beruf & karriere

Techniker im Metall- und Stahlbau

Mit Fachwissen eine Firma voranbringen

Eigentlich wollte Johannes Sauer (28) nach dem Abi Maschinenbau studieren. Doch dann kam alles ganz anders. Um erst einmal Geld zu verdienen, machte er zunächst eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker. Danach ließ ihn der Werkstoff Metall nicht mehr los. Er verabschiedete sich von der Idee einer akademischen Laufbahn und setzte stattdessen auf eine rein berufliche Karriere. Gerade macht er seinen Techniker.

Vor einem Schreibtisch mit zwei Bildschirmen sitzt ein Mann mit weißem Hemd, der freundlich in die Kamera blickt.

Vom Feinwerkmechaniker zum Techniker: Johannes Sauer (28) macht gerade eine Weiterbildung.

Nach fast zehn Jahren Berufsleben ist Johannes Sauer wieder auf die Schulbank zurückgekehrt. „Gar nicht so leicht, wieder ins Lernen reinzukommen“, sagt der 28-Jährige. Auf der staatlichen Technikakademie Northeim bereitet er sich gerade auf seinen Abschluss als staatlich geprüfter Techniker im Stahl- und Metallbau vor. „Für mich ist das ein wichtiger Schritt, um in die Führungsebene aufzusteigen“, erklärt der 28-Jährige.
Sein Vater führt selbst einen Metallbaubetrieb. Gemeinsam mit seinen Geschwistern hat er langfristig vor, diesen zu übernehmen. „Mir ist es wichtig, fachlich ganz tief in die Materie einzusteigen. Nach meinem Verständnis macht es erst Sinn, einen Metallbaubetrieb zu führen, wenn man bis zur letzten Schraube durchdrungen hat, worauf es technisch ankommt“, erklärt er.

Konstruktion von Metallbauprojekten

Ein Portraitbild des Protagonisten

Johannes Sauer

Konkret heißt das für Johannes Sauer: Im Vollzeitunterricht lernt er gerade, wie er etwa Brücken, Fassadensysteme oder Wintergärten, aber auch Treppen sowie Türen und Fenster aus Metall technisch berechnet, mit CAD konstruiert und plant. „Die Statik und viele unterschiedliche Normen, die eingehalten werden müssen, sind hierbei entscheidend“, sagt er. Deshalb steht die Qualitätssicherung genauso auf seinem Stundenplan wie die Angebotserstellung, das Projektmanagement und das Aussteuern der Fertigung und Montage.
„Wir lernen einen Auftrag von Anfang bis Ende abzuwickeln“, schildert er und ergänzt, dass das klassische Aufgabengebiet eines Technikers später die Projektleitung ist, wozu vor allem gehört, die reibungslose Zusammenarbeit von Architekten, Planern, Statikern, Technischen Zeichnern und Gesellen zu ermöglichen.

Zwei Jahre Vollzeitunterricht

Insgesamt dauert die Weiterbildung zwei Jahre. Zugangsvoraussetzung für die Technikerschule ist eine einschlägige Ausbildung und mindestens ein Jahr Berufserfahrung, alternativ fünf Jahre Berufstätigkeit im Fachbereich. Da der Technikerabschluss alle anderen in seiner zehnköpfigen Klasse, die kein Abi haben, zur Fachhochschulreife führt, gibt es auch allgemeine Fächer wie Deutsch, Mathe und Englisch.

Neben Frontalunterricht haben die Schülerinnen und Schüler Projektarbeiten und bereiten Präsentationen vor. „Gerade planen wir in einem kleinen Team eine großflächige Parkplatzüberdachung und wir lernen ganz praktisch unterschiedliche Zeichen-, Statistik-, und Statik-Programme kennen“, berichtet Johannes Sauer.

Ein Jahr hat er schon hinter sich – nicht immer eine leichte Zeit. Seine Stelle bei einer Schlosserei im Schwarzwald musste er schweren Herzens dafür kündigen. „Ich vermisse das Schmieden, Schweißen, Feilen, Sägen und Bohren und dass ich über die Dörfer fahre und etwas entdecke, das ich mit erschaffen habe“, sagt er. Dass er derzeit kein Gehalt bekommt, ist für ihn dagegen kein Problem. „Die Weiterbildung hier auf der staatlichen Berufsfachschule kostet nichts. Ich bekomme Aufstiegs-BAföG. Zudem konnte ich mir in meinen Gesellenjahren einiges zurücklegen.“

Weiterentwicklung des väterlichen Betriebs

Ganz aufs praktische Arbeiten möchte Johannes Sauer später als Metallbautechniker aber nicht verzichten. Im väterlichen Betrieb hat er vor, gemeinsam mit seiner Schwester, die Schreinermeisterin ist, das Portfolio zu erweitern, neue Kunden zu akquirieren und in den Metallmöbelbau einzusteigen. „Nur im Büro zu sitzen oder Arbeiten lediglich anzuleiten, kommt für mich nicht in Frage, ich brauche die Zeit auf der Baustelle, in der Werkstatt, ich möchte selbst das Material berühren und ab und zu auch noch dreckig nach Hause kommen“, erklärt er. „Das sehen einige meiner Klassenkameraden anders, die wollen weg von der körperlichen Arbeit. Darum geht es mir aber nicht.“

Im Februar stehen die ersten schriftlichen Prüfungen an. Geprüft wird in den Fächern Innovationstechnik, Mathe bzw. Statik und Metall- oder Stahlbau. Danach folgt eine Abschlussprojektarbeit mit wissenschaftlichem Anspruch. Johannes Sauer wird diese zusammen mit einem Klassenkameraden für ein Kassler Unternehmen schreiben. „Ich denke es wird um eine Glas-Metallkonstruktion gehen, als Brücke zwischen zwei Gebäuden. Sehr schön“, freut er sich.

Video

Weitere Filme findest du auf der abi>> Videoübersicht.

abi» 20.01.2020

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