Wege in die Berufswelt

Ein junger Mann räumt Waren im Laden ein und hebt einen Karton ins Regal
Ein Traineeprogramm bei einer Supermarktkette umfasst Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Unternehmens. Dazu gehören neben Stationen in der Zentrale auch Einsätze in Filialen.
Foto: Isabella Fischer

Berufseinstiegsprogramme

Wege in die Berufswelt

In manchen Berufen sind sie Pflicht, in anderen gehören sie zum guten Ton: Berufseinstiegsprogramme wie Referendariat, Volontariat oder Traineeship bereiten in unterschiedlichen Branchen auf die Berufstätigkeit vor. abi>> gibt einen Überblick.

Direkteinstieg oder Berufseinstiegsprogramm? Für Miriam Matzenmiller stand nach ihrem Studium fest, dass sie gerne über ein Traineeship in den Beruf einsteigen möchte. „Mir gefällt, dass man Einblicke in verschiedene Abteilungen eines Unternehmens bekommt und sich ein berufliches Netzwerk aufbaut“, begründet sie. Die 26-Jährige hat nach ihrem Abitur zunächst Betriebswirtschaftslehre an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung studiert und dann den Master Accounting an der Universität Münster angehängt.

Ein Porträt-Foto von Miriam Matzenmiller

Miriam Matzenmiller

Foto: privat

Die Edeka-Zentrale in Hamburg hatte die Betriebswirtin bereits als Praktikantin kennengelernt, bevor sie sich dort auf eine offene Traineestelle mit dem Schwerpunkt Controlling bewarb. In 18 Monaten durchläuft sie nun drei Controllingabteilungen und lernt zudem das Finanz- und Rechnungswesen sowie eine Station ihrer Wahl kennen, zum Beispiel den Einkauf oder die Logistik. Ergänzt wird das Programm um Einsätze im Groß- und Einzelhandel sowie bei der Edeka-Tochtergesellschaft Netto Marken-Discount.

Neben der praktischen Arbeit besucht sie regelmäßig mit anderen Trainees Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung. „Demnächst entscheide ich mich in Absprache mit der Personalabteilung für eine Zielposition nach dem Traineeprogramm“, sagt Miriam Matzenmiller. „Für mich ist das Traineeprogramm genau der richtige Weg, um die Prozesse und Zusammenhänge im Unternehmen zu verstehen.“

Volo, Trainee oder Referendariat?

Für Hochschulabsolventen gibt es zwei Wege, nach dem Studienabschluss in den Beruf zu starten: entweder über den Direkteinstieg oder über ein Berufseinstiegsprogramm. Dazu zählen neben Traineeprogrammen unter anderem Volontariate und Referendariate. „In einem Traineeprogramm eines Unternehmens werden die Teilnehmer ,trainiert‘, um nach Abschluss eine bestimmte Position ausfüllen zu können“, erklärt Antje Kolodziej, Teamleiterin in der Akademiker-Vermittlung der Agentur für Arbeit Köln. Traineeprogramme dauern in der Regel ein bis zwei Jahre. Es gibt sie in verschiedenen Branchen in der freien Wirtschaft – meist in größeren Unternehmen – und im öffentlichen Dienst, so etwa auch bei der Bundesagentur für Arbeit. „Oft zielen solche Programme auf eine spätere Führungstätigkeit ab oder wollen den Teilnehmer an das Unternehmen binden“, führt Antje Kolodziej aus. Daher werden für die Einstellung meist höhere Anforderungen gestellt als an Direkteinsteiger.

„Ein Volontariat ist im Gegensatz zu einem Traineeprogramm fachgebunden“, erläutert Antje Kolodziej ein weiteres Einstiegsprogramm. Volontariate werden im Journalismus, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und im Kulturbereich angeboten. „Ein Volontariat ist äußerst anerkannt und bei den Bewerbern sehr begehrt“, weiß die Teamleiterin.

Ein weiteres Berufseinstiegsprogramm ist das Referendariat – die praktische Qualifizierung für den Lehrerberuf sowie für den Volljuristen. Angehende Lehrer absolvieren nach der Theorie an der Universität ihre praktische Ausbildung in einer Schule und stehen in dieser Zeit im Beamtenverhältnis auf Widerruf. Erst mit dem erfolgreichen Abschluss des Zweiten Staatsexamens können sie als Lehrer arbeiten. Juristen lernen im Referendariat in fünf Stationen – darunter mindestens ein Gericht und eine Anwaltskanzlei – ebenfalls die Praxis kennen und machen anschließend das Zweite Staatsexamen.

