Stadt oder Land?

Blühende Kirschbäume auf dem Land
Kein Verkehrslärm, viel Natur, günstigere Mieten. Es gibt viele Gründe sich für das Arbeitsleben auf dem Land zu entscheiden.
Foto: Julien Fertl

Wohnen und Arbeiten auf dem Land

Stadt oder Land?

Vor allem junge Menschen zieht es häufig in die Stadt. Dabei bringt das Leben auf dem Land viele Vorteile wie geringere Mieten und Lebenshaltungskosten mit sich – und kann sogar interessante berufliche Perspektiven bieten. Ärzte oder Ingenieure zum Beispiel werden häufig händeringend gesucht.

Wer auf dem Land lebt, der kennt in der Regel die Unternehmen, die dort ansässig sind. Häufig zählen Freunde, Verwandte oder Nachbarn zu den Angestellten. So dürfte in Rehe, einer Gemeinde im Westerwald in Rheinland-Pfalz, den meisten Einwohnern der Region das Unternehmen Abus ein Begriff sein, das an diesem Ort einen Entwicklungs- und Produktionsstandort hat. So ging es zumindest Eva Zammert. Nach ihrem Masterstudium in „Materialwissenschaft & Werkstofftechnik“ an der Universität Siegen hat sie sich bei dem Sicherheitstechnikunternehmen beworben. Obwohl die 28-Jährige aus dem hessischen Herborn-Seelbach kommt und für den Weg zur Arbeit das Bundesland wechselt, beträgt der Arbeitsweg nur etwa 20 Kilometer.

Als Assistentin der Entwicklungsleitung kümmert sie sich bei Abus um die Vorbereitung und Organisation von Terminen und Besprechungen, übernimmt die Stammdatenpflege und stimmt sich mit den Lieferanten im technischen Bereich ab. „Am meisten Spaß macht mir, dass ich viel Verantwortung tragen kann und bei meiner Arbeit Kontakt zu unterschiedlichen Bereichen im Unternehmen und außerhalb habe“, sagt die Ingenieurin. „Ich arbeite an vielen verschiedenen Projekten und technischen Herausforderungen mit.“

Wo man sich kennt und hilft

Ein Porträt-Foto von Eva Zammert

Eva Zammert

Foto: Andreas Hentschel

Ein Leben in der Großstadt kann sich Eva Zammert nicht vorstellen: „Ich schätze die Naturverbundenheit auf dem Land sehr. Außerdem sind mir Familie und Freunde wichtig. Hier auf dem Land habe ich einen guten Job und kann in unmittelbarer Nähe zu ihnen wohnen.“ Zwar ist die Ingenieurin aufgrund der schlechten Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel für ihren Arbeitsweg und private Erledigungen aufs Auto angewiesen, das ist für sie aber der einzige Nachteil am Landleben. „Die Wohnsituation finde ich hier viel besser als in der Stadt: Die Lebenshaltungskosten sind geringer, Tiere zu halten ist problemlos möglich und die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist groß, denn man kennt sich hier. Und der kurze Arbeitsweg bedeutet für mich nicht nur weniger Stress, sondern auch mehr Freizeit.“

Welche beruflichen Möglichkeiten Abiturienten und Akademiker auf dem Land haben, hängt von den persönlichen Wünschen und Vorlieben sowie der eigenen Mobilität ab. „Auf dem Land zu wohnen heißt nicht, keinen Zugang zu moderner Technik und zu kulturellen Angeboten zu haben. Allerdings sind die Wege dahin manchmal länger“, sagt Stefanie Deutschbein, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Bernburg. „Wer preiswert bauen oder wohnen will, für den ist das im ländlichen Raum eher möglich als in der Großstadt. Und wer lieber ohne Verkehrsrauschen einschläft und Natur um sich herum schätzt, ist auf dem Land ebenfalls richtig.“

Dafür muss man eventuell längere Arbeitswege in Kauf nehmen: „Neue Firmen im ländlichen Raum siedeln sich eher in Gewerbegebieten an, die zwar gut an große Autobahnen und Bundesstraßen angebunden, mit dem öffentlichen Nahverkehr aber eher schlecht zu erreichen sind. Das kann ein Problem für angehende Azubis und potenzielle Mitarbeiter ohne Führerschein sein“, sagt Stefanie Deutschbein.

