Weiterbildung zum Chef in der Pflege

Ein Telefon und eine Fernbedienung liegen neben einem Krankenbett auf einer Kommode.
Als Pflegedienstleiter muss man sich nicht nur mit der Pflege auskennen, sondern auch mit betriebswirtschaftlichen und Rechtsthemen.
Foto: Axel Jusseit

Pflegedienstleiter – Hintergrund

Weiterbildung zum Chef in der Pflege

Pflegedienstleiter tragen viel Verantwortung – und die will erst einmal verdient werden. Neben ausreichender Berufserfahrung wird eine entsprechende Weiterbildung verlangt.

Die Pflegedienstleitung (PDL) fungiert als Schnittstelle zwischen den Stations- oder Wohnbereichsleitungen und der Geschäftsführung. Pflegedienstleiter sind in Betrieben wie etwa Krankenhäusern, Altenpflegeheimen oder Reha-Einrichtungen unverzichtbar. Als Allrounder sind sie zentrale Ansprechpartner für das Pflegepersonal, haben stets ein offenes Ohr für dessen Anliegen, führen Visiten durch, kümmern sich um Auszubildende und Praktikanten und arbeiten neue Mitarbeiter ein.

Zum anderen ist der Kontakt zu Patienten beziehungsweise Bewohnern eng. So führen Pflegedienstleiter Erstgespräche durch, erstellen Pflegepläne und müssen für Anliegen von Angehörigen offen sein. Administrative Aufgaben gehören ebenfalls zum Aufgabenspektrum, wie etwa Dienst- und Urlaubsplanung, Qualitätsmanagement, Meldungen an die Krankenkassen sowie die Bearbeitung von Maßnahmenplänen nach Gutachten und Audits (Untersuchungsverfahren).

Berufserfahrung ist das A und O

Eine abgeschlossene Ausbildung in pflegerischen Berufen wie Altenpfleger/in oder Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in sind Grundvoraussetzung, um eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung absolvieren zu dürfen. „Aber noch viel wichtiger sind mindestens zwei Jahre Berufserfahrung“, erklärt Bettina Nowakowski vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK).
Die Weiterbildung ist landesrechtlich geregelt, die Bestimmungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Überwiegend wird sie an privaten Fachschulen und Akademien angeboten. „Häufig wird die Weiterbildung in Modulen und berufsbegleitend absolviert. Aber es gibt ebenso die Möglichkeit, sie in Vollzeit zu machen“, weiß Bettina Nowakowski.

Inhaltlich liegt der Fokus der Weiterbildung weniger auf pflegerischen Fragen, sondern meist auf Fächern wie Betriebswirtschaftslehre und Controlling, Management und Kommunikation, Sozial- und Arbeitsrecht sowie Rhetorik und Konfliktmediation. So soll ganz klar die Führungskompetenz aufgebaut werden. Am Ende steht eine Prüfung, die vor allem auf einer Abschlusspräsentation basiert, je nach Anbieter zusätzlich auf Klausuren.

Eine Weiterbildung im Umfang von mindestens 460 Stunden qualifiziert zu einer Tätigkeit als verantwortliche Pflegefachkraft und ausschließlich im ambulanten Bereich auch zur Pflegedienstleitung. Im stationären Bereich – also in Pflegeheimen oder Krankenhäusern – werden in der Regel 1.000 Stunden und mehr verlangt. Die genauen Regelungen richten sich nach den Vorgaben der Bundesländer. Bis zu zwei Jahre kann die Weiterbildung dauern.

Alternative: Studium

Alternativ können sich Abiturienten über ein einschlägiges Studium für eine Tätigkeit als Pflegedienstleiter/in qualifizieren. Insbesondere in Krankenhäusern wird ein Studienabschluss zunehmend gewünscht. Wobei auch für Akademiker gilt, dass sie entsprechende berufliche Erfahrungen nachweisen müssen, um eine Pflegedienstleitung übernehmen zu dürfen. „Eine Möglichkeit ist ein Bachelor of Nursing, der entweder eine Berufsausbildung voraussetzt oder – als duales Studium – beinhaltet. Darauf aufbauend kann ein Master in Pflegemanagement absolviert werden“, zeigt Bettina Nowakowski auf.

Am Ende benötigen Anwärter jedoch eine Erlaubnis, um als Pflegedienstleiter arbeiten zu dürfen. Diese beantragen sie bei der zuständigen Landesbehörde. „In Berlin ist das beispielsweise der Senat für Gesundheit und Soziales“, sagt sie.

