Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

100 erste Tage an der Uni

Lieber München oder Berlin oder Jena oder Leipzig?

Vor einem Jahr war ich auf der Suche nach einer Hochschule, an der ich gut studieren und einer Stadt, in der ich gut leben könnte. Internet und Studienführer, Freunde und Gefühl halfen mir, ein halbes Dutzend Unis auszusuchen: München, Berlin (Humboldt Uni und Freie Uni), Jena, Leipzig und Magdeburg.

Ich hatte mich unter anderem für einen Studienplatz der Philosophie beworben. Als einzige Uni hatte die LMU München mich zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, um meine Eignung für dieses Studium festzustellen. Zuvor sollte ich ein kleines Motivationsschreiben verfassen. Das gefiel mir gut, nicht auf die zwei Ziffern der Abiturabschlussnote reduziert zu werden.

Die Uni beeindruckte mich, das Gespräch lief gut, aber München hat meiner Meinung nach kein studentisches Flair. Auch wenn die Münchner feiern können, so ist es doch eine geschäftige Stadt. Die Lebenshaltungskosten sind hier ziemlich hoch, und ein Bohème, Künstler oder Träumer findet hier wohl weniger Seinesgleichen.

Daraufhin nahm ich den Zug nach Leipzig, eine große Unbekannte für mich. Ich kam in einem riesigen Bahnhof an, so groß, dass noch hundert Läden darin Platz gefunden haben - der Bahnhof zur Shoppingmall. Draußen ratterten die Straßenbahnen. Ich kaufte mir einen großen Stadtplan und lieh mir in einem Laden ein Fahrrad. Direkt neben dem Bahnhof war ein Hostel für Rucksackreisende, ganz nett, aber heute würde ich es eher über Couchsurfing probieren.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jul 8, 2009
Autor:
Rubrik: studium
Jul 8, 2009

100 erste Tage an der Uni

Bildungstreik

Es herrscht bundesweit Bildungsstreik. Vor einigen Wochen schon organisierten ein paar Fachschaftsräte hier in Leipzig eine 48 Stunden dauernde Besetzung des Gebäudes der Geisteswissenschaften. Eine Bühne mit offenem Mikrofon wurde eingerichtet, wo jeder seinen Unmut äußern konnte: Anwesenheitspflicht verschule das Studium, es gäbe zu viele Prüfungen, der „Workload" sei zu hoch und vieles mehr. Immer wieder hieß es, der Bachelor sei an allem schuld.

In erstarrter Bewunderung sprachen viele von den Studentenprotesten in Frankreich - Monate lang haben Studenten und Dozenten solidarisch Gebäude besetzt und den Betrieb lahm gelegt. Meine Schwester, die gerade als Erasmusstudentin in Frankreich ist, kann ein Lied davon pfeifen. Aber bei der Bewunderung blieb es auch. Der Gedanke, dies könne auch in Deutschland, geschweige denn in Leipzig geschehen, war für viele anscheinend dann doch zu abenteuerlich. Die Besetzung des Unigebäudes endete ohne konkrete Forderungen und Beschlüsse. Ein paar Studenten beschlossen, den Protest fortzuführen und bemalten große Transparente und Laken, die sie am Hauptcampus aufhängten. Darauf stand dann: „Dieses Gebäude ist besetzt" und „Wir streiken". Was aber fehlte, waren konkrete Forderungen an die Universitätsleitung. Was soll sich ändern?!

Diese Woche nun, im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks, sollten wieder verschiedene Protestaktionen stattfinden. So zum Beispiel letzten Dienstag. Organisatoren des Streiks wollten die Unzufriedenheit der Studenten in Worte fassen und sie auf einen Protestmarsch am Mittwoch einstimmen. Doch von den knapp 30.000 Studenten der Uni Leipzig kamen gerade mal 30 - ein Reinfall. Zum Protestieren scheinen in Leipzig nicht viele aufgelegt zu sein. Sind sie verdrossen, fühlen sie sich ohnmächtig oder sind sie mit ihrer Situation doch vielleicht zufrieden?

So schlecht scheinen mir die Bedingungen hier tatsächlich nicht. Ob Bachelor, Diplom oder Magister, wichtig ist tatsächlich, dass die Universitäten ausreichend finanzielle Mittel haben, um genügend und gute Dozenten, Hilfskräfte und Professoren einzustellen.

      

 

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 26, 2009
Autor:
Rubrik: studium
Jun 26, 2009

100 erste Tage an der Uni

Jazz wie Rotwein und Camembert

Das Bachfest hat vor wenigen Tagen begonnen. In der Innenstadt steht auf einem großen Platz eine Bühne. Johann Sebastian Bach mag ich sehr und als ich heute früh erfuhr, am Abend fände ein Open-Air-Konzert statt, freute ich mich schon tierisch. Als ich um kurz vor zehn Uhr angeradelt kam, war der Platz proppevoll, mehrere hundert Leute standen und saßen schon und warteten gespannt.

Bevor ich einen Blick auf die Bühne erhaschen konnte, hörte ich wie einzelne Musiker vorgestellt wurden und schon spielten sie auch. Ich ging noch ein paar Schritte weiter auf die Bühne zu und blieb plötzlich überrascht stehen. Was war das? Das war doch nicht Bach! Nein, Jazz! Und dann sah ich auf einem Großbildschirm: „Das Nigel Kennedy Quintett". Sollte ich wieder gehen? Bevor ich lange darüber nachdenken konnte, bannte mich, was mir noch eben missfiel. Die E-Geige und ihr Spieler, Nigel Kennedy, verschmolzen und es zuckte mir in den Gliedern. Dabei war ich dem Jazz bisher abgeneigt. Es ist wohl mit der Musik wie auch mit Wein oder Käse. Man mag es nicht gleich, zu stark und streng sind die Aromen. Man muss sich etwas Zeit lassen, um seine Angst vor dem Fremden zu überwinden, eine gewisse Gewöhnung muss sich einstellen, um - wenn man dann mal einen guten Wein, einen herrlich stinkenden Camembert, ein gutes Stück Jazz probiert hat - dann doch Geschmack daran zu finden.

Nicht nur mir, auch dem restlichen Publikum hat die Vorstellung gefallen. Und so sagte Nigel, dieser wunderbare Geiger in Lederjacke, Punkfrisur und mit Bierflasche in der Hand, verschmitzt lächelnd, dass wir nun von ihm genügend „f*** Nigel" gehört hätten und in hier sowieso genügend „f*** Bach" hörten, weshalb die letzte Zugabe von Jimmy Hendrix sei.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 18, 2009
Autor:
Rubrik: studium
Jun 18, 2009