Viele Hidden Champions auf dem Land 

Ein Porträt-Foto von Stefanie Deutschbein

Stefanie Deutschbein

Foto: Meike Munschik

Während viele Konzerne ihren Sitz in einer Großstadt haben, findet man auf dem Land häufig mittelständische Firmen, die attraktive Arbeitgeber für Abiturienten sein können. Darunter sogar manchen Hidden Champion also ein Unternehmen, von dem kaum einer weiß, dass es auf seinem Gebiet Weltmarktführer ist. (Siehe auch die Berufsreportage Hidden Champion „Von Attendorn bis Amerika“.) „Gerade bei einem Mittelständler bekommt man schnell Verantwortung übertragen und kann Erfahrungen sammeln. Wer unbedingt in einem Großkonzern arbeiten möchte, kann auch das, dann aber eher an Standorten ohne Forschungsbereich. Stattdessen bieten sich dem Land eher Einstiegsmöglichkeiten in Produktionsstätten dieser Konzerne an.“ Schwierig wird es in Orten, die immer noch nicht ans schnelle Internet angeschlossen sind. „Hier wird es frisch gebackenen Akademikern mit Gründungswünschen in Heimatnähe oft noch unnötig schwergemacht“, berichtet Stefanie Deutschbein.

Dienstleistungs- und Pflegeberufe sind auf dem Land besonders gefragt, denn auch hier werden die Menschen älter, die Versorgung ist aber häufig nicht so gut wie in der Stadt. Dazu gehören neben Humanmedizinern oder Psychotherapeuten auch Tierärzte. (Siehe auch die Berufsreportage Landtierarzt „Nach dem Studium zurück aufs Land“.) Das Gleiche gilt für Metall- und Elektroberufe. „Weniger gefragt sind Berufe im künstlerischen und kreativen Bereich – aber auch hier kann man mit kreativen Ideen Nischen besetzen“, sagt die Beraterin.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten.
berufsfeld-info.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

 

Landtierarzt

Nach dem Studium zurück aufs Land

Eigentlich wollte Florian Meyer (29) Mathe- und Chemielehrer werden. Als er kurz vor dem Abitur bei einem verwandten Tierarzt ein freiwilliges Praktikum absolvierte, änderten sich seine Pläne jedoch. Heute lebt und arbeitet er als Tierarzt in einer Tierklinik in Bad Langensalza in Thüringen.

Das Praktikum hat damals mein Interesse für den Beruf geweckt. Glücklicherweise haben meine Schulnoten ausgereicht, um gleich einen Studienplatz zu ergattern“, berichtet Florian Meyer. Für das Veterinärmedizinstudium zog er direkt nach dem Abi nach Leipzig. „Eine sehr schöne Stadt für Studierende. Das war für jemanden wie mich vom Land und mit gerade einmal 18 Jahren natürlich ganz schön aufregend. Ich habe mich aber schnell an das Leben dort gewöhnt und es schätzen gelernt.“

Dennoch zog es ihn nach dem Studium zurück aufs Land, wo er aufgewachsen ist. Seit fünf Jahren arbeitet der 29-Jährige in der Tierklinik des Forschungszentrums für Medizintechnik und Biotechnologie fzmb GmbH in Bad Langensalza.

Immer unterwegs

Ein Porträt-Foto von Florian Meyer

Florian Meyer

Foto: Sarah Meyer

„Mein Tag beginnt meist zwischen 6 und 7 Uhr morgens. Ich bin als ambulanter Tierarzt vor allem für Nutztier- und Pferdepatienten unterwegs. Vormittags arbeite ich meine festen Termine in den Milchviehbeständen ab“, beschreibt Florian Meyer seinen Arbeitsalltag. Dabei geht es um die sogenannte Bestandsbetreuung. Das heißt, der Landtierarzt führt bei den Kühen gynäkologische Untersuchungen durch, überwacht die Eutergesundheit, betreut tierische Patienten mit Problemen an Klauen und Gliedmaßen, führt Schutzimpfungen für die Kälber durch oder hilft Kühen beim Kalben. Am Nachmittag stehen meist Termine bei privaten Pferde- oder Rinderhaltern auf dem Programm. Auch Büroarbeit gehört dazu. Einmal in der Woche hat er Nachtdienst, dann betreut er stationäre Patienten in der Tierklinik und ist für Notfälle erreichbar.

