beruf & karriere

Konditor-Meisterin im Handwerk

Hannah will nicht nur kleine Kuchen backen

Hannah Teresa Längin hat ein Ziel vor Augen: Wenn alles gut läuft, will sie bald eine eigene Café-Konditorei am Bodensee aufmachen. Davon träumt die 22-Jährige schon seit ihrer Kindheit – und ist auf dem besten Weg dorthin. Die gelernte Konditorin hat bereits zwei von vier Meisterprüfungen bestanden. Bevor sie die letzten Kurse angeht, sammelt sie noch Patisserie-Erfahrung im vorweihnachtlichen Südtirol.

Auf dem Foto sind zwei Torten zu sehen.

Mit dem Meistertitel zur eigenen Konditorei: Hannah Teresa Längin träumt vom Café am Bodensee, um Gäste mit ihren Kreationen zu verwöhnen.

Feine Lebkuchen-Pralinés, süße Adventskalender, festliche Linzertorten – Hannah Längin ist in ihrem Element. Hier noch eine filigrane Verzierung aus Zuckerguss, eine kandierte Nuss oder ein Marzipanröschen als Krönung. Dafür steht die 22-Jährige gerne jeden Morgen um kurz nach vier auf. „Am liebsten mache ich gerade Maroni-Törtchen, aber das kann sich schnell wieder ändern“, lacht die junge Frau, die ihre Kreationen als hanniscakeworld bei Instagram und Facebook bloggt. „Mit Schokolade dekorieren, kreativ sein, Sonderwünsche erfüllen, das ist mein Ding. Wenn ich sehe, dass den Leuten gefällt, was ich erschaffen habe, dann geht mir das Herz auf.“
Derzeit schnuppert die gelernte Konditorin in eine renommierte Patisserie im idyllischen Brunneck in der Nähe von Bozen rein. Im wahrsten Sinne des Wortes. „An meinem Arbeitsplatz riecht es immer gut“, schmunzelt sie. „Hier in Südtirol lerne ich viele neue, nützliche Techniken und sammle wertvolle Erfahrungen für meinen Meister im neuen Jahr. In meinen Beruf ist es das A und O rumzukommen und sich bei anderen Meistern etwas abzugucken.“

Vollzeit-Crashkurs für Meisterprüfungen

Nach vier stressigen Wochen mit täglich acht Stunden Theorie-Unterricht und zusätzlichem Büffeln am Abend ist sie froh, jetzt wieder in der Backstube zu stehen. „Das war kein Zuckerschlecken“, sagt sie rückblickend auf die zwei Kompaktlehrgänge zur Vorbereitung auf die Meisterprüfungsteile 3 und 4. Die zwei Kurse belegte sie zusammen mit Malern, Lackierern und anderen Handwerksgesellen. Die schriftlichen Prüfungen bei der Handwerkskammer hat sie gleich im Anschluss bestanden und so bewiesen, dass sie das grundsätzliche Zeug zur Ausbilderin und zur Führung eines Handwerksbetriebs hat. „Das war viel fachfremder, trockener Stoff in kurzer Zeit: Steuern, Recht, Rechnungswesen, Lohnabrechnung, Marketing, Wachstumsstrategien… die theoretische Lernerei ist nicht so mein Ding, sonst hätte ich mich ja für ein Studium entschieden. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, betont sie.

Ein Foto von Hannah Längin. Sie dekoriert eine Torte.

Hannah Längin

Und den Willen hat sie. Seit ihrer Kindheit träumt Hannah Längin von einem eigenen Café am Bodensee. Aufgewachsen ist sie in Eriskirch, in der Nähe von Friedrichshafen. „Als es dann aufs Abi zuging, habe ich mich an meinen Traum erinnert und mir überlegt, was ein gutes Café braucht: natürlich leckere Torten! So bin ich zu meiner Ausbildung gekommen“, schildert sie. Ihre Gesellenprüfung zur Konditorin legte sie, dank Ausbildungsverkürzung, nach zwei Jahren als Kammerbeste ab und ergatterte sich so ein Stipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB).

Viel Erfahrung in unterschiedlichen Konditoreien

„Da hatte ich großes Glück. Das hat mir viele Freiheiten verschafft“, erklärt sie und betont, dass es für sie nicht in Frage gekommen wäre, über Jahre für eine Konditorei zu arbeiten. „Ich will so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen. Wenn ein Unternehmen dir den Meister zahlt, musst du dich natürlich verpflichten, erstmal dort zu bleiben. Viel lieber wollte ich die Zeit nutzen, um von ganz unterschiedlichen Menschen und Betrieben zu lernen“, sagt sie.
Als Gesellin wechselte sie deshalb ihre Stelle mehrmals. Sie ging nach Ravensburg, wurde Show-Confiseurin, lernte die Abläufe einer großen Schweizer Marke kennen, nahm an Wettbewerben teil, kehrte zurück an den Bodensee und begann schließlich mit ihrem Kindheitstraum vor Augen mit dem ersten Meisterlehrgang.
Mit ihrem Arbeitgeber vereinbarte sie, ihren Vertrag ruhen zu lassen und zog nach Niedersachsen, um sich voll auf den Kurs und die Prüfungen konzentrieren zu können. „Die Lehrgangskosten für den Vollzeitunterricht von einmal 600 Euro und einmal 1.000 Euro habe ich von meinem Stipendium bezahlt, genauso wie die Prüfungsgebühren. Meinen Auslandsaufenthalt hier in Bozen trägt ein weiteres Stipendium, das Baden-Württemberg Stipendium für Berufstätige“, sagt sie. Ihren Unterhalt finanziert sie durch Erspartes.

Kurse und Prüfungen fern der Heimat

Im März geht es für sie dann nach Potsdam zum Handwerkskammer-Meisterkurs Teil 1 und 2. „Wieder was anderes sehen und Neues hören, mich voll konzentrieren. Mich mit Fachleuten austauschen, darauf freue ich mich. Die Lehrgänge sind, anders als zuvor, ganz fachspezifisch. Wir werden viel in der Backstube stehen und gemeinsam Leckeres kreieren und perfektionieren. Darauf freue ich mich sehr“, strahlt sie. In der Zwischenzeit hat sie vor, noch in die Dessertabteilung eines Hotels reinzuschnuppern. „All das wird mir helfen, wenn ich mein eigenes Café eröffne. Wenn die Menschen zu mir kommen, den Duft meiner Torten riechen, lächeln, sich in der Winterzeit bei mir einkuscheln und mit Blick auf den schönen Bodensee das Leben genießen!“

abi» 14.01.2020

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