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100 erste Tage an der Hochschule

Freunde finden

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

05.11.2012

Irgendwie kommt es mir so vor, als sei es früher leichter gewesen, schnell neue Freunde zu finden. Meine erste beste Freundin beispielsweise, mit der ich in der Spielgruppe und im Kindergarten befreundet war: Unsere beiden jüngeren Schwestern und unsere Mütter hatten sich angefreundet und wir wurden quasi mitgezogen.

Oder meine beste Freundin in der Grundschule: Wir kannten uns aus dem Kindergarten und bei der Anmeldung fiel mir sofort ein, dass wir wohl in derselben Klasse landen würden. Nachdem ich ihr das am nächsten Tag auf dem Bauteppich erzählt hatte, waren wir vier Jahre lang quasi unzertrennlich.

Selbst als ich aufs Gymnasium kam, war es nicht allzu schwer, mich mit meiner jetzigen besten Freundin anzufreunden. Wir kannten uns vom Vorlesewettbewerb und der Kinder-Bibel-Woche und spätestens nach den ersten Monaten waren wir gut befreundet.

Das Gute an Kindergarten, Grundschule und Gymnasium war, dass man fast immer schon jemanden kannte. In der Kindergartengruppe waren einige aus meiner Spielgruppe, in meiner Grundschulklasse viele aus dem Kindergarten und auf dem Gymnasium meine halbe Parallelklasse aus der Grundschule. Und wenn man schon jemanden kennt, ist es einfach, Anschluss zu finden und auch neue Kontakte zu knüpfen.

An der Heinrich-Heine-Universität sind zwar auch vereinzelt Leute, die ich aus meiner ehemaligen Stufe oder meiner alten Grundschulklasse kenne, aber der Großteil ist doch neu und unbekannt, womöglich sogar aus irgendwelchen Teilen Deutschlands, von denen man noch nie gehört hat.

Meine Sorge ist es, keine wirklich guten Freunde zu finden und das ganze Studium über allein herumzustehen. Klar, der erste Schritt ist leicht gemacht, die Frage „Ehm…ist hier die Einführungsveranstaltung für Soziologie?“ kommt einem leicht über die Lippen und der folgende Standard-Smalltalk („Woher kommst du? Wohnst du schon in Düsseldorf? Was hast du nach dem Abi gemacht? Was willst du später arbeiten?“) ist einfach und bringt schnell neue Bekanntschaften mit sich, aber zu einer Freundschaft gehört meiner Meinung nach mehr. Das Schwierige für mich ist dabei, die Gruppe zu überblicken. In der Schule hat man in der Regel Klassen mit maximal 30 Schülern, fürs Soziologie-Ergänzungsfach sind allein rund 75 Leute zugelassen, bei den Germanistik-Erstis sind es laut Uni-Website sogar über 300. Bei solchen Gruppengrößen kann zumindest ich nicht direkt überblicken, wer ganz sympathisch auf mich wirkt und mit wem ich gut zurechtkommen könnte.

In der Soziologie-Einführung habe ich auf jeden Fall schon ein paar Mädchen kennen gelernt, die mir ganz nett vorkommen und bei Germanistik wird sich in den kleineren Grundkursen vermutlich eher etwas ergeben als bei der Einführungsveranstaltung im riesigen Hörsaal. In den nächsten Jahren ergibt sich dann hoffentlich ein Freundeskreis, in dem ich mich wohlfühle.

Vielleicht bin ich aber auch ein bisschen zu ungeduldig. In der ersten Woche ist das Wichtigste, irgendwie Kontakte zu knüpfen und mit der neuen Situation klarzukommen. Freundschaften entwickeln sich schließlich erst mit der Zeit. Und wenn ich mir in einem Jahr diesen Blogeintrag noch einmal durchlese, frage ich mich vielleicht, warum ich mir damals solche Sorgen gemacht habe.

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