beruf & karriere

Problemlöser - Interview

„Wichtig ist auch eine gewisse Weltoffenheit“

Auf welche Voraussetzungen kommt es allgemein bei den Problemlöser-Berufen an? Enno Maaß, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV), klärt auf.

Ein Foto von einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Foto: Martin Rehm

Das Leben geht nicht immer geradeaus. Problemlöser sorgen jedoch dafür, dass man dennoch ans Ziel kommt.

abi» Herr Dr. Maaß, welche persönlichen oder charakterlichen Voraussetzungen sollten Problemlöser mitbringen?

Enno Maaß: Auf jeden Fall ein starkes Interesse an Menschen, der Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen und den sozialen Gefügen. Natürlich sind auch ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten wesentlich für diese Berufe. Die nötige Balance zwischen Empathie und emotionaler Distanz hingegen gehört eher zu dem Handwerkszeug, das man auf dem Weg in diese Berufe durch beispielsweise Coachings oder Supervision erlernt und normalerweise nicht schon von Anfang an mitbringt.

abi» Welche Herausforderungen in der eigenen Biografie können für diese Berufe nützlich sein – einmal abgesehen von den nötigen fachlichen Qualifikationen?

Ein Foto von Enno Maaß

Enno Maaß

Enno Maaß: Grundsätzlich ist es von Vorteil mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und viele Erfahrungen zu sammeln, ein Verständnis von den Themen zu haben, über die man bei der Beratung oder in der Therapie spricht. Damit meine ich nicht, dass man unbedingt selbst die Erfahrung gemacht haben sollte, Schulden zu machen oder eine Sucht zu entwickeln, aber man sollte wissen wie Menschen in solche Situation kommen können. Hilfreich ist also eine gewisse Weltoffenheit, verschiedenste Menschen und Lebensumstände kennenzulernen. Das erleichtert einem den Alltag als Berater*in enorm, weil man sich dann auch besser in die Lage seiner Patient*innen oder Klient*innen versetzen kann. Schwieriger wird die Arbeit hingegen für Menschen sein, die sich zuhause verschließen oder zu wenig soziale Kontakte haben.

abi» Wann sollten Interessierte doch eher davon absehen einen Problemlöser-Beruf zu ergreifen?

Enno Maaß: Generell würde ich all diese Berufe nicht wegen einer vielleicht hinderlichen Eigenschaft ausschließen. Dafür ist das Spektrum der beruflichen Möglichkeiten hier zu breit gefächert. Es kann zwar sein, dass jemand zum Beispiel nicht die besten Voraussetzungen für den Beruf Psychologische*r Psychotherapeut*in mitbringt, weil er oder sie etwa zu sensibel auf die Schicksale reagiert, mit denen man während einer Therapie konfrontiert wird und dadurch vielleicht handlungsunfähig wird. Trotzdem könnte solch eine Person zum Beispiel für den Beruf des Schuldnerberaters geeignet sein, weil es dabei eher um organisatorische Dinge wie die Kommunikation mit Gläubigern geht und die dahinter stehenden Schicksale oberflächlicher behandelt werden.

Auch bei der Suchtberatung geht es mehr darum, die Voraussetzungen für eine Langzeittherapie zu schaffen, sofern eine notwendig ist. Für die Aufarbeitung psychischer Probleme sind wiederum die Therapeut*innen zuständig. Allgemein lässt sich sagen, dass es bei der Bandbreite dieser Berufe auch auf unterschiedliche Fähigkeiten ankommt. Es gilt dann also zum Beispiel bei der Berufsberatung den wirklich passenden Problemlöser-Beruf für sich zu finden, wenn man gern in diese Richtung gehen möchte.

Weitere Informationen

berufsfeld-Info

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.

berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Informationsportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V.

bdp-verband.de

Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV)

dptv.de

LWL-Koordinationsstelle Sucht

Grundlegendes Fachwissen über Suchterkrankungen und -dynamiken vermittelt der Kurs „Basiswissen Sucht“ der LWL-Koordinationsstelle Sucht. Ebenso können mit der Qualifikation zur/zum "Suchtberater/in (LWL) berufliche und persönliche Kompetenzen für die beratende Arbeit erweitert werden.

lwl-ks.de/de/Qualifizierung/

abi» 21.09.2020

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