interaktiv

100 erste Tage an der Uni

Was ist eigentlich da oben an der Decke?

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

07.01.2013

Mein Seminar für das Modul „Kommunikation der Mündlichkeit und Schriftlichkeit“ heißt „Rede-Rhetorik“ und dreht sich – wie könnte es auch anders sein – um Reden. Um den Beteiligungsnachweis zu erhalten, mussten wir dabei eine Rede vor dem gesamten Kurs halten. Ich hatte mir aus einer Liste mit möglichen Redethemen die Rhetorik im Nationalsozialismus und den Vergleich zum heutigen Rhetorikverständnis ausgesucht, weil mich das Thema direkt angesprochen hatte und ich fest davon überzeugt war, genug Infomaterial im Internet zu finden.

Mein Rede-Termin war erst Mitte Dezember, sodass ich eigentlich genug Zeit gehabt hätte, mich lange und ausführlich darauf vorzubereiten. Aber wie so oft habe ich die Recherche immer wieder vor mir hergeschoben, bis ich schließlich am Tag vorher abends vor dem Computer saß und Stichpunkte von Wikipedia abschrieb… Dazu muss ich allerdings auch sagen, dass es zu dem Thema kaum Informationen im Internet gab und Wikipedia deutlich ausführlicher berichtet hat als die paar Hausarbeiten und Aufsätze, die ich gefunden habe. Und für die Bibliothek war es nun zu spät.

Der Probevortrag am selben Abend vor meinem Freund verlief leider nicht wie erhofft („Hör auf zu lachen, du bist blöd, ich mach nicht mehr weiter!“) und bei der halblaut vorgetragenen Rede am nächsten Morgen an der Bushaltestelle hatte ich plötzlich leider Zuschauer, sodass ich sie nicht ganz so beenden konnte, wie ich es vorhatte. Meine Nerven lagen blank. Zwei Rednerinnen kamen vor mir dran, dann war ich an der Reihe. Nach ein paar einleitenden Sätzen war ich wirklich im Thema drin und es war überhaupt nicht mehr schlimm, ich habe mich sicher gefühlt und konnte so referieren, wie ich wollte. Auch das Feedback danach war ziemlich positiv, ich kam laut Hörerschaft sehr sympathisch rüber und konnte mein Interesse am Thema auf das Publikum übertragen.

Lustigerweise war der einzige wirkliche Kritikpunkt etwas, das mich im letzten Jahr schon verfolgt hat: Das An-die-Decke-gucken. In der Abizeitung stand auf meiner Vorstellungsseite bei den Wir-über-uns-Kommentaren etwa zwanzigmal in verschiedenen Variationen die Frage „Was ist eigentlich da oben an der Decke?“ Bis zur Bekanntgabe der Kommentare war es mir nie aufgefallen, danach muss ich es allerdings wohl unterbewusst mehr oder weniger eingestellt haben, denn eine Freundin meinte ein paar Monate später zu mir „Du hast dir die Kommentare aber wirklich zu Herzen genommen, oder? Ich meine, du guckst nämlich nicht mehr an die Decke.“

In der Redesituation war das An-die-Decke-gucken allerdings wohl wieder da, mein Dozent gab mir als Tipp mit, beim Nachdenken lieber eine Pause zu machen als an die Decke zu gucken, dann würde sich das legen. Insgesamt bin ich ziemlich stolz auf mich, nicht unbedingt nur wegen des positiven Feedbacks, sondern hauptsächlich, weil ich endlich etwas geleistet habe.

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