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100 erste Tage an der Uni

Meine Kaserne

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

23.02.2012

Ich wohne in einer Kaserne. In einer ausgedienten amerikanischen Kaserne, die von hohen Zäunen und teilweise sogar von Stacheldraht umgeben ist. Das ist ein gigantischer Häuserblock mit der Nummer 3662. Vor mir haben amerikanische Soldatenfamilien hier gewohnt. Auf der anderen Straßenseite steht ein ebenso schöner Häuserblock, mit dem Unterschied, dass die Stahlpforte dort mit Flutlichtscheinwerfern beleuchtet und schwer bewacht wird. Dort wohnen noch Amerikaner. Und ich weiß genau, wie sie wohnen: Sie haben die gleiche riesige Küche wie ich, das gleiche Bad, die gleichen Lichter im Flur und einen Türspion. In ihrem Innenhof sind mehrere Grillplätze, Kinderspielplätze (die bei uns leider abgerissen worden sind; offenbar dürfen Studenten nicht spielen) und einen Parkplatz pro Wohnung. Aber im Gegensatz zu uns werden die werten Herrschaften im bewachten Trakt gegenüber wohl Internet, Lattenroste, Stühle, fließend Wasser, Briefkästen und Waschmaschinen haben. Als wir im September hier einzogen (das Studentenwerk hatte das Gelände erst im Juni gemietet und die Bauarbeiten waren noch nicht abgeschlossen), mangelte es an vielem und doch waren wir froh, in Zeiten der Doppeljahrgänge und aussetzender Wehrpflicht, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Seitdem spazieren Hausmeister und Handwerker ein und aus. Inzwischen haben wir fast alles: Nur kein Internet! Es sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass es eine „mission impossible“ ist ohne Internet studieren zu wollen. Zum Glück wohnt man direkt neben der Bibliothek.

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