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100 erste Tage an der Uni

Kleinstadtkirmes

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

30.04.2012

Manchmal ist es ganz schön, aus einer richtig öden, langweiligen und nicht wirklich schönen Kleinstadt aus der westfälischen Provinz zu kommen. Es gibt keinen Bahnhof, kein Kino, kein Theater, kein schönes Café, nichts, was das Herz begehrt. Jeder kennt jeden aus dem täglichen Kleinstadt-Tratsch, es wird penibel registriert, wer wen grüßt, mit wem befreundet ist und welchen Status genießt. Vorgärten werden spießig gepflegt, Nachbars Hund verflucht, wenn er sein Geschäft an der falschen Stelle erledigt.

Es gelingt mir erstaunlich gut, all diese kleinen Eigenschaften meines Zuhauses in meiner Abwesenheit während des Semesters zu verdrängen. So ist es jedes Mal eine Art Kulturschock, zurück nach Hause zu kommen, in diese kleine Stadt, wo man einfach immer jemanden trifft, den man gar nicht treffen will.

Höhepunkt des Lebens in einer solchen Kleinstadt ist die Kirmes: Breakdancer, Kinder-Karussell, Bierbuden, Schießstände und Pommesbuden lassen das Herz des Provinzlers höher schlagen und das auch berechtigt: Egal, wen man vermisst hat, egal, wen man jahrelang nicht gesehen hat, die Kirmes ist ein Garant, sich wieder zu treffen. Und das nicht irgendwo: Legendär ist der Bierstand des Abijahrgangs des Gymnasiums. Am „Dreizehner“ sieht man jeden, quatscht mit jedem und auch nur dort verabredet man sich. Schon lange heißt’s nicht mehr „nach dem Krieg um sechs“. Für alle, die man aufgrund Studium, FSJ, Arbeit oder Ausbildung lange nicht sehen wird, heißt’s: „Auf Kirmes, am Dreizehner!“

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