In seinem Arbeitsalltag gibt es viele Herausforderungen: „Gerade im Nutztierbereich wird es immer schwieriger, dem Verbraucherschutz gerecht zu werden. Steigende Standards und Restriktionen für die Tierhalter und uns Tierärzte erzeugen zurzeit eine Menge Druck und Unsicherheit. Dazu kommen sinkende Abgabepreise für Milch und Fleisch. Da gibt es definitiv ein Spannungsfeld zwischen ländlichen und urbanen Regionen“, findet er. Die größte Herausforderung für den Landtierarzt ist es aber, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Es gibt sehr viel Arbeit und man muss aufpassen, dass man sich nicht im Job verliert“, erzählt Florian Meyer. Für seinen Einsatz wird er jedoch auch belohnt. „Wenn dem Patienten geholfen ist und ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht des Tierhalters huscht – das ist der beste Part.“

Schnell eine Stelle gefunden

Für das Landleben hat sich Florian Meyer aus mehreren Gründen entschieden. „Zum einen hat es mich immer wieder hierhergezogen, weil ich von hier komme. Zum anderen war glücklicherweise eine Stelle an der Tierklinik frei, als ich mein Studium abgeschlossen hatte. Auch meine Frau hat hier Arbeit gefunden, sie ist ebenfalls Tierärztin. Die Kleinstädte hier vereinen dörflichen Charakter und Stadtflair, sodass man von beidem etwas hat“, findet Florian Meyer. „Ich habe das Gefühl, dass in den Dörfern oder prinzipiell auf dem Land ein anderer Zusammenhalt herrscht als in der Stadt. Ich komme viel herum, man kennt und hilft sich gerne.  Es gibt ein Traditionsbewusstsein und das schweißt die Leute zusammen. Obwohl ich die Stadt zu schätzen gelernt habe, habe ich das dort immer vermisst.“

Als er vor fünf Jahren sein Studium abschloss, war es für ihn nicht schwierig, eine Stelle zu finden. „Heute wäre es wohl noch leichter, weil gerade auf dem Land und in den Großtierpraxen Leute gesucht werden.“ Florian Meyer sieht auch seine Zukunft außerhalb der Stadt. „Ich möchte mit meiner kleinen Familie in ein Haus ziehen, eine eigene Praxis gründen und das Landleben genießen. Unsere Kinder sollen sich frei bewegen und Landwirtschaft sehen und erleben können.“

 

Hidden Champion

Von Attendorn bis Amerika

Verena Stelthove (33) lebt und arbeitet auf dem Land. Ihr Arbeitgeber, das Sanitär- und Heizungstechnikunternehmen Viega, ist ein sogenannter Hidden Champion. Am Landleben schätzt die Ingenieurin das Gemeinschaftsgefühl, die Nähe zu Freunden und Familie und einen kurzen Arbeitsweg ohne Staus.

Leben und arbeiten in der Großstadt? Das wäre für Verena Stelthove auf Dauer nichts. Die Produktentwicklerin, die beim Sanitär- und Heizungstechnikunternehmen Viega in Attendorn arbeitet, schätzt die Vorzüge des Landlebens. „Man kennt sich untereinander, es gibt ein Gemeinschaftsgefühl und nach Feierabend kann ich in meinem eigenen Garten ohne Verkehrslärm entspannen. Das würde mir in der Stadt fehlen“, sagt die 33-Jährige, die in Altenvalbert wohnt, einem Ort mit rund 100 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen.

Die Wahl fiel nicht zufällig auf ihren Arbeitgeber: Nach der Schule hatte sie dort eine Ausbildung als technische Zeichnerin absolviert, später ein duales Studium in Maschinenbau. Nach ihrem Bachelor stieg sie zunächst als Entwicklungskonstrukteurin ein. Mittlerweile ist sie als Produktentwicklerin für Armaturen zuständig, die in Rohrleitungssysteme für Sanitär und Heizung eingebaut werden, wie zum Beispiel um sogenannte Zirkulationsventile und Kugelhähne.

