interaktiv

100 erste Tage an der Uni

Bildungstreik

Autor:

Rubrik:
studium

26.06.2009

Es herrscht bundesweit Bildungsstreik. Vor einigen Wochen schon organisierten ein paar Fachschaftsräte hier in Leipzig eine 48 Stunden dauernde Besetzung des Gebäudes der Geisteswissenschaften. Eine Bühne mit offenem Mikrofon wurde eingerichtet, wo jeder seinen Unmut äußern konnte: Anwesenheitspflicht verschule das Studium, es gäbe zu viele Prüfungen, der „Workload" sei zu hoch und vieles mehr. Immer wieder hieß es, der Bachelor sei an allem schuld.

In erstarrter Bewunderung sprachen viele von den Studentenprotesten in Frankreich - Monate lang haben Studenten und Dozenten solidarisch Gebäude besetzt und den Betrieb lahm gelegt. Meine Schwester, die gerade als Erasmusstudentin in Frankreich ist, kann ein Lied davon pfeifen. Aber bei der Bewunderung blieb es auch. Der Gedanke, dies könne auch in Deutschland, geschweige denn in Leipzig geschehen, war für viele anscheinend dann doch zu abenteuerlich. Die Besetzung des Unigebäudes endete ohne konkrete Forderungen und Beschlüsse. Ein paar Studenten beschlossen, den Protest fortzuführen und bemalten große Transparente und Laken, die sie am Hauptcampus aufhängten. Darauf stand dann: „Dieses Gebäude ist besetzt" und „Wir streiken". Was aber fehlte, waren konkrete Forderungen an die Universitätsleitung. Was soll sich ändern?!

Diese Woche nun, im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks, sollten wieder verschiedene Protestaktionen stattfinden. So zum Beispiel letzten Dienstag. Organisatoren des Streiks wollten die Unzufriedenheit der Studenten in Worte fassen und sie auf einen Protestmarsch am Mittwoch einstimmen. Doch von den knapp 30.000 Studenten der Uni Leipzig kamen gerade mal 30 - ein Reinfall. Zum Protestieren scheinen in Leipzig nicht viele aufgelegt zu sein. Sind sie verdrossen, fühlen sie sich ohnmächtig oder sind sie mit ihrer Situation doch vielleicht zufrieden?

So schlecht scheinen mir die Bedingungen hier tatsächlich nicht. Ob Bachelor, Diplom oder Magister, wichtig ist tatsächlich, dass die Universitäten ausreichend finanzielle Mittel haben, um genügend und gute Dozenten, Hilfskräfte und Professoren einzustellen.

Diesen Artikel teilen