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Parfümeur*in – Hintergrund

Mit dem richtigen Riecher zum Erfolg

Sie gehören zu einer seltenen Spezies, von der es weltweit nur rund 2.000 Exemplare gibt. Parfümeur*innen hinterlassen mit ihren Duftkompositionen sinnliche Spuren in unserem Alltag. So exklusiv wie der Beruf ist auch der Weg dahin.

Laborsituation. Hände in blauen Handschuhen befördern mit einer Pipette eine Flüssigkeit aus einem Fläschchen in ein Gefäß.

Parfümeur*innen hinterlassen mit ihren Duftkompositionen sinnliche Spuren in unserem Alltag.

Schon die alten Ägypter, Römer und Griechen schickten ihre Gebete über den wohlriechenden Rauch verbrannter Pflanzen und Hölzer zum Himmel hinauf. Dadurch huldigten sie den Göttern. Abgeleitet vom lateinischen „per fumum“ – was „durch Rauch“ bedeutet – entstand das Wort „Parfüm“.

Einen großen Aufschwung gewann die Kunst der Parfümerie am französischen Hof, wo die feinen Herrschaften ab dem 16. Jahrhundert ihren Körpergeruch mit wohligen Düften kaschieren wollten. Auch Gerber im südfranzösischen Grasse, das heute als Wiege der Parfümerie bekannt ist, nutzten die edlen Tropfen, um Leder einen angenehmeren Geruch zu verleihen. In Deutschland entstand die Duftstoffindustrie im 19. Jahrhundert in Leipzig dank der Entdeckung der chemischen Synthese von Riechstoffen.

Tobias Koppitz

Heute ist das Parfüm in der Mitte der Gesellschaft angekommen.    
Weltweit tüfteln rund 2.000 kreative Nasen – davon rund 50 in Deutschland. Und das nicht nur an teuren Markenparfüms, sondern auch an Duftkompositionen für Waschmittel, Kosmetik, Duftkerzen oder Haushaltsreiniger. „Viel öfter als an Chanel arbeiten Parfümeure an Meeresbrise-Weichspülern“, sagt Tobias Koppitz, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes der Riechstoff-Hersteller.

Die Arbeitgeber für Parfümeur*innen sind zumeist große Herstellerkonzerne aus der Duftstoffindustrie, die sich im Hintergrund halten. Zu ihren Kunden zählen viele renommierte Parfümhäuser, die ihre Kreationen später unter den Namen berühmter Modeschöpfer*innen und Musikstars vermarkten. Nur die wenigsten Parfümeur*innen wie Jacques Guerlain oder Francois Coty sind prominent und gehören zu „den seltenen Rockstars der Branche.“

Keine geregelte Ausbildung in Deutschland

So rar wie der Beruf sind die Ausbildungsmöglichkeiten. Eine staatlich geregelte Ausbildung zum*zur Parfümeur*in gibt es in Deutschland nicht. Etwa 15 große Dufthersteller bilden ihren Nachwuchs hierzulande meist selbst aus. Voraussetzung für eine Traineestelle ist in der Regel ein naturwissenschaftliches Studium in Biologie, Chemie, Lebensmitteltechnologie oder Pharmazie. Alternativ kann eine Ausbildung zum*zur Chemielaborant*in oder Drogist*in in die Duftstoffindustrie führen.
Die wichtigste Grundlage für den Riechtest bei der Aufnahmeprüfung sind allerdings die Nase und ein hervorragendes Duftgedächtnis. Damit muss der*die angehende Parfümeur*in später rund 3.000 Grundriechstoffe samt ihrer chemischen Eigenschaften abspeichern.

Wer eine richtige Schule durchlaufen möchte, sollte sich ins Nachbarland Frankreich begeben. In der Heimat des Parfüms können sich begabte Kandidat*innen auf eigene Kosten an mehreren Instituten ausbilden lassen. Zu den renommiertesten zählen das Institute of Perfumery in Grasse, das Institut ISIPCA (Institut Supérieur International du Parfum, de la Cosmétique et de l'Aromatique Alimentaire) in Versailles oder die École de Parfumerie Givaudan in Argenteuil. Aus zahlreichen Bewerber*innen werden nach anspruchsvollen Aufnahmetests die größten Talente ausgewählt.

Viel Ausdauer und Leidenschaft nötig

Wer den Beruf schließlich ergreift, wird neben seiner Nase oft mit dem Computer arbeiten. Darin sind alle Rohstoffe samt ihrer physikalischen Werte, chemischer Eigenschaften und Preise in einer Datenbank gelistet. Obwohl mittlerweile sogar Künstliche Intelligenz Einzug in das Geschäft hält und eigene Duftformeln vorschlägt, bleibt der Mensch mit seinem olfaktorischen Vorstellungsvermögen in dieser Branche vorerst unverzichtbar.

Die größte Hürde liegt laut Tobias Koppitz darin, überhaupt zu einer Ausbildung zugelassen zu werden. Wer es schafft und eine Stelle bekommt, hat „phänomenale Berufschancen“, sagt der Experte. In der weltweit wachsenden Duftindustrie befinden sich Profis auf einem finanziell abgesicherten Weg. Topparfümeur*innen können jährlich im sechsstelligen Bereich verdienen.

Stand: abi» 15.01.2021

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