Den Wald vor der Tür

Ein Porträt-Foto von Verena Stelthove

Verena Stelthove

Foto: privat

Viega ist ein sogenannter Hidden Champion, also ein mittelständisches Unternehmen, das auf seinem Gebiet zu den Weltmarktführern zählt, aber der breiten Öffentlichkeit – anders als große Konzerne – weitestgehend unbekannt ist. Dabei finden sich die Rohrleitungssysteme, die Viega entwickelt, zum Beispiel im Pentagon in Washington, D.C., und in der Elbphilharmonie in Hamburg. Weltweit arbeiten über 4.000 Mitarbeiter für das Familienunternehmen. Der Hauptsitz ist in Attendorn, einer Kleinstadt im Sauerland mit rund 25.000 Einwohnern.

Verena Stelthove braucht zu ihrem Arbeitsplatz rund 25 Minuten. „Das finde ich gut, denn ich möchte nicht so viel Zeit im Auto verbringen oder schon gestresst in den Arbeitstag starten, weil ich vorher im Stau stand. Und meinen Wohnort wollte ich – wegen meinen Freunden und der Familie – auch nicht verlegen.“ Wenn die 33-Jährige nicht arbeitet, verbringt sie gerne Zeit in der Natur, zum Beispiel am nahegelegenen Biggesee. Oder sie fährt mit ihrem Mountainbike in den Wald, der direkt vor der Tür liegt. Außerdem geht sie gerne reiten und fährt im Winter Snowboard.

Entwicklerteams aus der ganzen Welt

Zu ihren Aufgaben bei Viega gehören neben dem Konstruieren neuer Produkte auch Konstruktionsanalysen, technisch-wirtschaftliche Betrachtungen und Entwicklungsprüfungen. Dazu spricht sie sich mit ihren Kollegen aus dem Produktmanagement, dem Qualitätswesen, dem Prüflabor und der Produktion ab. „Sobald zum Beispiel ein neuer Kugelhahn in die Produktion geht, muss das Konzept stehen. Anschließend wird nach vorgegeben Normen geprüft. Ich trage die Verantwortung für das ausgearbeitete Konzept.“ Das Herstellungs- und Montagekonzept schaut sich die Ingenieurin genau an und stimmt sich dazu mit der Produktion und dem Produktionsentwickler ab: „Jedes Projekt ist anders und stellt einen vor neue Herausforderungen. Das gefällt mir. Dadurch ist die Arbeit sehr vielfältig.“

Bei der Entwicklung eines neuen Produkts arbeitet Verena Stelthove immer im Team mit anderen Entwicklern zusammen: „Je nachdem, aus welchem Land die Entwickler kommen, lernt man unterschiedliche Installationsgewohnheiten, Produkte, Normen und natürlich andere Kulturen und Menschen kennen.“ Aktuell entwickelt sie gemeinsam mit Kollegen aus den USA ein Produkt für den amerikanischen Markt. „Einer der besten Momente meiner Arbeit ist jedes Mal, wenn ein Projekt abgeschlossen ist und das Produkt erfolgreich verkauft wird.“

 

Wohnen und Arbeiten auf dem Land – Umfrage

Wo willst du arbeiten?

abi» hat Studierende unterschiedlicher Hochschulen gefragt, welche Kriterien ihnen bei der Wahl ihres zukünftigen Arbeitsortes wichtig sind und ob sie sich vorstellen können, auf dem Land zu leben und zu arbeiten.

Lisa Andrich (26) studiert Umweltingenieurwesen im achten Bachelorsemester an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Mir ist es wichtig, später einen Beruf auszuüben, mit dem ich Gutes tun kann. Deshalb habe ich mich für Umweltingenieurwesen entschieden. Eine große Rolle spielt für mich der Ort beziehungsweise die Umgebung, in der ich später lebe – ebenso das Betriebsklima sowie die Position, in der ich arbeite. Natürlich möchte ich gut verdienen, aber vor allem möchte ich später keine 40-Stunden-Woche, denn mein Leben soll nicht nur aus Arbeit bestehen. Ich mag das Gefühl, viel Raum zum Leben zu haben – das spricht dafür, auf dem Land zu leben. Dort hat man eher die Chance auf ein Eigenheim mit Garten anstatt einer Wohnung. Ich denke allerdings, dass ich relativ stadtnah wohnen möchte. Ich bin in Berlin aufgewachsen und empfinde Cottbus schon als sehr klein und ruhig.

