ausstellung zu entwickeln.

Ein zentrales Thema: Digitalisierung

Das Thema „Digitalisierung“ hat schon früh im Studium ein hohes Gewicht. „Ab dem zweiten Semester geht es mit der digitalen Dokumentation los. Konkret geht es um Datenbanken, aber auch um informationswissenschaftliche Überlegungen und generell das digitale Management von Sammlungen. Dazu gibt es Angebote zu elektronischem Publizieren oder auch Multimedia-Anwendungen“, erinnert sich Marion Großmann.

Auch Praktika gehören zum Studium. „Bisher habe ich ein vierwöchiges Pflichtpraktikum im GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig absolviert“, berichtet die 25-Jährige. „Ich konnte dort einen Bestand bearbeiten. Dazu gehört das Abmessen und Fotografieren der Objekte genauso wie das Eintragen der Information in die Datenbanken und die Beschriftung der Objekte, ehe sie wieder eingelagert werden. Im kommenden Winter werde ich für fünf Monate ein Praxissemester am Museum der Bildenden Künste in Leipzig absolvieren, das ebenfalls verpflichtend zum Studium gehört.

Konkrete Wünsche für ihre berufliche Zukunft hat die Studierende auch schon: „Ich würde gern in der Magazinverwaltung, der Dokumentation oder beim Sammlungsmanagement arbeiten, denn die Sammlungen sind nun einmal das Herzstück eines Museums.“

 

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste

Im Büro und im Lesesaal

Beim LWL-Archivamt für Westfalen in Münster hat Nadine Glaeser (22) vielseitige Aufgaben. Sie absolviert dort die Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FAMI) der Fachrichtung Archiv.

Anfragen beantworten, Berichte und Beiträge für soziale Medien schreiben – einen großen Teil ihrer Arbeitszeit verbringt Nadine Glaeser vor dem PC. „Dazu gehört vor allem das sogenannte Verzeichnen“, erklärt sie. „Dabei bekommen Archivalien, die wir übernehmen, eine Signatur. Dann werden sie in einem speziellen Programm beschrieben und erfasst, damit man sie später wiederfinden kann.“

Kommunikative Fähigkeiten benötigt die Auszubildende im Lesesaal. „Hier ist man der erste Ansprechpartner für Nutzer, die Archivalien bestellt haben und nun lesen wollen. Wir passen darauf auf, dass die Dokumente auf angemessene Weise behandelt werden. Sie vertragen zum Beispiel nur wenig Licht und bei bestimmten Materialien müssen Handschuhe getragen werden, um die wertvollen Unikate nicht zu schädigen“, betont die 22-Jährige. Zusammen mit Kollegen und Kolleginnen kümmert sie sich zudem um Bestellungen oder um Scanaufträge, falls Nutzer Kopien von bestimmten Archivalien benötigen.

Ausheben und reponieren

Ein Porträt-Foto von Nadine Gläser

Nadine Gläser

Foto: privat

Im Magazin – einem kühlen, lichtgeschützten Raum – lagern die Archivalien. „Hier müssen wir ausheben, das bedeutet: Wir entnehmen die Archivgüter und hinterlassen Stellvertreter, damit wir wissen, dass etwas entliehen wurde. Später reponieren wir die Archivalien, bringen sie also wieder zurück“, erklärt Nadine Glaeser. Das magazintechnische Bearbeiten gehört zu den speziellen Aufgaben der Auszubildenden in der Fachrichtung Archiv. Hier müssen Schriftstücke entmetallisiert, also von Büroklammern oder Tackernadeln befreit werden. Anschließend werden sie trockengereinigt, kleinere Risse geflickt und in Mappen umgebettet, die den Archivalien auf Dauer nicht schaden können.

Speziell beim LWL-Archivamt für Westfalen betreuen die Auszubildenden außerdem Adelsarchive. „Dafür, dass wir den Adelshäusern fachliche Unterstützung im Umgang mit ihren hauseigenen Archivalien bieten, dürfen diese von Forschern im Archivamt genutzt werden. Da diese Adelsarchive überall in Westfalen-Lippe verteilt sind, unternehme ich ab und an Dienstreisen zu diesen Archiven, um die Archivalien auszuheben beziehungsweise wieder in die Adelshäuser zurückzubringen“, sagt sie.

