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100 erste Tage an der Uni

Bildungstreik

Es herrscht bundesweit Bildungsstreik. Vor einigen Wochen schon organisierten ein paar Fachschaftsräte hier in Leipzig eine 48 Stunden dauernde Besetzung des Gebäudes der Geisteswissenschaften. Eine Bühne mit offenem Mikrofon wurde eingerichtet, wo jeder seinen Unmut äußern konnte: Anwesenheitspflicht verschule das Studium, es gäbe zu viele Prüfungen, der „Workload" sei zu hoch und vieles mehr. Immer wieder hieß es, der Bachelor sei an allem schuld.

In erstarrter Bewunderung sprachen viele von den Studentenprotesten in Frankreich - Monate lang haben Studenten und Dozenten solidarisch Gebäude besetzt und den Betrieb lahm gelegt. Meine Schwester, die gerade als Erasmusstudentin in Frankreich ist, kann ein Lied davon pfeifen. Aber bei der Bewunderung blieb es auch. Der Gedanke, dies könne auch in Deutschland, geschweige denn in Leipzig geschehen, war für viele anscheinend dann doch zu abenteuerlich. Die Besetzung des Unigebäudes endete ohne konkrete Forderungen und Beschlüsse. Ein paar Studenten beschlossen, den Protest fortzuführen und bemalten große Transparente und Laken, die sie am Hauptcampus aufhängten. Darauf stand dann: „Dieses Gebäude ist besetzt" und „Wir streiken". Was aber fehlte, waren konkrete Forderungen an die Universitätsleitung. Was soll sich ändern?!

Diese Woche nun, im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks, sollten wieder verschiedene Protestaktionen stattfinden. So zum Beispiel letzten Dienstag. Organisatoren des Streiks wollten die Unzufriedenheit der Studenten in Worte fassen und sie auf einen Protestmarsch am Mittwoch einstimmen. Doch von den knapp 30.000 Studenten der Uni Leipzig kamen gerade mal 30 - ein Reinfall. Zum Protestieren scheinen in Leipzig nicht viele aufgelegt zu sein. Sind sie verdrossen, fühlen sie sich ohnmächtig oder sind sie mit ihrer Situation doch vielleicht zufrieden?

So schlecht scheinen mir die Bedingungen hier tatsächlich nicht. Ob Bachelor, Diplom oder Magister, wichtig ist tatsächlich, dass die Universitäten ausreichend finanzielle Mittel haben, um genügend und gute Dozenten, Hilfskräfte und Professoren einzustellen.

      

 

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 26, 2009
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Jun 26, 2009

100 erste Tage an der Uni

Jazz wie Rotwein und Camembert

Das Bachfest hat vor wenigen Tagen begonnen. In der Innenstadt steht auf einem großen Platz eine Bühne. Johann Sebastian Bach mag ich sehr und als ich heute früh erfuhr, am Abend fände ein Open-Air-Konzert statt, freute ich mich schon tierisch. Als ich um kurz vor zehn Uhr angeradelt kam, war der Platz proppevoll, mehrere hundert Leute standen und saßen schon und warteten gespannt.

Bevor ich einen Blick auf die Bühne erhaschen konnte, hörte ich wie einzelne Musiker vorgestellt wurden und schon spielten sie auch. Ich ging noch ein paar Schritte weiter auf die Bühne zu und blieb plötzlich überrascht stehen. Was war das? Das war doch nicht Bach! Nein, Jazz! Und dann sah ich auf einem Großbildschirm: „Das Nigel Kennedy Quintett". Sollte ich wieder gehen? Bevor ich lange darüber nachdenken konnte, bannte mich, was mir noch eben missfiel. Die E-Geige und ihr Spieler, Nigel Kennedy, verschmolzen und es zuckte mir in den Gliedern. Dabei war ich dem Jazz bisher abgeneigt. Es ist wohl mit der Musik wie auch mit Wein oder Käse. Man mag es nicht gleich, zu stark und streng sind die Aromen. Man muss sich etwas Zeit lassen, um seine Angst vor dem Fremden zu überwinden, eine gewisse Gewöhnung muss sich einstellen, um - wenn man dann mal einen guten Wein, einen herrlich stinkenden Camembert, ein gutes Stück Jazz probiert hat - dann doch Geschmack daran zu finden.

Nicht nur mir, auch dem restlichen Publikum hat die Vorstellung gefallen. Und so sagte Nigel, dieser wunderbare Geiger in Lederjacke, Punkfrisur und mit Bierflasche in der Hand, verschmitzt lächelnd, dass wir nun von ihm genügend „f*** Nigel" gehört hätten und in hier sowieso genügend „f*** Bach" hörten, weshalb die letzte Zugabe von Jimmy Hendrix sei.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 18, 2009
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Jun 18, 2009

100 erste Tage an der Uni

Pizza in der Mikrowelle — kulinarische Analphabeten

Schade, wenn man nicht kochen kann. Besonders schade, wenn man dann niemanden hat, der für einen kocht. Dann bleiben einem als Student häufig nur noch Mensa, Pizza, Müsli und Butterbrot -  doch recht fade. Leute, lernt zu kochen! Am Besten bei Mama. Seit letztem Herbst bin auch ich Student. Ich studiere Geschichte und Philosophie in Leipzig. Dazu wohne ich in einer 5er -WG. Einer meiner Mitbewohner lebt von Butterbroten, eine andere von Griesbrei, ein dritter aus der Tiefkühltruhe - wundert mich, dass sie überhaupt noch leben.

Ich hatte das Glück, schon als kleiner Junge und auch später immer wieder kochen zu müssen. Als Kind lernte ich, indem ich abschaute und nachahmte, das Risiko einging, es zu verpfuschen und aus Fehlern lernte. Risiko ist aber aufreizend und man hat noch das ganze Leben vor sich. Für alles gibt es eine gute Phase - zum Lernen meist die Jugend.

Um mich herum aber sind viele, die das Koch-ABC nur ansatzweise beherrschen - kulinarische Analphabeten. Estragon, Liebstöckel, Kumin und Kardamom. Chili, Knoblauch, Ingwer, Rosmarin und Muskat. Was wäre ein gutes Essen ohne diese und andere Kräuter und Gewürze? Essbar, aber ein kulinarischer Genuss? Nachher koche ich mir Ratatouille mit frischen Zucchini, Tomaten, Paprika und Knoblauch, mit Zitronenzeste (feine Streifen Zitronenschale), schwarzem Pfeffer, Meersalz und einer Messerspitze Chili. Dazu Vollkornreis und eine Hühnchenbrust mit frischem Rosmarin, Sesam und Zitronensaft. Ich freue mich schon darauf.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 22, 2009
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Rubrik: studium
May 22, 2009