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Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Jede Therapie ist anders

Christina Drossard (36) war viele Jahre als Diplom-Heilpädagogin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie einer sozialpsychiatrischen Praxis tätig. Vor kurzem hat sie sich als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit eigener Praxis in Neuss selbstständig gemacht.

Ein spielendes Kind.

Der Spieltrieb ist in Kinder natürlich verankert. Auch in der der Psychotherapie wird er genutzt.

Christina Drossard spielt mit einem Grundschulkind am Boden. Nach der Trennung der Eltern war das Kind unruhig geworden, hatte angefangen zu lügen und wieder einzunässen. „Es geht darum, erst einmal eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind herzustellen. Ob das Kind am Boden oder auf dem Stuhl sitzen oder womit es spielen möchte, überlasse ich ihm“, erklärt sie.

Nach dem Abitur hat Christina Drossard an der Universität zu Köln Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kunsttherapie studiert und als Diplom-Heilpädagogin abgeschlossen. „Ich wollte schon immer verstehen, welche Motive hinter dem Verhalten der Menschen stecken und das mit Kunst kombinieren.“ Neben ihrem Schwerpunkt befasste sie sich mit Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Psychiatrie im Studium. „Das Breitgefächerte war gut für meine anschließende Weiterbildung“, findet sie.

Christina Drossard

Ihre erste Anstellung fand Christina Drossard in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie im Westerwald. Auch in anderen Kinder- und Jugendpsychiatrien sammelte sie praktische Erfahrungen. Dabei merkte sie, dass sie ihre Schützlinge als Kunsttherapeutin nicht umfassend betreuen konnte. „Ärzte und Psychologinnen hatten die Fallführung. Ich wollte meine Patienten aber nicht nur eine Stunde sehen, sondern sie komplett begleiten. Dafür brauchte ich eine bessere Qualifizierung.“

Weiterbildung profitiert von Berufspraxis

Daher entschied sie sich für die Weiterbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit der Fachrichtung Tiefenpsychologie an der Köln-Bonner Akademie für Psychotherapie. Acht Jahre benötigt sie dafür. „Das war zwar eine Knochenarbeit, aber man lernt enorm viel, da man während der Weiterbildung schon beruflich tätig ist“, erklärt Christina Drossard. Im ersten Jahr begleitete sie beispielsweise eine Familie mit einem Baby, um zu lernen, wie die normale Entwicklung eines Säuglings verläuft.

Das Pflichtpraktikum im Umfang von 1.800 Stunden absolvierte Christina Drossard in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der dort angeschlossenen Ambulanz. Besonders wichtig fand sie die 200 Stunden Selbsterfahrung im Kreise von Kolleg*innen. „Therapeuten haben genauso ihre Geschichte. Und es war wichtig, mich in der anderen Position als Patientin zu erleben.“ Am Ende der Weiterbildung legte sie eine staatliche Prüfung vor der Landespsychotherapeutenkammer in Düsseldorf ab.

Die Weiterbildung, wie sie Christina Drossard noch absolviert hat, ist zum 1. September 2020 von der reformierten Ausbildung für Psychotherapeut*innen abgelöst worden. Mehr dazu liest du im Beitrag „Neues Psychotherapiestudium für alle“.

Langer Atem notwendig

Als spannend und herausfordernd erlebt Christina Drossard, dass jede Therapie anders ist. „Es gibt kein Handbuch, dass ich so und so vorgehen muss bei dem und dem Thema.“ Bisweilen stößt sie auf viel Ablehnung und negative Gefühle bei Jugendlichen. „Man muss manchmal einen langen Atem haben mit den Patienten zusammen, bis sich Dinge verändern oder mehrere Therapieabbrüche aushalten. Auch wenn sie einen großen Leidensdruck haben, müssen sie freiwillig kommen“, ist ihre Erfahrung.

Anlass für eine Psychotherapie bei Schulkindern seien beispielsweise Schulprobleme. Neben den Stunden mit den Kindern finden Elterngespräche statt. Die Therapie von Säuglingen und Kleinkindern geht meistens über die Bezugspersonen. Leidet beispielsweise eine Mutter an Depressionen, kann ein Therapieziel sein, sie vorsichtig zu ermutigen, mit ihrem Kind ins Spiel zu kommen. Bei anderen sehr angespannten Eltern muss Christina Drossard eher regulierend eingreifen. „Im Spiel bin ich zum einen Spielpartnerin, zum anderen bin ich ein Gegenüber und ermögliche Kindern andere Beziehungserfahrungen. Ich bin da, halte Wut und Trauer aus und versuche Worte für unausgesprochene und unterdrückte Gefühle zu finden“, fasst sie zusammen.

Christina Drossard möchte erst einmal ihre Selbstständigkeit ausbauen. „Wenn meine Kinder größer sind, würde ich mich gerne wieder mehr auf Säuglinge und Kleinkinder spezialisieren. Da fehlt es meiner Meinung nach an passenden Angeboten“, sagt sie.

Stand: 18.12.2020

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