„Die Ausbildung in unserem Haus ist sehr spannend und bietet immer wieder neue Herausforderungen“, findet Nadine Glaeser. Zu ihren Lieblingsaufgaben gehört das Erlernen von Sütterlin, einer Schreibschrift, die Anfang des 20. Jahrhunderts an deutschen Schulen gelehrt wurde. „Dadurch, dass wir viel Kontakt mit alten Schriften haben, müssen wir lernen, wie man diese liest.“

In der Berufsschule

In der Berufsschule treffen alle FAMI-Richtungen aufeinander – also Archiv, Bibliothek, Medizinische Dokumentation, Information und Dokumentation sowie Bildagentur. „Man lernt jede Fachrichtung kennen, ehe man nach anderthalb Jahren in die einzelnen Fachrichtungen aufgeteilt wird.“ An zwei Schultagen in der Woche besucht Nadine Glaeser die Fächer Deutsch, Englisch, Allgemeine Wirtschaftslehre (AWL) und den berufsspezifischen Unterricht. Dazu kommen zeitweise die Fächer Biologie, Religion, Sport und Politik.

Nach dem Abschluss stehen der angehenden Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste viele Möglichkeiten offen. „Ich werde zwar nach meiner Ausbildung nicht übernommen, doch ich bin zuversichtlich, etwas Passendes zu finden.“

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Fachangestellte für Medien und Informationsdienste – Typischer Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FAMI) der Fachrichtung Archiv macht Nadine Glaeser viel Spaß. Für abi>> schildert die 22-Jährige, wie ein Tag beim LWL-Archivamt für Westfalen in Münster aussehen kann.

6.30 Uhr

Nach dem Einstempeln – Nadine Glaeser hat Gleitzeit – bereitet sie den Lesesaal für die tägliche Nutzung vor. Sie fährt die PCs hoch, sieht nach, wer der diensthabende Archivar für den Tag ist und bereitet die Nutzerliste vor.

7 Uhr

Die Auszubildende setzt sich an ihren Schreibtisch im Büro, um E-Mails zu checken und sich einen Überblick über anstehende Aufgaben zu verschaffen.

7.10 Uhr

Aufgabe der FAMIs ist unter anderem der Umgang mit Sozialen Medien. Die Archivare nennen wichtige Ereignisse, die die Auszubildenden zu einem Beitrag verarbeiten könnten – je nach Zielgruppe verfassen sie dabei einen anderen Text.

7.30 Uhr

Momentan bearbeitet Nadine Glaeser einen Fotobestand – dazu ordnet, verzeichnet und verpackt sie die einzelnen Fotos in einem speziell für Archive entwickelten Programm. Sie trägt Handschuhe und achtet darauf, dass die Fotos möglichst wenig Licht ausgesetzt sind.

10 Uhr

Frühstückspause

10.15 Uhr

Die Auszubildende nimmt ihre Arbeit am Fotobestand wieder auf. Zwischendurch fallen kurzfristige Aufgaben an. Sie nimmt zum Beispiel Lieferungen an, bearbeitet Post oder holt Archivalien, die Nutzer kurzfristig einsehen möchten.

12.15 Uhr

Mittagspause

12.45 Uhr

Nadine Glaeser setzt ihre Projektaufgabe fort.

14 Uhr

Die 22-Jährige übernimmt die Aufsicht im Lesesaal. Sie passt auf, dass die Nutzer richtig mit den kostbaren Archivalien umgehen und steht für Fragen zur Verfügung. Außerdem kümmert sie sich um Bestellungen von neuen Archivalien sowie die Bearbeitung von Scanaufträgen.

16 Uhr

Heute hat Nadine Glaeser länger gearbeitet, weil sie freitags früher gehen möchte. Mit dem Ausstempeln beginnt ihr Feierabend.

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Denkmalpfleger

Sensibler Umgang mit Gebäuden

Wie lässt sich zeitgemäßes Wohnen mit Denkmalschutz vereinbaren? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Bodo Hirsch (29). Er ist im Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart als Gebietsreferent für die Bau- und Kunstdenkmalpflege zuständig.