Darüber hinaus gibt es für angehende Ärzte das praktische Jahr: Nach ihrer ersten ärztlichen Prüfung – dem Physikum – durchlaufen sie verschiedene Abteilungen in einem Krankenhaus. Nach der zweiten ärztlichen Prüfung können sie die ärztliche Approbation beantragen. Das Rechtsreferendariat und das praktische Jahr im Krankenhaus sind Voraussetzungen, um als Volljurist oder als Arzt arbeiten zu dürfen.

Rahmenbedingungen prüfen

Für die Wahl eines Traineeprogramms rät Antje Kolodziej, Gehalt, die Inhalte des Programms und die berufliche Perspektive zu prüfen. „Das Traineeprogramm sollte einen Mehrwert für den Absolventen bieten, und der Arbeitgeber sollte an einer Entwicklung des Mitarbeiters durch dieses Programm interessiert sein.“ Gleiches gilt für ein Volontariat. Das Referendariat für angehende Lehrer ist oft sehr intensiv. „Einige berichten von einem Praxisschock und brechen das Referendariat ab“, erzählt Antje Kolodziej. Daher rät sie zu einem Vorpraktikum vor Aufnahme des Studiums. Auch das Rechtsreferendariat ist sehr aufwendig, weil sich die Juristen parallel auf ihr Zweites Staatsexamen vorbereiten.

Letztlich ist es eine Frage der Berufswahl, ob ein Berufseinstiegsprogramm sinnvoll oder sogar zwingend notwendig ist. Hat man die Wahl, sollten sich Hochschulabsolventen das angebotene Programm genau anschauen und entscheiden, ob es ihren Vorstellungen von einem gelungenen Berufseinstieg entspricht.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
http://berufsfeld-info.de/

 

BERUFENET
Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

Deutscher Bildungsserver
Informationen und Links zu Referendariaten in allen Bundesländern
www.bildungsserver.de/Vorbereitungsdienst-Referendariat-2521.html

 

Juristenkoffer
Informationen zum Rechtsreferendariat in allen Bundesländern
www.juristenkoffer.de

 

Deutscher Journalisten-Verband
Informationen zum Volontariat in Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit
www.djv.de/startseite/info/themen-wissen/aus-und-weiterbildung/volontariat.html

 

Traineegeflüster
Stellen und Informationen zu Traineeprogrammen
www.trainee-gefluester.de

 

Berufseinstiegsprogramme – Personalerstatements

Einblick in die Praxis

Wie laufen Berufseinstiegsprogramme ab? Und was erwarten Unternehmen von ihren Nachwuchskräften? abi>> hat Personaler zu ihren Angeboten befragt.

Dr. Heiko Gemmel, der für Referendare zuständige Partner der Kanzlei Hogan Lovells, Düsseldorf

Ein Porträt-Foto von Dr. Heiko Gemmel

Dr. Heiko Gemmel

Foto: privat

Nach dem Ersten Staatsexamen durchlaufen die meisten Jura-Absolventen das zweijährige Referendariat. An dessen Ende steht das Zweite Staatsexamen, danach sind sie sogenannte Volljuristen und dürfen als Anwälte, Richter oder Staatsanwälte arbeiten. Im Referendariat lernen sie diese Berufe in vier verschiedenen Stationen kennen: die Zivilstation bei einem Zivilrichter, die Strafstation bei einem Gericht oder bei der Staatsanwaltschaft, die Verwaltungsstation bei einem Verwaltungsgericht oder einer Behörde, die Anwaltsstation bei einer Kanzlei und als Letztes steht die Wahlstation. Die Zahl der Stationen und ihre Länge unterscheiden sich je nach Bundesland.

Für die Anwaltsstation sollten sich die Juristen bereits nach ihrem Ersten Staatsexamen bewerben, weil die Plätze vor allem bei bekannten Kanzleien begehrt sind. Bei der Bewerbung achten wir vor allem auf die Noten, aber auch darauf, ob der Kandidat oder die Kandidatin ins Team passt. Auslandserfahrung während des Studiums wird ebenfalls gern gesehen. Bei uns lernen die Referendare die Anwaltstätigkeit im Arbeitsalltag kennen. Sie recherchieren zu konkreten Fällen, verfassen Gutachten oder Schreiben an Mandanten und begleiten Anwälte zu Besprechungen. Außerdem bieten wir unterstützende Kurse für die Examensvorbereitung an und veranstalten interne Vorträge, damit die Referendare weitere Rechtsgebiete der Kanzlei kennenlernen.

