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Flugtaxis

Air Mobility – nicht abgehoben!

Flugtaxis – das klingt wie Science Fiction. Für Jessika de Souza (32) und Eva Maria Beck (28) ist es konkreter und sehr spannender Berufsalltag bei der Lilium GmbH bei München. Beide sind überzeugt: die Zukunft des Verkehrs liegt in der Luft.

Jessika de Souza und Eva Maria Beck vor einem Lilium-Flugtaxi.

Jessika de Souza und Eva Maria Beck vor einem Lilium-Flugtaxi.

Wenn Eva Maria Beck aus dem Fenster neben ihren Arbeitsplatz schaut, kann sie die Mobilität der Zukunft mit eigenen Augen sehen: in Form eines senkrecht startenden und landenden Luftfahrzeugs, von 36 Elektromotoren angetrieben und vorgesehen für einen Einsatz als Lufttaxi. „Wenn ich den Jet sehe, kriege ich eine Gänsehaut“, sagt die Corporate Development Associate.

Bislang ist dieser von ihrem Arbeitgeber gebaute Jet noch nicht mit Passagieren geflogen, wurde nur vom Boden aus gesteuert. Platz finden darin vier Personen, die von dem System im regulären Betrieb vollkommen autonom befördert werden sollen, auf festen Strecken und Uhrzeiten, die man als Einzelperson buchen kann. Lediglich in der Anlaufphase sollen Piloten eingesetzt werden.

„Unser Konzept basiert auf shared mobility,“ erklärt Jessika de Souza, Kollegin von Eva Maria Beck bei der Lilium GmbH in Weßling bei München. Als sie im Oktober 2018 als Executive Assistant des Chief Commercial Officer rekrutiert wurde, wusste noch kaum jemand über das Projekt Bescheid, erinnert sie sich. Die 32-Jährige hat nach einer Ausbildung zur Marketingkauffrau und einem Studium im Fach Immobilienmanagement zunächst bei einer internationalen Unternehmensberatung gearbeitet. Von dort ist auch Eva Maria Beck zu Lilium gestoßen: Die 28-Jährige arbeitet seit Oktober 2019 im Corporate Development. Sie hat Betriebswirtschaftslehre in Mannheim und Barcelona studiert. Beide kümmern sich um Strategieentwicklung und Markterschließung für eine innovative Mobilitätslösung: den Individualverkehr in der Luft, jenseits aller Staus.

Flugtaxis nach Fahrplan

„Bei Flugtaxis denkt man häufig nur an urbane Mobilität“, sagt Eva Maria Beck. „Die Jets sind aber auch regional einsetzbar. Wir können Strecken bis zu 300 km bedienen. Und das in nur 60 Minuten.“ Das Flugtaxi soll für Verbindungen zwischen Großstädten eine Alternative zu Flugzeug, Zug oder Auto sein, aber schlicht auch Staus vermeiden. Das wird natürlich immer davon abhängen, wie weit es bis zum nächsten Startplatz ist.

Die Arbeit am Geschäftsmodell ist bei Lilium ein ebenso wichtiges Thema wie die technische Entwicklung. „Lilium plant und baut die Jets, wir werden aber auch den gesamten Betrieb abwickeln“, erklärt Eva Maria Beck. Alles aus einer Hand: das soll besten Service garantieren. Auch damit betritt das Unternehmen Neuland

In der Strategie- und Geschäftsentwicklung geht es darum, potentielle Märkte und Kunden zu identifizieren. Auch das ist Pionierarbeit. „Für Air Mobility gibt es noch keine regulatorischen Grundlagen“, erklärt Jessika de Souza. „In Europa brauchen wir für die Inbetriebnahme die kommerzielle Zulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit.“ Dafür muss Lilium sicherstellen, dass der Jet, seine Produktion und die Landeinfrastruktur allen regulatorischen Anforderungen entsprechen.

Für dieses Ziel arbeiten alle Mitarbeiter eng zusammen. Die Vernetzung und die Arbeit an einem konkreten Projekt hat die beiden Frauen aus der Unternehmensberatung herausgelockt. „Teil eines Ganzen zu sein“ und die Erfolge der Arbeit im Team unmittelbar zu erleben, das reizt beide besonders. „Bei uns gibt es keine starre Abgrenzung der Aufgaben, wir denken und arbeiten flexibel“, sagt Jessika de Souza.

Fliegen zum Taxitarif

Dass Air Mobility eine Zukunft hat, davon sind beide überzeugt. In welchen Ländern die Jets zuerst in den regulären Betrieb gehen werden, ist offen. Wirtschaftlich interessant kann das laut Eva Maria Beck sogar in Entwicklungsländern sein: „In entlegenen Gebieten kann es günstiger sein, die Infrastruktur für Flugtaxis zu entwickeln, als eine Straße zu bauen.“ Die erste Option für die Marktentwicklung sei das nicht, dennoch seien die Einsatzmöglichkeiten von Air Mobility vielfältig.

Außerdem sei die Technologie erschwinglich. Jessika de Souza: „Beim regionalen Einsatz sind die Kosten für ein Taxi unser Vergleichspunkt.“ Air Mobility soll kein exklusives Angebot für den Jet-Set sein, „sondern erschwinglich für alle, die aktuell anderweitig unterwegs sind.“

abi» 13.01.2020

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