Die Prophylaxe-Profis

Modell eines menschlichen Gebisses
Den Gesundheitszustand der Zähne prüfen, motivierende Instruktionen für die Mundhygiene geben, Ablagerungen entfernen und Schulungen abhalten: Der Arbeitsalltag von Dentalhygienikern dreht sich rund um das menschlische Gebiss.
Foto: Nicole Schwab

Dentalhygieniker/in werden

Die Prophylaxe-Profis

Dentalhygieniker sind in den Zahnarztpraxen die Vorsorge-Experten. Sie dürfen in Deutschland allerdings nicht selbständig arbeiten, sondern werden von Zahnärzten angestellt.

Ob es um Kinder, Erwachsene oder Senioren geht – das Thema Zahnpflege ist in allen Altersklassen wichtig. Dentalhygieniker sind hauptsächlich in Zahnarztpraxen tätig, führen aber auch Gruppenberatungen in Schulen und Kindergärten durch oder Schulungen in Senioren- und Pflegeheimen. Sie prüfen den Gesundheitszustand der Zähne, geben motivierende Instruktionen zur häuslichen Mundhygiene und entfernen gegebenenfalls Ablagerungen.

Porträt von Julia Haas

Julia Haas

Foto: privat

In regelmäßigen Abständen führen sie Früherkennungsuntersuchungen durch, um bei Bedarf weitergehende Befunde zu erheben und die notwendige Therapie durchzuführen. „Bei Kindern werden die Zähne eingefärbt, damit sie selbst sehen können, wie gut sie geputzt haben. Bei Erwachsenen und Senioren wird in individuell abgestimmten Intervallen eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt“, erklärt Julia Haas vom Verband Deutscher Dentalhygieniker. „Außerdem erheben Dentalhygieniker bestimmte Indizes, die Auskunft darüber geben, ob der Bereich unterhalb des Zahnfleisches erkrankt ist, nehmen den Parodontalstatus auf und fertigen in Absprache mit dem Zahnarzt auch Röntgenbilder an.“

Fortbildung oder Studium

Wenn Zahnmedizinische Fachangestellte nach ihrer zwei- bis dreijährigen Ausbildung in der Zahnarztpraxis ihr Interesse an der Prophylaxe entdecken, können sie zunächst eine Fortbildung zum Zahnmedizinischen Prophylaxeassistenten (ZMP) absolvieren, die mindestens 400 Stunden umfassen muss. Erst danach können sie die Aufstiegsfortbildung zum Dentalhygieniker (DH) aufsatteln, die mindestens 950 Stunden Unterricht beinhaltet. Das Weiterbildungsangebot in diesem Bereich ist allerdings sehr vielfältig, betont Julia Haas: „Es gibt kompakte und berufsbegleitende Ausbildungsgänge, die zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauern. Teilweise führen die Zahnärztekammern die Fortbildungen durch. Doch auch hier gibt es je nach Bundesland große Unterschiede darin, was gelehrt wird und welche Aufgaben die Person anschließend in der Praxis übernehmen darf.“ Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, an der privaten „praxisHochschule“ in Köln einen dualen Bachelor in Dentalhygiene und Präventionsmanagement zu absolvieren, der regulär drei Jahre dauert und unter besonderen Voraussetzungen auf bis zu zwei Jahre verkürzt werden kann.

Dentalhygieniker in Deutschland dürfen sich nicht selbständig machen. „Anders als unsere Kollegen in den USA und anderen europäischen Ländern sind wir hierzulande weisungsgebunden und in unserer Arbeit auf die Delegation durch den Zahnarzt angewiesen“, erläutert die Expertin. Manche Dentalhygieniker erzielen mit ihrer Arbeit ein monatliches Gehalt von 3.200 bis 4.000 Euro brutto. Dies ist sehr unterschiedlich und je nach Vertragsgestaltung zum Beispiel an den Umsatz der Praxis gebunden.“

„Da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, kann eine Zahnmedizinische Fachangestellte nach einem entsprechenden Crashkurs die gleichen Aufgaben übernehmen“, klagt Julia Haas, die sich zusammen mit dem Verband für eine Anerkennung des Berufs einsetzt.

Für Kommunikationstalente mit Fingerspitzengefühl

Meist arbeiten Dentalhygieniker in großen Zahnarztpraxen, so dass sie ein hohes Maß an Teamfähigkeit mitbringen müssen. „Man ist nicht nur auf den Zahnarzt angewiesen, sondern beispielsweise auch auf die Kollegen, die die Terminplanung übernehmen“, erzählt Julia Haas. Darüber hinaus sollten Dentalhygieniker gerne mit Menschen zusammenarbeiten, kommunikativ, empathisch und auch belastbar sein: „Die Tätigkeit ist anstrengend, zumal wir in der Behandlung anders als der Zahnarzt keinen Mitarbeiter an der Seite haben, der uns assistiert.“ Eine gewisse Fingerfertigkeit sei ebenfalls wichtig. „Wer im kleinen Mundraum mit feinen Instrumenten arbeiten möchte, sollte nicht zwei linke Hände haben“, sagt Julia Haas.