Wenn sich der Referendar bewährt, stehen die Chancen zur Übernahme nach dem Referendariat sehr gut. Der Einstieg erfolgt als Associate, also als angestellter Anwalt. Dann durchläuft man die einzelnen Karrierestufen bis man schließlich zum Partner ernannt werden kann.

Eva Fleckenstein, Personalmarketing, Gothaer Versicherung, Köln

Unsere Traineeprogramme dauern 18 bis 24 Monate und richten sich insbesondere an Masterabsolventen. Für welchen Bereich wir Trainees suchen, hängt vom aktuellen Bedarf ab. Da alle unsere Trainees eine unbefristete Anstellung erhalten, prüfen wir vor einer Stellenausschreibung immer genau, in welchen Bereichen eine anschließende Übernahme möglich ist. Derzeit bieten wir Traineeprogramme im Bereich Data Science, Data Business Intelligence und Produktmanagement Krankenversicherung an, in der Vergangenheit haben wir auch für den Vertrieb oder die Rechtsabteilung gesucht. Für die aktuellen Programme stellen wir vor allem (Wirtschafts-)Informatiker, Ingenieure, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler ein, die sich für Daten und Digitalisierung begeistern.

Unsere Trainees lernen in Pflicht- und Wahlstationen unser Unternehmen, die verschiedenen Bereiche und Abteilungen kennen. Neben der praktischen Arbeit gibt es gemeinsame Seminare, bei denen es um übergreifende Fähigkeiten geht, etwa um Führungsqualifikationen oder agile Arbeitsmethoden, zum Beispiel im Projektmanagement. Dadurch sind die Trainees – auch über ihr Einstiegsprogramm hinaus – sehr gut im Konzern vernetzt.

Voraussetzung für eine Bewerbung auf eine Traineestelle sind praktische Erfahrungen, gerne auch in der Versicherungsbranche. Wir freuen uns auf Bewerber, die schnell Verantwortung übernehmen möchten, kommunikationsstark und begeisterungsfähig sind. Gegen Ende des Traineeprogramms planen die Trainees gemeinsam mit der Personalentwicklung entsprechend ihren Fähigkeiten und Neigungen ihre weitere Zukunft.

Christiane Holin, Personalsachbearbeiterin, Carlsen Verlag, Hamburg

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Christiane Holin

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Wir bereiten Hochschulabsolventen im Laufe eines 12- oder 18-monatigen Volontariats auf ihre Arbeit in einem Buchverlag vor. Volontariate werden im Lektorat beispielsweise in den Bereichen Kinderbuch, Jugendbuch, Digitale Label oder Comic angeboten, sind aber auch in den Abteilungen Marketing, Rechte und Lizenzen sowie in der Presse möglich.

Die Volontäre bekommen einen definierten Aufgabenbereich zugewiesen, und am Anfang der Ausbildung wird ein Ausbildungsplan besprochen. Für die gesamte Dauer des Volontariats steht ein fester Ansprechpartner zur Verfügung. Gleichzeitig sind die Volontäre in alle Abläufe und Strukturen im Verlag eingebunden und tragen Verantwortung. Selbstständiges Arbeiten wird bei uns großgeschrieben. Zu den Aufgaben eines Volontärs im Lektorat gehört unter anderem die Betreuung von Autoren, Illustratoren und Übersetzern, das Prüfen von Manuskripten, die Aufbereitung von Programmdaten und die Teilnahme an Buchmessen und Verkaufskonferenzen. Hinzu kommen diverse Fortbildungsmöglichkeiten, etwa zur Persönlichkeitsentwicklung oder fachlichen Inhalts.