Florentina Sauter (19) absolviert ein duales Studium in Wirtschaftsingenieurwesen bei ifm im baden-württembergischen Tettnang. Aktuell befindet sie sich im vierten Semester.

Ein Porträt-Foto von Florentina Sauter

Florentina Sauter

Foto: privat

Einerseits stand für mich fest, dass ich direkt nach dem Abitur mit dem Studium beginnen wollte, andererseits war es mir mit gerade mal 17 Jahren wichtig, in der Nähe meiner Heimat zu bleiben. Ich komme aus einer kleinen Gemeinde im Bodenseekreis und da sowohl mein Betrieb als auch meine Hochschule von dort leicht zu erreichen sind, musste ich fürs Studium nicht extra umziehen. Ich kann mir derzeit sehr gut vorstellen, nach meinem Abschluss noch ein Masterstudium anzuschließen. Da ich noch sehr jung bin und bisher nur in der Bodenseeregion gelebt habe, möchte ich aber auf jeden Fall einige Zeit in einer größeren Stadt wohnen. Denn ich glaube, dass dies eine wertvolle Erfahrung für die persönliche Entwicklung sein kann – ein bisschen über den Tellerrand zu schauen, schadet bekanntlich ja nie. Auf langfristige Sicht schließe ich jedoch nicht aus, mich hier in meiner Heimat niederzulassen.

Maximilian Reusch (23) studiert Agrarwissenschaften – Pflanzenproduktionssysteme im zweiten Mastersemester an der Universität Hohenheim.

Ein Porträt-Foto von Maximilian Reusch

Maximilian Reusch

Foto: privat

Für das Studium habe ich mich entschieden, nachdem ich meine Leidenschaft für die Natur und die Prozesse entdeckt habe, die das Jahr über in der Landwirtschaft, vor allem in der Pflanzenproduktion stattfinden. Mir ist es wichtig, in Zukunft weiterhin im landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern, den ich irgendwann übernehmen werde, tätig zu sein und selbst Landwirtschaft zu betreiben. Ich bin in einem beschaulichen 120-Einwohner-Ort aufgewachsen und möchte dies nicht missen, da das Leben auf dem Land für mich ein Gefühl von Freiheit und greifbarer Natur bedeutet. Gerade im oftmals stressigen Alltag hat das einen beruhigenden Einfluss auf mich, den ich in der Stadt oft vermisse. Ich verstehe dennoch die Menschen, für die das Landleben nichts ist, wenn der nächste größere Supermarkt fünf Kilometer entfernt oder das öffentliche Verkehrsnetz nur bedingt gut ausgebaut ist. Auch die Internetanbindung ließ hier vor nicht allzu langer Zeit noch zu wünschen übrig.

Katrin Bogner (28) studiert Naturschutz und Landnutzungsplanung im sechsten Bachelorsemester an der Hochschule Neubrandenburg.

Ein Porträt-Foto von Katrin Bogner

Katrin Bogner

Foto: privat

Ich könnte mir gut vorstellen, nach dem Studium für eine Projektarbeit ein paar Monate ins Ausland zu gehen. Mich interessiert die Arbeit bei Nichtregierungsorganisationen. Ich überlege aber auch noch, ob ich einen Masterstudiengang dranhängen soll. Über meinen künftigen Arbeitsort mache ich mir nicht so viele Gedanken, denn ich habe keinen bestimmten Wunschort. Wenn sich eine interessante Stelle für mich ergibt, kann ich mir gut vorstellen, diese anzunehmen, egal, wo sie sich befindet. Ich bin immer offen für Neues. Deswegen ist mir die Entscheidung leichtgefallen, für mein Studium von Bayern nach Mecklenburg-Vorpommern zu ziehen. Arbeiten auf dem Land kann ich mir schon vorstellen, denn Naturschutz findet überall statt. Aktuell zieht es mich aber eher in die Großstadt. Da ist einfach mehr geboten. Aufs Land kann man auch noch ziehen, wenn man älter ist oder eine Familie plant. Ich bin in einer Kleinstadt in Bayern aufgewachsen und habe erstmal nicht das Bedürfnis, aufs Land zurückzukehren. Außerdem interessieren mich insbesondere Themen wie Naturschutz und Nachhaltigkeit in der Stadt.