Die Arbeitsmarktchancen für Dentalhygieniker sehen insgesamt gut aus: „Es gibt in Deutschland 60.000 Zahnärzte und nur 950 Dentalhygieniker. Von den rund 40 Millionen Parodontitis-Erkrankten werden ungefähr eine Million gesetzlich Krankenversicherte behandelt. Der Bedarf ist also da.“

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Dentalhygieniker/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit findest du Studiengänge in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de

 

KURSNET
Im Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE
https://jobboerse.de


Verband Deutscher Dentalhygieniker
http://verband-deutscher-dentalhygieniker.de

 

Dentalhygienikerin

Ein strahlendes Lächeln für die Patienten

Sie ist DIE Expertin fürs Zähneputzen: Als Dentalhygienikerin kann Claudia Kannewurf aber auch Befunde aufnehmen und sich um die richtige Pflege des Zahnfleischs kümmern. Die 38-Jährige ist in einer Zahnarztpraxis in Aschersleben in Sachsen-Anhalt angestellt.

Wer bei Claudia Kannewurf auf dem Stuhl sitzt, dem geht es nicht gut. Lockere Zähne und Zahnschmerzen plagen ihre Patienten. Wenn sie zum ersten Mal da sind, haben sie in der Regel gerade erfahren, dass sie unter Paradontitis leiden, einer schweren Entzündung des Zahnfleischs. „Zunächst frage ich die Patienten, wie und womit sie zu Hause die Zähne putzen. Dann reinige ich ihre Zähne und gebe ihnen Tipps, was sie selbst für eine bessere Mundhygiene tun können,“ erklärt die 38-Jährige. „Und schließlich verabreden wir uns meist für ein weiteres Treffen, bei dem wir dann besprechen, wie es läuft und wo es noch Schwierigkeiten gibt. Bei manchen Patienten muss ich in der weiteren Therapie Befunde aufnehmen und das Zahnfleisch fit machen.“

Porträt von Claudia Kannewurf

Claudia Kannewurf

Foto: Atelier Grea'mara

Rund eine Stunde verbringt die Zahnputzfachfrau mit jedem Patienten. Claudia Kannewurf liebt ihren Beruf – denn er erlaubt es ihr, sehr selbständig zu arbeiten: „Erst seit Abschluss meiner Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin habe ich das nötige medizinische Grundwissen, um auch unterhalb der Zahnfleischkante zu arbeiten, selbst den Paradontalstatus aufzunehmen und eine unterstützende Therapie durchzuführen. Außerdem darf ich jetzt auch selbst entscheiden, wann ein Patient wiederkommen soll.“

Karriere in der Zahnarztpraxis

Ursprünglich wollte Claudia Kannewurf nach dem Abitur Zahnmedizin studieren. Aber weil ihr Notendurchschnitt nicht für einen direkten Einstieg ins Studium reichte und sie zu dem Zeitpunkt schon ein kleines Kind hatte, absolvierte sie zunächst in einer Zahnarztpraxis eine dreijährige Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Dort stellte sie schnell fest, dass sie hier gut aufgehoben war und gerne in der Prophylaxe arbeiten wollte. „Die Kollegin, die den Bereich betreute, war überlastet. Weil ich mich für die Arbeit interessierte, finanzierte mir mein Chef zunächst einen einwöchigen Prophylaxe-Crashkurs und ein halbes Jahr später eine viermonatige berufsbegleitende Fortbildung zur Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin“, erinnert sie sich. „Dort lernte ich eine Dentalhygienikerin kennen, die eine spannende Persönlichkeit war und mich dazu motivierte, mich in diese Richtung weiterzuqualifizieren.“

Erst zwei Jahre später wurde die zehnmonatige Aufstiegsfortbildung in der Nähe ihres Wohnorts angeboten. „Ich war immer montags bis mittwochs in der Praxis und donnerstags bis samstags in der Fortbildung. Dort gaben uns verschiedene Referenten Theorieunterricht. Außerdem führten wir Dummy-Übungen an Phantomköpfen, Modellen sowie Übungspatienten durch“, erzählt Claudia Kannewurf. Besonders gut gefiel ihr die Praxisorientierung der Ausbildung: „Die Fortbildnerinnen waren Zahnärzte oder Dentalhygieniker, die wissen, welche Sorgen man hat und welche Probleme bei der Arbeit mit den Patienten auftauchen können. Ihre Tipps konnte ich immer direkt in der Praxis umsetzen.“

Zusammenarbeit mit dem Team und dem Patienten

Der Alltag der Dentalhygienikerin bringt durchaus Herausforderungen mit sich. „Man muss es schaffen, jeden Patienten dort abzuholen, wo er steht – ob er mutig oder ängstlich ist, wie ein Geschäftsführer oder wie ein Handwerker kommuniziert“, sagt Claudia Kannewurf. Und man arbeite häufig in Positionen, die nicht ideal für den Rücken sind – zumal nicht alle Patienten auf dem Stuhl ganz nach hinten gelagert werden wollen. Außerdem müsse man damit umgehen können, dass manche Patienten sehr empfindlich auf die Schmerzen reagieren, die bei der Behandlung auftreten können. „Und wenn ich einer Patientin die Prothese entferne, die sie eine Woche lang nicht herausnehmen konnte, sehe ich auch manchmal Dinge, die sicherlich nicht jeder so leicht wegstecken würde“, gibt Claudia Kannewurf zu.

Doch trotz solcher Unannehmlichkeiten ist sie sich sicher, dass sie in diesem Beruf und in dieser Praxis alt werden wird: „Für mich ist es das Schönste, wenn die Patienten dankbar und mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause gehen und beim nächsten Besuch sagen: ‚Ich habe alles so gemacht, wie Sie es gesagt haben. Und jetzt habe ich keine Schmerzen mehr.‘“


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Stand: 12.11.2019