interaktiv

100 erste Tage an der Uni

Stufen der Trauer

Autor:
Fanny

Rubrik:
studium

27.11.2012

Ich hatte ein schlechtes Gefühl wegen den Prüfungen – und das bestätigte sich an einem Dienstagabend. Wir wollten zu einer Party und ich dachte, jetzt schaust du einfach nochmal mal auf der Internetseite der Uni nach. Und da stand es: Genau eine Prüfung zu wenig bestanden! Ich kann Wirtschaftswissenschaften an der Uni Würzburg nicht weiterstudieren.

In der Schule haben wir mal im Fach Religion gelernt, dass die Verarbeitung von Trauer oder Niedergeschlagenheit drei Stufen hat. Die erste Stufe ist Ignoranz. Man weiß zwar, dass es so ist, aber man ist die vorherige Situation noch so gewohnt, dass man sich keine wirklichen Gedanken macht und auch keine Gefühle zulässt. Am Abend der Feier habe ich es meinen Freunden gesagt und alle waren überrascht, wie gefasst ich war. Aber ich hatte es einfach noch nicht begriffen. Am nächsten Tag habe ich mich voreilig um alles gekümmert – Studiengebühren zurückverlangen (hat natürlich nicht funktioniert), Exmatrikulationsantrag ausgedruckt und so weiter.

Am Wochenende darauf redete ich dann erstmal in Ruhe mit meiner Mutter und einer Frau von der Studienberatung und bekam einen Überblick über meine Situation. Ich darf jetzt noch das Semesterticket nutzen, da ich es ja bezahlt habe, und muss mich erst zum Sommer exmatrikulieren, ich bleibe also zunächst hier, bis ich weiß wie es weitergeht. Ich habe Bewerbungen für duale Studiengänge geschrieben (die aber erst nächstes Wintersemester starten) und ich bewerbe mich noch an Fachhochschulen für BWL im zweiten Fachsemester, dann könnte ich im Sommersemester loslegen. Ich hoffe aber auf ein duales Studium, das würde mir vermutlich mehr liegen.

Und dann kam die Langeweile: Ich werde wohl noch einen zweiten Job suchen, damit ich die Zeit wenigstens zum Sparen nutzen kann, aber im Moment sitze ich viel zu Hause. Meine Freunde haben ja alle in der Uni oder anderswo zu tun und nur abends Zeit. Und dann kam auch noch eine Absage von IBM, meinem Wunschunternehmen für ein Duales Studium. Auf einmal brach die zweite Stufe – Verzweiflung – über mich herein. Ich dachte darüber nach, dass das doch alles blöd ist mit der Wartezeit, ob es sinnvoll ist, weiterhin meine Wohnung zu bezahlen, und habe mich selbst bemitleidet. Ich frage mich, ob meine Bewerbungen zu schlecht waren und ob ich überhaupt irgendwo genommen werde. Es ist einfach alles so schwierig im Moment.

So langsam kommt aber die dritte Phase in Gang: Akzeptanz. Ich bin natürlich trotzdem noch traurig und aufgewühlt, weil ich einfach nicht weiß, wie es weitergehen wird. Ob ein duales Studium oder ein Studium an einer Fachhochschule. Die Ungewissheit ist am schlimmsten, vor allem, weil ich immer dachte, dass ich nicht zu den 40 Prozent gehören würde, die Wirtschaftswissenschaften nach dem zweiten Semester nicht bestehen.

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