Einige seiner Arbeitstage sind für Bodo Hirsch besonders eindrucksvoll. „Zum Beispiel die Tage, an denen man am Kirchengerüst bis nach oben steigen muss, um sich von außen den Zustand des Dachstuhls anzuschauen und beurteilen zu können.“ Gemeinsam mit den Vertretern der Kirchengemeinde, dem Architekten, den Zimmererleuten und den Vertretern der unteren Denkmalschutzbehörde steht er dann in luftiger Höhe und diskutiert die Möglichkeiten, die es für die fachgerechte Reparatur des Dachstuhls gibt. „Nebenbei genießen wir einen fantastischen Ausblick.“

Architekten und Bauherren beraten

Ein Porträt-Foto von Bodo Hirsch

Bodo Hirsch

Foto: privat

Viel unterwegs zu sein gehört zu Bodo Hirschs Arbeitsalltag: „Die Beratung von Eigentümern oder Architekten zum Umgang mit einem Kulturdenkmal erledige ich gemeinsam mit der unteren Denkmalschutzbehörde auf den regelmäßig stattfindenden Außenterminen“, erklärt er. „Dabei sehen wir uns jeweils circa sechs bis acht Objekte unterschiedlichster Art an – von privaten Häusern bis hin zu Kirchen, Burgen oder Gewölbekellern.“ Die Fragen der Eigentümer hierzu sind sehr unterschiedlich. „Meistens geht es darum, wie etwas fachgerecht zu sanieren ist, etwa durch eine neue Dachdeckung mit Dämmung, Fachwerksanierung, Mauersanierung oder ähnliche Maßnahmen. Und ob es möglich ist, bauliche Änderungen vorzunehmen beziehungsweise in welchem Ausmaß sie zulässig sind. Außerdem berät er die Bauherren über die Möglichkeiten staatlicher Förderungen.“

Auch Büroarbeit gehört zu den Aufgaben des Denkmalpflegers. An seinem Schreibtisch prüft Bodo Hirsch Anträge auf die denkmalschutzrechtliche Genehmigung von Baumaßnahmen. Dabei achtet er darauf, dass die Denkmalschutzgesetzgebungen eingehalten werden – die je nach Bundesland verschieden sind. „Wir nehmen dazu fachlich Stellung, sodass dann gegebenenfalls die Genehmigungen erteilt werden können. Wenn es nötig ist, ziehe ich die Spezialisten und Spezialistinnen des LAD zurate, das heißt die Restauratoren und Experten für bestimmte Denkmalgattungen wie zum Beispiel Technische Denkmale, bewegliche Denkmale und so weiter.“

Der Beruf des Denkmalpflegers setzt sich aus vielen verschiedenen Interessen- und Themengebieten zusammen: „Im Berufsalltag erscheinen mir sowohl Durchsetzungs- als auch Einfühlungsvermögen besonders wichtig“, sagt Bodo Hirsch. „Da auf den Baustellen immer unterschiedlichste Interessen und Personen aufeinanderstoßen, ist es wichtig, die Interessen der Landesdenkmalpflege fachlich korrekt darzustellen, aber auch gleichzeitig die Bauherrschaft ‚mit ins Boot zu holen‘ und davon zu überzeugen, was für ein historisch wertvolles Gebäude sie besitzen, und dass damit ein sensibler und differenzierter Umgang notwendig ist.“

Masterstudium der Denkmalpflege

Für seine Aufgaben hat sich Bodo Hirsch umfassend qualifiziert. Auf einen Zweifachbachelor in Kunstgeschichte und Japanologie an der Martin-Luther-Universität in Halle folgte der Masterabschluss im Kooperationsstudiengang „Denkmalpflege“ der Martin-Luther-Universität und der Hochschule Dessau.
„Während des Studiums habe ich diverse studentische Praktika im Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Halle absolviert, so zum Beispiel drei Monate in der Restaurierungswerkstatt und während des gesamten Masters im Bereich der Inventarisierung der Archäologie, um auch in diesen Zweig der Denkmalpflege Einblick zu erhalten.“

