interaktiv

100 erste Tage an der Uni

Von Kitty-Hooligans und Carnivoren

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

28.06.2013

Vergangene Woche nach meinem Methoden-Tutorium war ich ausnahmsweise noch kurz in der Bibliothek, um mir endlich eine Kopierkarte zu besorgen – und überlegte kurz, ob ich mich in der Tür geirrt hatte. Sämtliche Wände und vor allem auch die Fenster waren mit Plakaten behängt. Nein, nicht mit solchen Zetteln, die man zuhauf an den schwarzen Brettern der Uni findet, in denen es zu vermietende Zimmer und Wohnungen, Nachhilfelehrer, Korrekturleser und Ähnliches geht, die Papiere an den Wänden und Fenstern waren Wahlplakate!

Ich war zuerst irritiert, die nächste Bundestagswahl ist schließlich erst im September. Und ob an einer meines Wissens nach nicht durch eine Partei gelenkten Uni Wahlplakate aufgehängt werden dürfen, halte ich für fragwürdig. Der nächste Blick zeigte: Das waren keine Wahlplakate. Zu unprofessionell – einfach nur buntes Papier mit schwarzem Aufdruck – und Parteinamen wie LHG, RCDS oder Kitty-Hooligans hatte ich auch noch nicht gehört. Zwei Studenten saßen an einem Tisch, vor sich eine Wahlurne und einen Sichtschutz mit der fetten Aufschrift „SP-Wahl“. Aha, irgendwas, das man an der Uni wählen kann, davon habe ich eh keine Ahnung, also lasse ich es lieber, dachte ich mir.

Später, beim Treffen zu einer Gruppenarbeit fand ich einige Flyer. SP stand offensichtlich für „Studierenden-Parlament“, einem Vertretungsorgan der Studenten. Das Studierendenparlament wählt zum Beispiel den AStA-Vorstand und entscheidet mit, wohin die Studienbeiträge der Studenten fließen.

Eine der „Parteien“ hatte als ersten Punkt – der ja vermutlich der wichtigste sein soll – die Verhinderung eines „grünen Tages“ (also fleischfreies Essen an einem Tag pro Woche oder Monat) in den Mensen und im Campus-Café auf der Liste. Auch wenn ich vielen anderen Punkten der Liste zustimmen würde, fand ich das als Hauptziel nun wirklich lächerlich.

Der andere Flyer machte mich noch skeptischer: Die ersten Punkte betrafen die Semesterbeiträge; diese „Partei“ forderte eine drastische Senkung und die Möglichkeit, dieser „Zwangsmitgliedschaft“ austreten zu können. Angesichts dieser Punkte fragte ich mich wirklich, was für Leute diese „Partei“ wohl wählen. Natürlich ist es für manche Studenten mit knappem BAföG ein Problem, den Semesterbeitrag zu bezahlen. Aber dafür sollte man keine allgemeine Aussteigemöglichkeit haben, sondern lieber überlegen, bei Nachweis der Unbezahlbarkeit des Semesterbeitrags eine Ausnahme zuzulassen. Schließlich müsste man für ein vergleichbares Ticket je nach Tarif regulär mehr als das fünffache bezahlen.

Letztendlich habe ich dann doch gewählt, nachdem ich mir ein orangenes Infoheftchen von einem Wahlstand mitnehmen durfte, in dem stand, dass nicht alle Kandidaten ein so komisches Parteiprogramm haben.

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