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100 erste Tage an der Uni

Krawattenpeitsche in der Oper

Autor:

Rubrik:
studium

12.05.2009

Wow, was ein Abend! Oper zu Leipzig, „Fliegender Holländer" von Wagner. Die Kulisse: grau-graue Wohnhochhäuser auf der Bühne, wie Stalagmiten in einer Tropfsteinhöhle oder Termitenbauten gleich. Zur Ouvertüre auf einer großen Leinwand nächtlicher Straßenverkehr - rot und weiß rasen die Autos zum Tempo der Musik.

Etwa 30 Männer in Hemd und Krawatte betreten monoton singend die Bühne, lösen Krawatten und ziehen Hemden aus. Schmeißen die Hemden auf den Boden und stehen da in weißen Unterhemden. Sie schlagen die Krawatten wie Geißeln auf den eigenen Rücken. Börsennachrichten, Obama, Immobilienkrisenverlierer in Spanien flimmern auf der Leinwand im Hintergrund. Wagners „Fliegender Holländer" mit Jetzt-Relevanz.

Eigentlich handelt es sich nur um den verfluchten Kapitän eines Geisterschiffes. Er kann keine Ruhe finden und muss Schiffe kapern und Schätze anhäufen, bis er ein Mädchen trifft, das ihm Treue schwört und hält. Doch diese Inszenierung schaffte es, den Fliegenden Holländer in die heutige Zeit zu versetzen.

Das war besser als jeder Kinobesuch, besser als jedes Kabarett. Als Student konnte ich eine halbe Stunde vor Beginn zur Opernkasse kommen und eine Karte für nur sechs Euro erwerben - dritte Reihe, Platz in der Mitte, beste Sicht, bester Hörgenuss. Falls ihr in einer Stadt mit Oper studiert - so ein Besuch ist echt zu empfehlen. Nichtstudenten zahlen locker 30 - 40 Euro und mehr.

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