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100 erste Tage an der Uni

Bürokratiestaat Deutschland (Teil 2)

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

11.09.2013

Der nächste Punkt, bei dem ich mit der deutschen Bürokratie konfrontiert wurde, kam von meiner besten Freundin. Sie studiert Jura und fragte mich, ob ich ihre Hausarbeit Korrektur lesen wolle. Natürlich wollte ich, vor allem, weil sie mir am Telefon erzählt hatte, dass ihre Hausarbeit schon vom Stil her ganz anders als meine sei. Auf den 25 Seiten fand ich einen Kommafehler, drei Tippfehler, ein paar Groß- und Kleinschreibfehler und vor allem eine wichtige Erkenntnis: „Ich verstehe gerade dieses deutsche Bürokratie-Vorurteil – zumindest ein bisschen.“

Ich hatte bisher immer gedacht, dass die Arbeit von Juristen darin besteht, einfach zu sagen „Okay, der Typ hat einen umgebracht/eine Bank ausgeraubt/Steuern hinterzogen, das war falsch, wir müssen jetzt eine Strafe finden.“ Damit lag ich aber anscheinend falsch. In der Hausarbeit ging es eigentlich um einen kleinen Fall, jemanden, der versucht, ein Gesetz anzufechten. Aber nur zu überprüfen, ob er das kann, ist natürlich zu einfach, erst muss die Beschwerdefähigkeit und Prozessfähigkeit der Person überprüft werden, dann die Beschwerdebefugnis, die Ordnungsmäßigkeit der Beschwerde (ja, das ist offenbar alles etwas Unterschiedliches) und dann erst kommen irgendwann die Überprüfungen, ob das Gesetz jetzt anfechtbar ist oder nicht!

Im juristischen Bereich ist eine solche Menge an Kleinschrittigkeit vielleicht noch nachvollziehbar, damit das Rechtssystem in Deutschland nicht durch übersehene Fakten oder Ähnliches unterwandert wird, aber jetzt musste ich auch am eigenen Leib erfahren, wie kompliziert es hier ist.

Im nächsten Semester werde ich ein Orientierungs-Tutorium für Erstsemester geben, worauf ich mich auch schon ziemlich freue. Ein solches Tutorium habe ich selbst im ersten Semester belegt und fand es ziemlich gut, darum hoffe ich, selbst eine gute Tutorin zu sein – und das Einführungswochenende macht bestimmt auch Spaß!

Nur leider gehört zu dem Job auch erst einmal Papierkram. Ich hatte damit gerechnet, einiges ausfüllen und abgeben zu müssen, aber der Fragebogen für erstmalige Angestellte der Heinrich-Heine-Universität war dann doch etwas kompliziert. „Papa, heißt das hier, dass ich arbeitslos bin, und das hier, dass ich ein Kind habe? Da muss ich dann ‚nein‘ ankreuzen, oder? Und hier steht, ich soll meine LBV-Personalnummer angeben, was ist das bitte?“

Die beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde war noch das geringste Problem, aber bei weiteren Anlagen, wie dem Nachweis der Krankenversicherung, wurde es komplizierter („Woher krieg ich sowas denn?“). Ich bin noch immer nicht ganz fertig mit dem Ausfüllen und Besorgen der Unterlagen – hoffentlich schaffe ich das rechtzeitig!

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