beruf & karriere

Berufsleben als Alleinerziehende

„Unser Familienleben ist extrem durchgetaktet“

Tamina Henze (30) arbeitet als Sozialpädagogin beim Kinder- und Jugendschutzdienst in Gera und ist alleinerziehende Mutter von Elena (11) und Leano (2). abi» berichtet sie, wie sie mit ihren Kinder die täglichen Herausforderungen meistert.

Foto von einem Terminkalender

Leben nach dem Terminkalender: Als berufstätige Alleinerziehende muss man einen strengen Zeitplan einhalten.

Ein normaler Wochentag beginnt um 5:30 Uhr. Ich stehe auf, wecke meine Kinder, wir frühstücken und machen uns fertig für den Tag. Dann bringe ich Leano zu seiner Tagesmutter, auf dem Weg setze ich Elena an ihrer Schule ab. Um acht Uhr bin ich im Büro: Ich arbeite 30 Stunden in der Woche beim Kinder- und Jugendschutzdienst in Gera, einer Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind.

Pünktliches Arbeitsende ist wichtig

Foto von Tamina Henze

Tamina Henze

Meine Kollegen wissen, dass ich um 15:30 Uhr den Stift fallen lassen muss, um Leano pünktlich abzuholen. Die Tagesmutter wohnt leider recht ungünstig – sowohl von zu Hause als auch vom Büro brauche ich mindestens 20 Minuten. Die lange Anfahrt ist zwar eine zusätzliche Herausforderung, doch mir ist eine qualitativ hochwertige Betreuung sehr wichtig, da meine Kinder viel Zeit dort verbringen. Deswegen besucht meine Tochter auch eine private Gesamtschule mit Nachmittagsbetreuung.

Manchmal fährt Elena mit der Bahn nach Hause, sonst hole ich sie nach Leano ab. Elena überlegt, aufs Gymnasium zu wechseln. Dann müsste sie nachmittags zweieinhalb Stunden allein überbrücken. Alleinerziehend zu sein, verlangt auch den Kindern einiges ab – sie lernen früh, selbstständiger zu sein und müssen mehr mithelfen. Unser Familienleben ist extrem durchgetaktet, ich bin ständig damit beschäftigt, pünktlich irgendwo anzukommen. Das ist anstrengend, auch für die Kinder, die immer mitziehen müssen – keiner kann sich erlauben, mal eine halbe Stunde zu trödeln.

Als Alleinerziehende bin ich auf viel mehr Verständnis und Entgegenkommen aus dem sozialen Umfeld angewiesen – zumal ich sozusagen allein-alleinerziehend bin: Meine Verwandten wohnen 400 Kilometer weit weg. Aber ich habe ein sehr gutes und verlässliches Freundesnetzwerk. Und meine Kollegen sowie meine Chefin unterstützen mich im Arbeitsumfeld. Ich hatte früh angekündigt, dass ich nach der Elternzeit für Leano nur 25 Stunden arbeiten möchte. Das war möglich, da eine Kollegin den Wunsch geäußert hatte, zehn Stunden mehr machen zu wollen. Genauso später, als ich wieder aufstocken und eine Kollegin reduzieren wollte. #

Theoretisch habe ich die Möglichkeit, Gleitzeit zu nutzen, doch die Betreuungszeiten von Elena und Leano lassen dafür keinen Raum – es sei denn, wir würden noch früher aufstehen. Wenn eins der Kinder krank ist und ich absehen kann, dass es nicht eine ganze Woche zu Hause bleiben muss, kann ich nach Absprache auch schon einmal einen Tag mit Überstunden frei nehmen, und diese in den Wochen danach wieder reinarbeiten. Dadurch spare ich einen „Kindkranktag“ (freier Tag für die Betreuung eines kranken Kindes, d. Red.).

Nach der Arbeit bleibt Zeit für Rituale

Gegen 16:30 Uhr sind wir in der Regel zu Hause. Wenn wir nicht gerade einkaufen müssen, unternehmen wir etwas, gehen raus oder treffen uns mit Freunden. Gegen 18 Uhr beginnt das Abendritual mit essen, duschen, vorlesen und bettfertig machen. Mit etwas Glück schläft Leano um 20 Uhr, meine Tochter gegen 20:30 Uhr. Dann kümmere ich mich um Haushalt und Liegengebliebenes. Dann ist es aber auch einfach mal gut und ich habe wirklich Feierabend – und falle in der Regel zwischen 22 und 22:30 Uhr ziemlich erledigt ins Bett.

abi» 02.04.2020

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