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100 erste Tage an der Uni

Pizza in der Mikrowelle — kulinarische Analphabeten

Schade, wenn man nicht kochen kann. Besonders schade, wenn man dann niemanden hat, der für einen kocht. Dann bleiben einem als Student häufig nur noch Mensa, Pizza, Müsli und Butterbrot -  doch recht fade. Leute, lernt zu kochen! Am Besten bei Mama. Seit letztem Herbst bin auch ich Student. Ich studiere Geschichte und Philosophie in Leipzig. Dazu wohne ich in einer 5er -WG. Einer meiner Mitbewohner lebt von Butterbroten, eine andere von Griesbrei, ein dritter aus der Tiefkühltruhe - wundert mich, dass sie überhaupt noch leben.

Ich hatte das Glück, schon als kleiner Junge und auch später immer wieder kochen zu müssen. Als Kind lernte ich, indem ich abschaute und nachahmte, das Risiko einging, es zu verpfuschen und aus Fehlern lernte. Risiko ist aber aufreizend und man hat noch das ganze Leben vor sich. Für alles gibt es eine gute Phase - zum Lernen meist die Jugend.

Um mich herum aber sind viele, die das Koch-ABC nur ansatzweise beherrschen - kulinarische Analphabeten. Estragon, Liebstöckel, Kumin und Kardamom. Chili, Knoblauch, Ingwer, Rosmarin und Muskat. Was wäre ein gutes Essen ohne diese und andere Kräuter und Gewürze? Essbar, aber ein kulinarischer Genuss? Nachher koche ich mir Ratatouille mit frischen Zucchini, Tomaten, Paprika und Knoblauch, mit Zitronenzeste (feine Streifen Zitronenschale), schwarzem Pfeffer, Meersalz und einer Messerspitze Chili. Dazu Vollkornreis und eine Hühnchenbrust mit frischem Rosmarin, Sesam und Zitronensaft. Ich freue mich schon darauf.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 22, 2009
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May 22, 2009

100 erste Tage an der Uni

Krawattenpeitsche in der Oper

Wow, was ein Abend! Oper zu Leipzig, „Fliegender Holländer" von Wagner. Die Kulisse: grau-graue Wohnhochhäuser auf der Bühne, wie Stalagmiten in einer Tropfsteinhöhle oder Termitenbauten gleich. Zur Ouvertüre auf einer großen Leinwand nächtlicher Straßenverkehr - rot und weiß rasen die Autos zum Tempo der Musik.

Etwa 30 Männer in Hemd und Krawatte betreten monoton singend die Bühne, lösen Krawatten und ziehen Hemden aus. Schmeißen die Hemden auf den Boden und stehen da in weißen Unterhemden. Sie schlagen die Krawatten wie Geißeln auf den eigenen Rücken. Börsennachrichten, Obama, Immobilienkrisenverlierer in Spanien flimmern auf der Leinwand im Hintergrund. Wagners „Fliegender Holländer" mit Jetzt-Relevanz.

Eigentlich handelt es sich nur um den verfluchten Kapitän eines Geisterschiffes. Er kann keine Ruhe finden und muss Schiffe kapern und Schätze anhäufen, bis er ein Mädchen trifft, das ihm Treue schwört und hält. Doch diese Inszenierung schaffte es, den Fliegenden Holländer in die heutige Zeit zu versetzen.

Das war besser als jeder Kinobesuch, besser als jedes Kabarett. Als Student konnte ich eine halbe Stunde vor Beginn zur Opernkasse kommen und eine Karte für nur sechs Euro erwerben - dritte Reihe, Platz in der Mitte, beste Sicht, bester Hörgenuss. Falls ihr in einer Stadt mit Oper studiert - so ein Besuch ist echt zu empfehlen. Nichtstudenten zahlen locker 30 - 40 Euro und mehr.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 12, 2009
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May 12, 2009

100 erste Tage an der Uni

Ein Lächeln

Ich sitze im Park, frühlingshafte Sonnenstrahlen wärmen meine Nasenspitze und blenden meine Augen, so dass ich sie schließe. Jetzt spüre ich den kleinen Windhauch, der noch morgendlich kühl über meinen Nacken weht und zwischen meinen Fußzehen hindurch. Die zartgrünen Blätter rascheln und regnen Lichtstrahlen und Schattenflecken. Ein Lächeln auf meinen Lippen.

Die Straßen sind leer, es ist spät und kalt als ich die Bibliothek verlasse. Ich habe Hunger, der Wind gibt mir eine Gänsehaut, mir schaudert ein wenig. Ich trete in die Pedale, die Reifen surren, ich trete kräftiger, sie surren lauter. Ich husche zwischen zwei Lichtkegeln über die Kreuzung, dann Straßenbahnschienen, dann ein Lächeln. Ich lasse den Lenker los, richte mich auf und singe ein paar Liedfetzen in das Dunkel. Das Rad fährt sich selber. Eine Bordsteinkante, ein Ruck. Ein gelbes warmes Licht hinter einem Fenster. Ich bin da.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 29, 2009
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Rubrik: studium
Apr 29, 2009