beruf & karriere

Kriterien bei der Arbeitgeberwahl: Mobiles Arbeiten

Eine Typfrage

Dank der fortschreitenden Digitalisierung kann man sogar in einer leitenden Position mobil arbeiten – und dabei zu 100 Prozent präsent sein. Alexander Kaßler (37), Chefredakteur der Zeitschrift „unterwasser“, bringt so Familie und Arbeit in Einklang.

Mitarbeiterbesprechung an einem langen Tisch in einer Online-Redaktion

Auch wenn Alexander Kaßler im Homoffice arbeitet, tauscht er sich mit seinen Kolleg(inn)en via E-Mail oder Videokonferenz aus.

Bereits vor drei Jahren hatte der Redakteur mit seinem Arbeitgeber eine Vereinbarung zum mobilen Arbeiten getroffen. Die Redaktion war damals in Nürnberg, das Verlagshaus in München und Alexanders Kaßlers Beziehung in Leipzig. Damals hieß es für ihn: zwei Tage pro Woche arbeitet er im Homeoffice von Leipzig aus, drei Tage in Nürnberg. „Ich habe das mit dem Programm Teamviewer gelöst und schnell gemerkt, dass ich zu Hause sehr effizient arbeiten kann. Durch die drei Tage in Nürnberg konnte ich gut den Kontakt zu den Redaktionskollegen halten.“

Mit seinem Arrangement war Alexander Kaßler sogar Vorreiter für einige seiner Kollegen in ähnlichen Situationen. Sie trafen ebenfalls Homeoffice-Vereinbarungen.

Von 40 auf 100 Prozent

Ein Porträt-Foto von Alexander Kaßer.

Alexander Kaßler

Vor zwei Jahren wurde die Redaktion stark verkleinert und umstrukturiert, sollte ins Verlagshaus nach München verlegt werden. Alexander Kaßler bekam das Angebot, die Chefredaktion für das monatlich erscheinende Tauchmagazin zu übernehmen. „Diese neue berufliche Herausforderung hat mich natürlich gereizt, aber von Leipzig nach München zu pendeln, das kam einfach nicht infrage“, erklärt er.

Schlussendlich verständigte er sich mit seinem Arbeitgeber und stockte von 40 auf 100 Prozent Home- office auf. Auch sein Team ist quer über die Republik verstreut: Die Mitarbeiter sitzen in Köln, Nürnberg, München und Augsburg. Dennoch klappt die Zusammenarbeit gut, dank der neuen Medien – und weil die Abläufe schon lange geübt wurden. So kann er Aufgaben wie Heftplanung, Texte schreiben und redigieren, freie Mitarbeiter koordinieren und Heftkonzepte erstellen von seinem mobilen Arbeitsplatz aus erledigen. Auch der Kontakt mit Dienstleistern wie der Druckerei und der Anzeigenakquise läuft „remote“. Die Produktion eines Heftes dauert rund vier Wochen, dann kommen noch zwei Wochen für Druck und Distribution hinzu.

Seinen Vollzeit-Arbeitstag im Homeoffice teilt sich Alexander Kaßler frei ein. Wenn er tagsüber viel mit seinem kleinen Sohn unternimmt, legt er abends eben eine Spätschicht ein.

Teamwork auf Distanz

Trotzdem vermisst der Chefredakteur einiges: „Die soziale Komponente in der Redaktion fehlt mir sehr, das direkte Feedback, die Kommunikation mit Kollegen auf Zuruf – überhaupt der ganze Zusammenhalt im Team.“ Der Austausch wird natürlich trotzdem gewährleistet, durch E-Mails, Telefonate oder Videokonferenzen. Das klappt, aber: „Man muss sich sehr disziplinieren.“ In der Corona-Krise kam es ihm sehr entgegen, dass er bereits im Homeoffice gearbeitet hatte. Das Resümee aus seiner Erfahrung mit dem mobilen Arbeiten: „Ob man Homeoffice zu 100 Prozent bewältigen kann, ist definitiv eine Typfrage.“

Würde Alexander Kaßler seinen Mitarbeitern diese Möglichkeit geben? „Ich würde diese Option jedem freistellen. Aber man muss gemeinsam entscheiden, ob es funktioniert.“

abi» 27.07.2020

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