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Darum bin ich der Richtige!

Blick auf verschiedene Büroutensilien, wie Ordner, Stifte, Handy, Kalender und Magazine.
Die Vollständigkeit der Unterlagen ist das A und O bei Bewerbungen.
Foto: Julien Fertl

Erfolgreich bewerben

Darum bin ich der Richtige!

Ob für eine Ausbildung, ein (duales) Studium, ein Praktikum, einen Nebenjob oder die erste Arbeitsstelle: Bei Bewerbungen und später im Auswahlverfahren gibt es einige grundsätzliche Punkte zu beachten. abi» hat Tipps von Bewerbungscoach und Autorin Christine Schultz eingeholt.

Gefunkt hat es auf einer Berufsmesse. Salih Arslan stand kurz vor dem Abitur und war auf der Suche nach einem dualen Studienplatz. „Bei einem sogenannten Speed-Dating habe ich mich zehn Minuten lang mit Ausbildern der Popken Fashion Group unterhalten und die Chemie hat gleich gestimmt“, erzählt der heute 22-Jährige. Hier wollte er sich bewerben.

Also stellte er nach der Messe seine Bewerbungsunterlagen zusammen: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse sowie Nachweise eines Praktikums und eines Nebenjobs. „Die Tipps im Internet fand ich sehr allgemein, dabei sollte die Bewerbung doch mich widerspiegeln. Deshalb habe ich einen Termin bei einem Berater meiner Agentur für Arbeit vereinbart. Er hat mich zum Beispiel darin bestärkt, meine persönlichen Ziele im Anschreiben zu nennen“, sagt er.

Entspannt ins Vorstellungsgespräch

Ein Porträt-Foto von Salih Arslan

Salih Arslan

Foto: privat

Mit Erfolg: „Per E-Mail wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, in dem es ums allgemeine Kennenlernen ging. In einem zweiten Gespräch wurden konkrete Dinge besprochen, nämlich dass ich den dualen Studiengang ‚Wirtschaft im Praxisverbund‘ an der Jade Hochschule Wilhelmshaven kombiniert mit der Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei Popken machen möchte.“ Auf beide Termine hatte sich Salih Arslan zum einen mithilfe von Online-Videos, zum anderen durch Übungsgespräche mit Familie und Freunden vorbereitet.

Sein gutes Gefühl bestätigte sich und der junge Mann erhielt die Zusage. „Um die Anmeldung für den Studienplatz hat sich das Unternehmen gekümmert. Ich musste nur mein Abiturzeugnis und Unterlagen wie eine Bestätigung meiner Krankenversicherung an Popken schicken“, erinnert er sich und kann heute sagen: „Mit meinem dualen Studium bin ich rundum zufrieden.“

Was gehört in die Bewerbung?

Der Bewerbungsprozess lief bei Salih Arslan wie am Schnürchen. Das liegt unter anderem daran, dass er sich an einige Grundsätze gehalten hat, die auch Christine Schultz, Bewerbungscoach und Co-Autorin des Ratgebers „Bewerbungshandbuch für Studenten für Dummies“, jungen Bewerbern ans Herz legt.

Einer davon lautet: Vollständigkeit. „Eine Bewerbung um ein Praktikum, einen Ausbildungs-, dualen Studien- oder ersten Arbeitsplatz sollte mindestens aus Anschreiben, Lebenslauf, den letzten beiden Schulzeugnissen und wenn möglich Nachweisen über Praktika, Auslandsaufenthalte oder ehrenamtliche Engagements bestehen“, zählt sie auf. Geht es um einen Nebenjob, genügt manchmal auch der Lebenslauf.

Deckblatt und die „dritte Seite“

Ein Porträt-Foto von Christine Schulz

Christine Schulz

Foto: privat

Optional für die Unterlagen sind aus Sicht der Bewerbungstrainerin das Deckblatt und die „dritte Seite“, auf der die Motivation ausführlich beschrieben wird. Für kreative Berufe können Arbeitsproben angefügt werden, zum Beispiel ein selbst verfasster Artikel aus der Schülerzeitung oder ein Link zu einem Demo-Video mit eigenen Film- und Animationsarbeiten. „Bei den Anhängen sollte man allerdings nicht übertreiben. Heutzutage werden Bewerbungen in der Regel per E-Mail versandt oder in Online-Bewerbungsportalen hochgeladen. Da ist es ratsam, die Vorgaben für die Dateigröße beachten“, rät sie.

Wie soll die Bewerbung aussehen?

Gerade in Sachen Gestaltung finden sich im Internet zahlreiche Vorlagen. Diese können durchaus eine Orientierung geben, doch „am besten gestaltet man seine Bewerbung selbst, denn ein Unikat fällt auf“, sagt Christine Schultz. Jedoch gilt: nicht übertreiben. „Eine durchgängige Farbe, Schriftart und Kopf- oder Fußzeile sorgen für einen positiven Gesamteindruck.“

Ein weiterer Grundsatz: Sorgfalt. „Am besten lässt man die Bewerbung von jemandem Korrektur lesen. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass jemand bei mehreren Bewerbungen Firmennamen oder Anschriften durcheinanderbringt – das macht natürlich keinen guten Eindruck“, warnt sie. Ein Bewerbungsfoto ist aufgrund des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes keine Pflicht mehr. „Wer sich trotzdem dafür entscheidet, sollte ein professionelles Foto verwenden. Das heißt: keine Selfies, dafür unbedingt angemessene Kleidung“, betont die Expertin. Falls man sich in einem Bewerbungsvideo vorstellen möchte, sollten die Inhalte durchdacht und das Auftreten professionell sein.

