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100 erste Tage an der Uni

Jazz wie Rotwein und Camembert

Autor:

Rubrik:
studium

18.06.2009

Das Bachfest hat vor wenigen Tagen begonnen. In der Innenstadt steht auf einem großen Platz eine Bühne. Johann Sebastian Bach mag ich sehr und als ich heute früh erfuhr, am Abend fände ein Open-Air-Konzert statt, freute ich mich schon tierisch. Als ich um kurz vor zehn Uhr angeradelt kam, war der Platz proppevoll, mehrere hundert Leute standen und saßen schon und warteten gespannt.

Bevor ich einen Blick auf die Bühne erhaschen konnte, hörte ich wie einzelne Musiker vorgestellt wurden und schon spielten sie auch. Ich ging noch ein paar Schritte weiter auf die Bühne zu und blieb plötzlich überrascht stehen. Was war das? Das war doch nicht Bach! Nein, Jazz! Und dann sah ich auf einem Großbildschirm: „Das Nigel Kennedy Quintett". Sollte ich wieder gehen? Bevor ich lange darüber nachdenken konnte, bannte mich, was mir noch eben missfiel. Die E-Geige und ihr Spieler, Nigel Kennedy, verschmolzen und es zuckte mir in den Gliedern. Dabei war ich dem Jazz bisher abgeneigt. Es ist wohl mit der Musik wie auch mit Wein oder Käse. Man mag es nicht gleich, zu stark und streng sind die Aromen. Man muss sich etwas Zeit lassen, um seine Angst vor dem Fremden zu überwinden, eine gewisse Gewöhnung muss sich einstellen, um - wenn man dann mal einen guten Wein, einen herrlich stinkenden Camembert, ein gutes Stück Jazz probiert hat - dann doch Geschmack daran zu finden.

Nicht nur mir, auch dem restlichen Publikum hat die Vorstellung gefallen. Und so sagte Nigel, dieser wunderbare Geiger in Lederjacke, Punkfrisur und mit Bierflasche in der Hand, verschmitzt lächelnd, dass wir nun von ihm genügend „f*** Nigel" gehört hätten und in hier sowieso genügend „f*** Bach" hörten, weshalb die letzte Zugabe von Jimmy Hendrix sei.

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