Von Bewerbern für ein Lektorats-Volontariat erwarten wir ein abgeschlossenes geisteswissenschaftliches Studium. Sie sollten erste Erfahrungen im Verlagswesen gesammelt haben, beispielsweise über ein Praktikum oder eine studentische Aushilfstätigkeit. Auch Auslandserfahrung ist in vielen Bereichen ein Pluspunkt. Es reicht nicht aus, einfach gern zu lesen. Wir erwarten zudem eine Affinität zu Social Media und digitalen Medien. Nach der Ausbildung zum Lektor wäre der nächste Karriereschritt mit entsprechender Berufserfahrung zum Beispiel die Leitung eines Programmbereichs.

 

Rechtsreferendariat

Testlauf als Juristin

Tosca Hohm ist Anwältin in einer Kanzlei. Das Rechtsreferendariat, das sie nach dem Ersten Staatsexamen absolviert hat, hat der 26-Jährigen geholfen, sich für einen juristischen Bereich zu entscheiden.

Ich habe Jura an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Kurz nach dem Ersten Staatsexamen begann ich mein Referendariat, das aus mehreren Stationen bestand, in denen ich zahlreiche mögliche Einsatzbereiche kennenlernen konnte. Die Aufteilung ist je nach Bundesland unterschiedlich. In Rheinland-Pfalz ging es für mich in den ersten fünf Monaten in die Zivilstation, wo man bei einem Land- oder einem Amtsgericht einem Richter zugeteilt wird.

Von Zivil- bis Strafrecht

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Tosca Hohm

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Ich habe mich für ein Landgericht entschieden, das sich mit Arzthaftungsfragen beschäftigt – ein spannendes Thema. Für mich als Referendarin bedeutete das, mich durch umfangreiche Akten mit Schriftsätzen der Anwälte durchzuarbeiten, Urteile zu schreiben und sie anschließend mit der Richterin zu besprechen. Ein- bis zweimal in der Woche habe ich mich in Arbeitsgemeinschaften mit anderen Referendaren auf das Zweite Staatsexamen vorbereitet.

Als nächstes folgte die viermonatige Verwaltungsstation. Diese kann man beispielsweise bei einer Behörde oder einem Verwaltungsgericht absolvieren. Ich habe mich alternativ für ein Ergänzungsstudium an der Verwaltungshochschule in Speyer entschieden, um in Seminaren und Arbeitsgemeinschaften bestmöglich auf das Zweite Staatsexamen vorbereitet zu werden. Meine Seminararbeit behandelte ein Thema aus dem Asylrecht.

In meiner Strafstation wäre ich gern zur Staatsanwaltschaft gegangen, habe aber keinen Platz bekommen. Im Nachhinein bin ich froh, weil die Arbeit in der ersten großen Strafkammer des Landgerichts Mainz am Schwurgericht sehr spannend war. Diese Kammer befasst sich hauptsächlich mit Tötungsdelikten. Unter anderem habe ich häufig an den Beratungen der Strafkammern zur Entscheidungsfindung teilgenommen.

Einblick in den Kanzleialltag

Meine neunmonatige Anwaltsstation habe ich bei der internationalen Kanzlei Linklaters absolviert, bei der ich zuvor schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig gewesen war. Hier lernte ich den Arbeitsalltag von Anwälten näher kennen. Ich arbeitete im Fachbereich ‚Dispute Resolution‘, der sich mit Prozessführung und alternativen Formen der Streitbeilegung beschäftigt. Dort entwarf ich Schriftsätze, nahm an Telefonkonferenzen mit Mandanten teil und führte Recherchen für Anwälte durch. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit lag dabei auf energierechtlichen Themen. Während dieser Station schrieb ich die Prüfungen meines Zweiten Staatsexamen. Außerdem konnte ich eine Woche im Stammhaus der Kanzlei in London arbeiten und dort internationale Kontakte knüpfen.

Meine dreimonatige Wahlstation verbrachte ich bei einer weiteren Großkanzlei, um das Wirtschaftsstrafrecht kennenzulernen. Hier ging es hauptsächlich darum, nach intensivem Aktenstudium und Erforschung verschiedenster Sachverhaltsfragen rechtliche Bewertungen der Fälle vorzunehmen.

