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Der Weg zur Professur

Ein junger Mann erklärt etwas anhand eines Textes aus einem Lehrbuch
Forscherdrang gehört unbedingt dazu, wenn man eine wissenschaftliche Karriere an der Hochschule anstrebt. Doch das ist noch längst nicht alles.
Foto: Ann-Kathrin Hörrlein

Professor werden

Der Weg zur Professur

Die Forschung und Lehre im Fach der Wahl ist ein reizvolles Karriereziel. Doch der Weg zur Professur ist lang und schwer planbar. abi» erklärt, welche Möglichkeiten Nachwuchswissenschaftler haben, die eine Professur anstreben.

Rund 25.500 Professuren gibt es derzeit an deutschen Universitäten. Werden die an Fachhochschulen sowie Musik- und Kunsthochschulen dazugerechnet, kommt man auf knapp 48.000. Etwa fünf Prozent der Stellen werden im Jahr neu besetzt. „Neugier und wissenschaftlicher Forscherdrang sind zwar eine gute Basis, reichen aber nicht aus, um eine Professorenstelle zu erhalten“, weiß Dr. Michael Hartmer, Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), der Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland. Seine Empfehlung an junge Studierende mit Ambition auf eine wissenschaftliche Karriere: sich schon während des Studiums um eine Stelle als studentische Hilfskraft bemühen. „So lernt man den Wissenschaftsbetrieb mit all seinen Besonderheiten besser kennen und kann schon mal einem Professor über die Schulter gucken, um für sich zu entscheiden, was mehr oder weniger attraktiv an diesem Beruf ist. Da es keine Sicherheiten und Garantien auf dem Weg zur Professur gibt, kann ich jungen Menschen außerdem nur raten, einen Plan B oder C für eine alternative Karriere innerhalb oder außerhalb der Wissenschaft im Kopf zu haben.“

Grundsätzlich sollten Interessierte ein gutes oder sehr gutes Examen und eine Promotion mit „magna cum laude“ oder „summa cum laude“ vorweisen können. „Promovieren ist an allen Universitäten möglich. An Fachhochschulen ist das von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt, an manchen ist eine Promotion oder eine kooperative Promotion über ein Promotionskolleg möglich. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass in Zukunft Promotionen an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften ohne Beteiligung einer Universität häufiger als bisher möglich sein werden“, meint Michael Hartmer.

Promotion, und dann?

Ein Porträt-Foto von Dr. Michael Hartmer

Dr. Michael Hartmer

Foto: Till Eitel

Nach der Promotion folgt in der Regel eine zwei- bis vierjährige Postdoc-Zeit an der Universität, einer außeruniversitären Forschungseinrichtung oder in der Industrie. Hier werden Forschungs- und Lehrerfahrungen gesammelt. Je nach Fach, Forschungsschwerpunkt und wissenschaftlichem Interesse geht es in den nächsten vier bis sechs Jahren unterschiedlich weiter. Es ist möglich, als wissenschaftlicher Mitarbeiter und parallel dazu an seiner Habilitation zu arbeiten oder alternativ auf eine Juniorprofessur oder auf eine Stelle als Nachwuchsgruppenleiter berufen zu werden. „Auf diesen Qualifikationsstellen fällt die Entscheidung, ob man sich auf eine Lebenszeit-Professur (tenure) bewerben kann“, erklärt der Experte.

Eine besondere Form der Qualifizierung ist die Tenure-Track-Professur. „Das ist der attraktivste Weg, der derzeit aus Sicht der Bewerber auf dem Markt ist“, meint Michael Hartmer. Beim Tenure-Track werden Professoren befristetet eingestellt. Sie verfügen über ein eigenes Budget und eine angemessene Ausstattung. Nach einer positiv ausgefallenen Evaluation erhält der Tenure-Track-Professor eine unbefristete und ohne weiteres Berufungsverfahren höherwertige Professur. „Dieses Modell wird von der Praxis allerdings uneinheitlich angenommen. Viele Fakultäten zögern, sich relativ früh weitgehend festzulegen“, sagt Michael Hartmer. Gefördert wird die Tenure-Track-Professur derzeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Zwischen 2017 und 2032 sollen 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren geschaffen werden.

Wer eine Universitätsprofessur anstrebt, muss im Regelfall wissenschaftlich an der Universität gearbeitet haben. Für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften oder an einer Musik- oder Kunsthochschule wird hingegen eine einschlägige mehrjährige berufliche Praxiserfahrung außerhalb der Hochschule beziehungsweise eine entsprechende künstlerische Leistung gefordert.

Der Weg ist das Ziel

Das durchschnittliche Berufungsalter für Professorinnen und Professoren in Deutschland liegt bei 42 Jahren. Bis dorthin muss der wissenschaftliche Nachwuchs in der Regel mit befristeten Verträgen rechnen. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz schreibt vor, dass Arbeitsverträge auf insgesamt 12 Jahre, bei Medizinern auf 15 Jahre, befristet sein dürfen. „Die Zeiten als studentische Hilfskraft zählen nicht dazu, zudem werden Kinderbetreuungszeiten berücksichtigt“, erklärt Michael Hartmer. „Dennoch muss man sich im Klaren darüber sein, dass eine wissenschaftliche Karriere derzeit im Regelfall über befristete Arbeitsverhältnisse bis zur Professur läuft.“

Ein Wechsel der Universität und ein Auslandsaufenthalt sind weitere Charakteristika einer wissenschaftlichen Laufbahn mit dem Ziel Professur. „Bei Juniorprofessuren ist es beispielsweise vorgeschrieben, dass wenigstens einmal die Universität gewechselt werden soll. In vielen Fächern, etwa in den Naturwissenschaften, ist es ein No-Go, wenn man nicht im Ausland wissenschaftlich tätig war.“

Raus aus dem Elfenbeinturm

Grundsätzlich muss man sich bei Professoren von den Klischees des Nerds oder Wissenschaftlers im Elfenbeinturm verabschieden, findet Michael Hartmer. „Eine Professorin oder ein Professor muss neben dem Nachweis der wissenschaftlichen Reputation und der pädagogischen Eignung ebenso sozialkompetent und kommunikationsstark, offen, flexibel und verhandlungssicher sein wie in anderen akademischen Berufen. Und: Professorinnen und Professoren sollten den ständigen beruflichen Umgang mit jungen Menschen als Privileg zu schätzen wissen.“

Neben diesen Kriterien für eine Universitätskarriere sollten Studierende obendrein beachten, dass Forscher und Wissenschaftler per se nie mit der Arbeit fertig werden. „Berufs- und Privatleben sind nicht immer zu trennen, schon weil gute Wissenschaftler eine Leidenschaft für ihren Beruf entwickeln“, weiß Michael Hartmer. „Man sollte andererseits aber nicht blauäugig sein. Es wird geforscht, was bezahlt wird. Ohne Drittmittel wird man in fast allen Fächern nicht erfolgreich sein können.“ Grundsätzlich glaubt der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, dass in den nächsten Jahren noch einiges in Bewegung kommt. „Die Unsicherheit, das Ziel Professur zu erreichen, macht den Beruf nicht attraktiv. Ich denke, die Diskussion um bessere und sichere Karrierewege wird daher in den nächsten Jahren neue Fahrt aufnehmen.“

abi>> 16.09.2019

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