 

Wohnen und Arbeiten auf dem Land – Checkliste

Von A wie Ausbildung bis W wie Wohnraum

Bessere Luft, weniger Verkehrslärm, Natur vor der Tür: Das Landleben klingt vielversprechend. Doch wie sieht es mit Jobs und Wohnraum auf dem Land aus? Welche Vorteile hat das Leben und Arbeiten in der Stadt? Für wen ist das Landleben das Richtige? abi» nimmt die wichtigsten Faktoren unter die Lupe.

Ausbildung & Studium

Viele ziehen zum Studieren in die (Groß-)Stadt. Das ist nicht immer nötig: Zwar sind Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten auf dem Land begrenzter, doch finden sich auch in kleineren Städten viele Hochschulen und Universitäten. Ausbildungsplätze werden zumeist von kleinen und mittelständischen Unternehmen angeboten, von denen sich viele in ländlichen Regionen, vorzugsweise in Gewerbe- oder Industriegebieten, ansiedeln.

Fahrtzeiten

Ob der Arbeitsweg auf dem Land länger oder kürzer als in der Stadt ist, kommt darauf an, wie und womit die Arbeitsstelle erreichbar ist. Wer am einen Ende einer Großstadt wie Berlin lebt, zum Arbeiten aber ans andere Ende fahren muss, der muss dafür sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem PKW eine längere Fahrt einplanen. Andererseits ist man auf dem Land häufig aufs eigene Auto angewiesen, da eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr nicht oder nur teilweise vorhanden ist. Das kann gerade für Berufsanfänger ohne eigenes Auto ein Problem darstellen.

Freizeit

Wo sich einem die besseren Freizeitmöglichkeiten bieten, hängt von den eigenen Interessen ab. Wer gerne in der Natur ist, zum Baden an den See oder mit dem Rad in den Wald fährt, der wird sich auf dem Land wohlfühlen. Das Vereinsleben ist hier häufig sehr ausgeprägt, wenngleich das Angebot an verschiedenen Sportarten natürlich nicht so groß wie in einer Stadt ist. Wer sich vor allem für Kultur, Kino und Konzerte interessiert, dem wird die Freizeitgestaltung in der Stadt leichter fallen. Auch die Einkaufsmöglichkeiten sind hier deutlich größer. Außerdem lassen sich im Gegensatz zum Land, wo die Wege bis zum nächsten Supermarkt oft weit sind, viele Erledigungen mit dem Fahrrad machen. Neben dem öffentlichen Verkehrsnetz wird zudem das Angebot an Leihautos und -fahrrädern in den Städten immer weiter ausgebaut, sodass es möglich ist, auf ein eigenes Gefährt zu verzichten.

Karriere

Zwar ist die berufliche Vielfalt auf dem Land eingeschränkter als in der Stadt, dennoch gibt es dort gute Berufsperspektiven für gefragte Berufe wie Ärzte, Pflegekräfte oder Ingenieure. Viele Gemeinden suchen händeringend nach Ärzten, um für die immer älter werdende Bevölkerung eine entsprechende Versorgung zu gewährleisten. Und viele Konzerne verlegen ihre Produktionsstandorte aufs Land.

Infrastruktur

Ob öffentlicher Nahverkehr, ärztliche Versorgung oder schnelles Internet – in manchen ländlichen Regionen ist es, auch aufgrund einer Abwanderung in die Städte, schwierig, eine funktionierende Infrastruktur zu gewährleisten. Immer beliebter werden deshalb die sogenannten Speckgürtel, also Landkreise, die sich im näheren Umkreis der großen Städte befinden und somit in der Regel eine bessere Anbindung als abgeschiedene, ländliche Regionen haben.

Wohnraum

Während der Wohnraum in den Ballungsräumen immer knapper wird und die Mieten und Grundstückspreise anziehen, sind auf dem Land die Lebenshaltungskosten insgesamt geringer. Viele Menschen, insbesondere junge Familien, überlegen deshalb immer häufiger, wo sie sich niederlassen wollen und ob das Land nicht eine attraktive und vor allem kostengünstigere Alternative zur Stadt darstellen kann.


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Stand: 13.10.2019