Für seinen Beruf entschied sich Bodo Hirsch, weil ihn bereits im Bachelorstudium Architektur und Baugeschichte mehr gereizt hat als Kunsttheorie und Gemäldeinterpretationen. „Somit fiel letztendlich auch die Entscheidung für den praxisnahen Masterstudiengang der Denkmalpflege. Denn er erlaubt es, sich schwerpunktmäßig mit baulichen Zeitzeugen zu beschäftigen.“

 

Berufe rund ums Erhalten und Bewahren – Interview

„Historische Dunkelheit, die wir aufhellen müssen“

Bereits seit einigen Jahrzehnten werden zunehmend Informationen in digitaler Form gespeichert. Was bedeutet das für die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche? Ein Interview mit Prof. Dr. Roland S. Kamzelak, Leiter Entwicklung und Stellvertretender Direktor beim Deutschen Literaturarchiv Marbach.

abi>> Professor Kamzelak, welche Herausforderungen bringt die elektronische Langzeitarchivierung mit sich?

Roland Kamzelak: Bei der Langzeitarchivierung ist die Speicherung nicht das Problem. Im Gegenteil, Speicherplatz wird immer günstiger, Speicherplatten werden immer kleiner und sogenannte RAID-Systeme sorgen für die verlustfreie Speicherung von Daten. Die wahre Herausforderung liegt im Erhalt der Verfügbarkeit von Daten. Wir bewahren Forschungsdaten ja für die Zukunft auf. Was aber, wenn in der Zwischenzeit andere Formate üblich geworden sind und andere Programme benutzt werden als die, mit denen die Daten erstellt wurden? Hier entsteht historische Dunkelheit, die wir aufhellen müssen, indem wir Daten in andere, neuere Formate überführen. Dieser Schritt nennt sich Preservation Management. Es ist ein andauernder Prozess des Beobachtens und des Entscheidens, wann und wie etwas zu transformieren ist, damit die Langzeitverfügbarkeit gesichert ist und die Forschung immer auf die Daten zugreifen kann.

abi>> Gibt es bereits praktikable Konzepte, wie digitale Bestände dauerhaft erhalten und zugänglich gemacht werden können?

Ein Porträt-Foto von Roland Kamzelak

Roland Kamzelak

Foto: privat

Roland Kamzelak: Es gibt Programme und Workflows, mit denen man dieses Preservation Management betreiben kann. Im Vergleich zum Bedarf wird es jedoch sehr wenig eingesetzt, da diese Systeme teuer sind, vor allem durch die Arbeit, die die Maschine nicht übernehmen kann: Entscheiden. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach betreibt seit vergangenem Jahr einen verlässlichen Speicher dieser Art. Nun gilt es, diesen Speicher dauerhaft trotz der kontinuierlichen Kosten zu finanzieren und zu befüllen.

abi>> Welche IT-Kenntnisse müssen Archivare heute für ihren Beruf mitbringen?

Roland Kamzelak: Im Moment ist es so, dass Archivare mit digitalen Beständen gar nicht arbeiten können. Die Daten müssen zunächst von IT-Spezialisten, sogenannten Digitalen Kuratoren, so gesichert und transformiert werden, dass Archivare an die Daten herankommen. Ist dies geschehen, ist die Arbeit fast wie gewohnt. Nur statt in manuelle Archivkästen werden die Daten in digitale „Ordner“ abgelegt.

Ob die EDV-Fähigkeiten und die archivarischen zusammenwachsen müssen, ist noch nicht ausgemacht. Fest steht aber, dass ohne wachsende IT-Kenntnisse kein moderner Beruf bestehen können wird. Auch steht fest, dass im Feld der Archive vermehrt Preservation Manager und Digitale Kuratoren gebraucht werden.

abi>> Werden Anforderungen zu IT-Kenntnissen zunehmend im Studium vermittelt oder eher „learning by doing“ im Berufsalltag?

Roland Kamzelak: Sicher beides. Im Studium stecken ja nun die Digital Natives, für die ein Leben ohne IT nicht zum Erfahrungshorizont gehört. Viele Methoden sind digital und werden im Studium auch vermittelt, besonders in neuen Fächern wie zum Beispiel Preservation Management. Am Arbeitsplatz gilt es aber dann, die spezifischen Anwendungen zu verstehen und zu erlernen.


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Stand: 17.10.2019