Finanzhilfe vom Arbeitgeber

Die Kosten für die Weiterbildung variieren je nach Bildungsanbieter und können mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen. Häufig finanzieren die Arbeitgeber die PDL-Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. „Dies wird oftmals vertraglich geregelt, denn die Fachkraft soll dem Betrieb danach ja noch eine Weile erhalten bleiben“, weiß Bettina Nowakowski.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen findest du im Teilberufsfeld „Pflege“ in der Berufswelt Weiterbildung.

berufsfeld-info.de/durchstarten

BERUFENET

Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Pflegedienstleiter/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchwort: Pflegedienstleiter/in)

kursnet-finden.arbeitasagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)

Größter Interessensverband und Ansprechpartner für Pflegekräfte

www.dbfk.de

Deutscher Pflegeverband (DPV)

Bietet kostenlose Fachberatungen an sowie eine Jobbörse und Informationen zu Fortbildungsmöglichkeiten

www.dpv-online.de

Deutscher Pflegerat e.V. (Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen)

Zusammenschluss von 15 Mitgliedsverbänden

www.pflegestudium.de

 

Pflegedienstleiter

Ein Allrounder in seinem Fach

Mitarbeiter führen, Qualitätsstandards einhalten, zentraler Ansprechpartner für die Bewohner sein: Der gelernte Altenpfleger Martin Konieczny (29) ist Pflegedienstleiter im Heinrich-Sengelmann-Haus in Hamburg. Eine Weiterbildung verhalf ihm zu der Führungsposition.

Jeden Morgen um 8 Uhr versammeln sich zehn bis 15 Bewohner im Foyer des Altenpflegeheims und begrüßen Martin Konieczny mit den Worten „Hallo Chef!“. „So etwas wärmt das Herz!“, erzählt der 29-jährige Pflegedienstleiter. Nach seinen Aufgaben in der 93 Bewohner zählenden Einrichtung gefragt, antwortet er lachend: „Wo soll ich anfangen?“

Einerseits nimmt er administrative und organisatorische Aufgaben wahr. Dazu gehören das Qualitätsmanagement und die Mitarbeiterführung. „Ich bin Ansprechpartner für unsere Auszubildenden, führe bei neuem Personal Visiten durch. Ich versuche, viel Input zu geben“, berichtet er. Für insgesamt 40 Pflegekräfte ist Martin Konieczny verantwortlich.

Andererseits kümmert er sich um die Bewohner, die er beispielsweise in rechtlichen Fragen berät. Zudem führt er Aufnahmegespräche. „Jeder unserer Bewohner hat eine individuelle Situation“, sagt Martin Konieczny. „Da ist die nette Oma von nebenan, genau wie der stark demente Herr, der sich aggressiv gegenüber dem Personal verhält. Aber mit ein wenig Professionalität sind die meisten Probleme schnell gelöst“, lautet seine Erfahrung. Herausfordernder sei der Umgang mit Angehörigen. „Es ist viel Emotion im Spiel. Da ist Fingerspitzengefühl in der Kommunikation gefragt.“ Alles in allem mag der Pflegedienstleiter die doch recht unterschiedlichen Aufgaben und Tätigkeiten. „Ich trage gern Verantwortung und mag die Tatsache, dass kein Tag dem anderen gleicht.“

Den nächsten Schritt wagen

Ein Portrait-Foto von Martin Konieczny.

Martin Konieczny

Foto: privat

Mit 29 Jahren schon Pflegedienstleiter zu sein, das war gar nicht der Plan von Martin Konieczny. „Ich bin seit neun Jahren Altenpfleger. Ein Kollege brachte mich auf die Idee, die Weiterbildung zur Wohnbereichsleitung zu machen“, sagt er. Diese 500 Stunden zählende Weiterbildung ist im Bundesland Hamburg Voraussetzung für den nächsten Schritt, nämlich die noch einmal weitere 300 Stunden umfassende Weiterbildung zur Pflegedienstleitung.

Von 2016 bis 2018 absolvierte Martin Konieczny alle 800 Stunden – berufsbegleitend und zunächst noch in einem anderen Pflegeheim. 2017 wechselte er ins Heinrich-Sengelmann-Haus, wo kurz darauf die Pflegedienstleiterin kündigte. „Für mich war klar, dass ich mich dann auch noch zum Pflegedienstleiter weiterbilden wollte, und ich erhielt viel Unterstützung seitens meines Arbeitgebers“, erklärt er.

Das Lernen hat sich ausgezahlt

Statt Blockseminare zu besuchen hatte Martin Konieczny die Möglichkeit, ein bis zwei Tage in der Woche zum Unterricht zu gehen. „Ich fand das ideal, so verlor ich im Job nie den Anschluss.“ Schwerpunkte der Ausbildung waren unter anderem Personalentwicklung, Betriebswirtschaftslehre, Recht und Finanzen sowie Qualitätsmanagement. Zur Abschlussprüfung gehörten schriftliche Klausuren sowie ein mündlicher Teil. Seit April 2018 ist der heute 29-Jährige nun staatlich anerkannter Pflegedienstleiter. „Die Aufgaben übernahm ich bereits zwei Monate davor. Es war einfach Bedarf im Haus“, sagt er.

Martin Konieczny ist froh, diesen Schritt getan zu haben, auch wenn er die Weiterbildungskosten von rund 5.800 Euro zum Teil selbst tragen musste. Und seit Kurzem setzt er noch einen drauf – mit der Weiterbildung zur Einrichtungsleitung. Sein Arbeitgeber sowie ein Bildungsgutschein helfen ihm dieses Mal bei der Finanzierung. Sofort nutzen will er diese Qualifikation jedoch nicht. „Ich bin zurzeit als Pflegedienstleiter sehr glücklich, freue mich aber über den zusätzlichen Schein und bin gespannt, was die Zukunft bringt“, bilanziert er.


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Stand: 25.02.2020