Als Anwältin Fuß gefasst

Nachdem ich auch die mündliche Prüfung meines Examens absolviert hatte, kehrte ich als Junganwältin zu Linklaters zurück, weil mir hier von Anfang an das Team und die Arbeit sehr gut gefallen haben. Auch inhaltlich habe ich im Laufe meines Referendariats festgestellt, dass mir die Anwaltstätigkeit am meisten Spaß macht. Besonders gefällt mir dabei, dass Sprache eine besondere Rolle dabei spielt, wenn es darum geht, Dritte von meinen Ansichten zu überzeugen – wobei ich auch die Einblicke in den Richterberuf sehr spannend fand. Das Referendariat ist aus meiner Sicht eine gute Sache, um einen Überblick über die Möglichkeiten zu bekommen, die einem als Jurist offenstehen.“

 

Volontariat

Von der Reportage bis zum Interview

Theresa Parstorfer ist Volontärin bei der Süddeutschen Zeitung. Zwei Jahre lang erhält die 27-Jährige Einblick in verschiedene Redaktionen, recherchiert Themen, führt Interviews und verfasst eigene Beiträge.

Ich habe schon immer gern geschrieben und mag es, Geschichten zu erzählen“, begründet Theresa Parstorfer ihren Wunsch, Redakteurin zu werden. „Außerdem finde ich, dass der Journalismus eine wichtige gesellschaftliche Funktion einnimmt.“

Bereits während ihres Bachelorstudiums in Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München absolvierte Theresa Parstorfer ein Praktikum bei der „Junge Leute“-Seite, die im München-Ressort der Süddeutschen Zeitung (SZ) erscheint. Hier schreiben junge Menschen einmal pro Woche Texte für die SZ über interessante Projekte anderer junger Leute. Nach dem Bachelorabschluss studierte Theresa Parstorfer ein Jahr lang das Fach „Refugee and Forced Migration Studies“ an der britischen University of Oxford. Schon vor dem Masterstudium hatte sie sich für ein Volontariat bei der SZ beworben. „Nach dem Abschluss konnte ich direkt das zweijährige Volontariat beginnen“, erzählt die 27-Jährige.

Den Redaktionsalltag kennenlernen

Ein Porträt-Foto von Theresa Parstorfer

Theresa Parstorfer

Foto: privat

Zunächst arbeitete Theresa Parstorfer sechs Monate lang in der Landkreis-Redaktion in Ebersberg: „Hier macht jeder alles. Ich habe Gemeinderats- und Bauausschusssitzungen besucht sowie über Theater- und Konzertaufführungen und über Veranstaltungen lokaler Vereine berichtet.“ Neben den festen Terminen konnte die Volontärin auch über selbstrecherchierte Themen schreiben: „Ich habe einige Sportlerporträts verfasst. Wichtig in der Landkreis-Redaktion ist vor allem der lokale Bezug.“ Bei größeren Geschichten haben ihr die erfahrenen Redakteure oft Tipps zur Verbesserung gegeben – im Alltagsgeschäft, wo es meist schnell gehen muss, blieb hingegen weniger Zeit dafür.

Nach einem Abstecher in eine der Online-Redaktionen der SZ ging es in die Wirtschaftsredaktion – neben der Innen- oder der Außenpolitik, der Digital-Ausgabe, der Hauptstadt-Redaktion in Berlin und dem Bayern-Teil eine der jeweils zweimonatigen Pflichtstationen. „In der Wirtschaftsredaktion recherchierte ich in erster Linie vom Schreibtisch aus und ging weniger auf Termine als in der Landkreisredaktion“, erklärt sie. In ihrer Wahlstation möchte sie nach Brüssel gehen, andere Volontäre entscheiden sich etwa für die Sportredaktion oder das Feuilleton. „Spannend fand ich, als wir in einer Gruppe von acht Volontären einen Monat lang selbstständig eine Gesellschaftsbeilage produziert haben“, berichtet Theresa Parstorfer.

Sprachgefühl und Stressresistenz

In begleitenden hausinternen und externen Seminaren befasst sie sich mit sämtlichen journalistischen Textformen wie Reportagen, Meldungen oder Interviews und lernt unter anderem, wie man gute Überschriften und Bildunterschriften formuliert. „Ein Gefühl für Sprache und ein gewisses Talent fürs Schreiben sollte man mitbringen, um als Journalist tätig zu sein“, betont die Nachwuchsjournalistin. „Außerdem sollte man unter Druck arbeiten können, denn bei einer Tageszeitung muss es oft schnell gehen.“ Hinzu kommt, dass man für die unterschiedlichsten Themen offen sein sollte – vor allem in einer Lokalredaktion. Ihr Tipp für angehende Volontäre: „Man wird nicht selten ins kalte Wasser geworfen. Aber auf diese Weise lernt man schnell, wie die Arbeit in einer Redaktion funktioniert. Wer offen ist und sich immer wieder auf neue Themen einlässt, wird mit Sicherheit viel lernen.“

 

Traineeship

Grundstein für die Finanzkarriere

Schon auf dem Wirtschaftsgymnasium war Alexander Armbruster klar, dass er in der Finanzbranche arbeiten möchte. Mit einem Traineeship hat sich der heute 31-Jährige optimal auf seine spätere Arbeit in der Bank vorbereitet.