Bis wann soll man sich bewerben?

Auf diese Frage gibt es keine generelle Antwort. Manche Unternehmen suchen bereits ein bis eineinhalb Jahre vor Ausbildungsbeginn. Bei anderen kommen Bewerber auch zu einem späteren Zeitpunkt noch zum Zug, gegebenenfalls sogar noch wenige Wochen vorher. Praktika oder Nebenjobs werden häufig kurzfristiger vergeben. Bis wann Bewerbungen an Hochschulen einzureichen sind, können Studieninteressierte deren Websites entnehmen. Für zulassungsbeschränkte Studiengänge ist meist der 15. Januar beziehungsweise 15. Juli der Stichtag.

Wer plant oder sicher weiß, dass er nach dem Abitur einen Freiwilligendienst oder eine andere Art von Auszeit absolvieren möchte, sollte sich erst recht frühzeitig informieren und bewerben: idealerweise zu Beginn des letzten Schuljahres für einen Start der Ausbildung oder des dualen Studiums zwei Jahre darauf. „Das gilt insbesondere für diejenigen, die einen favorisierten Ausbildungsberuf oder Wunscharbeitgeber vor Augen haben. Am besten nimmt man in so einem Fall Kontakt zu den Unternehmen auf und erkundigt sich nach den Terminen für Auswahltage oder Vorstellungsgespräche. Dafür müssen Bewerber in der Regel vor Ort sein“, weiß Christine Schultz.

Fallen Assessment Center und Auslandsaufenthalt terminlich zusammen, gilt es zu entscheiden, wo die Priorität liegt. „Im Zweifel wählen Betroffene einen kürzeren Auslandsaufenthalt oder einen Dienst im Inland, sodass sie sich die Zeit für die Auswahlverfahren nehmen können.“

Welche Auswahlverfahren gibt es?

Haben die Bewerbungsunterlagen überzeugt, folgen unterschiedliche weitere Verfahren. Der Klassiker ist und bleibt das Vorstellungsgespräch. Dies kann im ersten Schritt auch als (Video-)Telefonat ablaufen. Manche Firmen lassen ihre Bewerber ein Video-Interview aufzeichnen, in dem sie vorgegebene Fragen beantworten müssen. Christine Schultz hat einige Tipps parat: „Man muss sich mit sich selbst, seinen Stärken und Schwächen auseinandersetzen und sollte sich in wenigen Minuten auf den Punkt vorstellen können. Am besten übt man das zu Hause vor Publikum.“

Geht es um einen Ausbildungsplatz oder ein duales Studium, wird häufig ein Assessment Center durchgeführt. „An diesem Auswahltag muss man in einer Gruppe mit anderen Bewerbern Aufgaben erfüllen. Dazu gehört, sich selbst zu präsentieren, ein bestimmtes Thema zu diskutieren oder eine mögliche Arbeitssituation durchzuspielen“, beschreibt sie. Ein weiteres Verfahren ist der Auswahltest, der je nach Beruf zum Beispiel Wissen in Mathematik, Logik oder Sprachvermögen prüft oder psychologische Fragen enthält, mit denen man die Persönlichkeit eines Bewerbers erfassen will.

Und wie überzeuge ich am besten?

Das gesamte Bewerbungsverfahren dient dazu, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Personalverantwortliche und Studienberater möchten erfahren: Warum sollen wir uns gerade für diesen Bewerber entscheiden? „Deshalb muss ich überzeugend und authentisch darlegen können, warum ich mich für diese Stelle und für diese Firma oder für diesen Studiengang und für diese Hochschule begeistere und was meine Persönlichkeit ausmacht“, betont Christine Schultz.

Übrigens: Gute Vorbereitung ist dabei gleichzeitig das beste Mittel gegen Nervosität, findet sie. „Vor Ort kann es zudem helfen, noch mal eine Runde um den Block zu laufen oder einige Male tief ein- und auszuatmen. Außerdem ist es ratsam, einen Plan B zu haben. Wenn es aus irgendwelchen Gründen bei einem bestimmten Auswahlverfahren nicht gut läuft, hat man im Hinterkopf: Woanders bekomme ich eine weitere Chance.“

abi» Bewerbungsbox

Die abi» bewerbungsbox versammelt alles Wissenswerte und wertvolle Tipps rund um das Thema Bewerbung. Du kannst dabei wählen zwischen den Bewerbungszielen Ausbildung, Praktikum, Nebenjob, duales Studium und Studienplatz. Die Informationen sind in die fünf Kategorien Recherche, Unterlagen, Termine und Fristen, Auswahlverfahren sowie Nachbereitung gegliedert. Neben Infotexten, Übersichten, Interviews und Checklisten gibt es auch Videos mit Bewerbungsexperten sowie interaktive Übungen. Am besten gleich ausprobieren.

www.bewerbung.abi.de

abi>> 23.09.2019