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Studium oder Ausbildung – Interview

„Lebenslanges Lernen wird wichtiger“

Bis zur Rente in einem Unternehmen arbeiten? Was für ihre Eltern fast noch normal war, wird für heutige Abiturienten wohl eine Ausnahme bleiben. Dr. Barbara Dorn, Leiterin der Abteilung Bildung/Berufliche Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sprach mit abi» über die Bedeutung von häufigen Arbeitsplatzwechseln und lebenslangem Lernen.

Detailaufnahme von Stiften.

Lebenslanges Lernen wird in Zeiten von häufigen Arbeitsplatzwechseln immer wichtiger um als Fachkraft qualifiziert zu bleiben.

abi» Frau Dorn, wie unterscheiden sich die heutigen Lebensläufe zu denen früherer Generationen?

Barbara Dorn: Eine jahrzehntelange Beschäftigung in einem Betrieb dürfte in der Zukunft die große Ausnahme sein. Die Lebensläufe heutiger Berufseinsteiger sind bereits dadurch geprägt, dass sie nach abgeschlossenen Projekten oft den Arbeitsplatz wechseln. Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt fordert auch die Bereitschaft, sich flexibel auf verschiedene Arbeitgeber und Tätigkeitsinhalte einzulassen. Häufigere Arbeitsplatzwechsel wurden früher eher negativ gesehen – heute dokumentieren sie hohe Flexibilität und Veränderungsbereitschaft.

abi» Zu einer hohen Veränderungsbereitschaft gehört auch Weiterbildung. Sollten sich Berufseinsteiger darauf einstellen, dass sie nie auslernen?

Ein Porträt-Foto von Barbara Dorn.

Dr. Barbara Dorn

Barbara Dorn: Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger werden. Wir leben in einer Zeit, in der die Arbeitswelt immer komplexer und schnelllebiger wird. Die Digitalisierung und neue Technologien verändern Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte in immer kürzeren Abständen. Die Menschen sind gefordert, sich diesen Entwicklungen durch kontinuierliches Lernen anzupassen oder sich auch als Vordenker für künftige Entwicklungen hervorzutun.

abi» In welchen Bereichen werden derzeit vor allem Fachkräfte gesucht?

Barbara Dorn: Für die Wirtschaft stellt insbesondere der Fachkräftemangel im MINT-Bereich (Berufsfelder Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ein großes Problem dar, da diese Situation den Innovationsstandort Deutschland gefährdet. Dies betrifft sowohl Studien- als auch Ausbildungsabsolventen. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf, weshalb sich die Wirtschaft auch aktiv dafür einsetzt, Mädchen und Frauen für MINT-Berufsfelder zu begeistern.

abi» Wo hat man mit einem Studium die besseren Chancen und wo kann man auch mit einer Ausbildung gut durchstarten?

Barbara Dorn: Gerade im MINT-Bereich bieten beide Wege hervorragende Karrierechancen. Darüber hinaus werten die Arbeitgeber auch ein duales Studium zunehmend als Erfolgsmodell, was Abschlussquoten und Übernahmechancen bedeutet. Entscheidend bei der Überlegung, ob eine Ausbildung oder ein Studium der passende Weg ist, sind jedoch immer die ganz persönlichen Präferenzen. Die zunehmende Durchlässigkeit im Bildungssystem bieten auch Ausbildungsabsolventen weitere Möglichkeiten, wie ein anschließendes Studium oder Aufstiegsfortbildungen.

abi» 23.03.2020

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