Nach dem Abitur absolvierte Alexander Armbruster zunächst eine doppelt qualifizierende Ausbildung zum Finanzassistenten bei der Volksbank – wollte danach aber noch tiefer in die Materie einsteigen. Daher entschloss er sich für das Studium Internationales Finanzmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. Kurz vor dem Bachelorabschluss entdeckte er in einem Jobportal im Internet die Ausschreibung für eine Traineestelle bei der DekaBank in Frankfurt. „Ich bewarb mich und bekam nach einem Vorstellungsgespräch und einem Assessment Center die Stelle angeboten“, erinnert sich der 31-Jährige. Statt der vorgesehenen 18 Monate arbeitete er nur 15 Monate als Trainee, weil in der Zielabteilung, in der er anschließend eingesetzt werden sollte, vorzeitig eine Stelle frei wurde.

Überblick verschaffen und Schwerpunkte setzen

Ein Porträt-Foto von Alexander Armbruster

Alexander Armbruster

Foto: privat

„Als Trainee habe ich meine Basisstation – den Zahlungsservice – intensiv kennengelernt. Darüber hinaus war ich aber auch in angrenzenden Schnittstellen-Abteilungen eingesetzt“, berichtet Alexander Armbruster. Er und seine Kollegen im Zahlungsservice stimmen die Wertpapierbestände und -konten ab und überwachen diese als unabhängige zentrale Einheit der DekaBank. „Außerdem habe ich die Wertpapierabrechnung, die Wertpapierlieferung sowie die Bereiche Derivate, Geld und Devisen, Steuern und Meldewesen kennengelernt. Das Wissen aus diesen Abteilungen konnte ich dann wieder in der Basisabteilung einsetzen“, erklärt der ehemalige Trainee.

Die ersten sechs Wochen bestanden aus einer Einarbeitungsphase, in der er den Kollegen hauptsächlich über die Schulter geschaut und dadurch viel gelernt hat. Anschließend hat er schnell auch eigene Aufgaben übernommen. Einmal durfte er seinen Vorgesetzten nach Luxemburg begleiten, um die Kollegen und die Arbeit dort vor Ort kennenzulernen. „In einer kurzen Wahlstation habe ich mir zudem die Personalabteilung etwas genauer angeschaut.“

Netzwerke für die berufliche Zukunft aufbauen

Neben den Praxiseinsätzen waren auch Seminare Teile des Traineeprogramms. Hier lernten die Trainees Wissenswertes unter anderem zu Kommunikations-, Konflikt- und Projektmanagement oder auch zu fachlichen Themen. „Ein Vorteil ist das große Netzwerk, das man sich in seiner Ausbildungszeit aufbaut“, sagt Alexander Armbruster. „Noch heute treffe ich mich regelmäßig mit den damaligen Trainees, darunter sind auch einige Freundschaften entstanden. Dieses Netzwerk ist oft auch für die tägliche Arbeit eine wertvolle Hilfe.“

Seit Oktober 2017 arbeitet Alexander Armbruster nun in seiner ehemaligen Basisstation, dem Zahlungsservice. Neben der Abstimmung der Wertpapierkonten, die er nun eigenständig vornimmt, wird er mehr und mehr in Sonderprojekte eingebunden. „Zum Beispiel habe ich bereits daran mitgearbeitet, neue Wertpapierkonten in unserem bankinternen System aufzusetzen“, berichtet der qualifizierte Sachbearbeiter, wie er sich seit dem Abschluss seines Traineeprogramms nennen darf. Gern möchte er sich in Zukunft fachlich und persönlich weiterbilden und damit Grundlagen für einen Aufstieg legen. Sein Fazit: „Ich bin froh, dass ich mich für ein Traineeprogramm und nicht für einen Direkteinstieg entschieden habe.“


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Stand: 21.11.2019