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100 erste Tage an der Uni

Willkommen in der Daily Soap

Endlich konnte ich mal Zeit in meiner neuen Göttinger Mädels-WG verbringen! Da ich die Einzige von uns mit funktionierendem Fernseher bin, saßen wir natürlich bald zu viert vor der Mattscheibe und gönnten uns einen faulen Nachmittag mit allen bekannten Frauensendungen. So kamen wir auch endlich mal wieder dazu, uns alle Seifenopern anzusehen. Schnell bemerkte ich jedoch: Das ist doch alles völlig unrealistisch! Die Menschen können doch gar nicht so intrigant und egoistisch sein! Oder etwa doch?

Seit ich wieder mehr Zeit in unserem kleinen Heimatort verbringe, beschleicht mich leider das Gefühl, dass an diesen ganzen verworrenen Techtelmechteln doch etwas dran sein könnte. Plötzlich präsentieren sich Leute als neues Traumpaar, von denen man im Leben nicht gedacht hätte, dass sie zusammen passen könnten. Außerdem verbreiten sich die dümmsten Gerüchte wie Grippe-Epedemien, obwohl ich keinen blassen Schimmer habe, wer sich solch idiotische Geschichten einfallen lassen könnte. Das macht mich zugleich wütend und traurig. Das war es doch, was ich an meiner Heimat so schätzte, die Ehrlichkeit und Vertrautheit.

Einem Punkt kommt das Ganze aber ganz besonders nicht zugute: Ich hatte ohnehin schon reichlich Bammel davor, an der Uni zunächst von neuem auf mich alleine gestellt zu sein. Denn obwohl mein Neuanfang viel Gutes beinhaltet, bedeutet er dennoch, dass ich wieder einmal keinen kenne. Zwar denke ich, dass ich relativ offen gegenüber Fremden bin, auf der anderen Seite graut es mir davor, neue Leute kennenzulernen. Diese verkrampften Gespräche oder das peinliche Schweigen, weil niemand etwas zu sagen weiß. Das kann doch wirklich niemand leiden. Aber in Bonn habe ich schließlich auch eine tolle Freundin kennengelernt. Wer sagt, dass das in Göttingen nicht genauso sein wird?

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  Oct 1, 2013
Autor: Noelle
Rubrik: studium
Oct 1, 2013

100 erste Tage an der Uni

Zeit des Vergessens

Gut ein Jahr ist es jetzt her, dass ich die Schule hinter mir gelassen habe, bald schon startet mein drittes Semester an der Uni. Und ehrlich gesagt bin ich geschockt darüber, wie viel ich in diesem Jahr vergessen habe.

Beginnen wir mit Chemie. Auf einer Party vor ein paar Wochen trafen mein Freund und ich auf eine ehemalige Stufenkameradin, die mittlerweile Mathe und Chemie auf Lehramt studiert, und uns gerne ein bisschen von ihrem Chemiepraktikum erzählte. Mein Freund fragte ernst nach, was denn eine Oxidation sei – Unterrichtsstoff der Mittelstufe – und ich folgte dem Beispiel meiner ehemaligen Mitschülerin, die lauthals zu lachen anfing, als er spekulierte: „Dabei wird bestimmt Oxid hergestellt“. Ihm sei die Unwissenheit verziehen, er hat Chemie nach der zehnten Klasse abgewählt und seitdem vermutlich keinen Gedanken mehr daran verschwendet. Ich habe ihm allerdings verschwiegen, dass ich selbst auch nicht mehr genau wusste, was eine Oxidation war – und ich hatte Leistungskurs.

Aber nicht nur in Chemie scheine ich einen Großteil meines Schulwissens vergessen zu haben, auch meine Fremdsprachenkenntnisse scheinen langsam nachzulassen. Ich war zwar echt stolz, als ich beim DVD-Abend für eine Freundin Passagen des deutsch-französischen Films übersetzen konnte, aber als ich den französischen Austauschschüler meiner Schwester abholen sollte, ging unsere Unterhaltung kaum über „salut“ und „je suis Janna, la soeur de ta corres“ hinaus.

Andererseits denke ich mir, dass man sich ja nicht alles für immer merken muss. Aus dem Chemieunterricht habe ich beispielsweise mitgenommen, dass man Kalk am besten mit Essig(reiniger) löst, den genauen Kalkkreislauf brauche ich dafür allerdings nicht. Mein gesprochenes Französisch ist vielleicht ein bisschen eingerostet, aber verstehen tu ich dafür noch fast alles.

Und alles habe ich auch nicht unwiderruflich gelöscht: Für meine Schwester bin ich weiterhin Ansprechpartnerin Nummer Eins, wenn es um ihre Mathehausaufgaben geht. Und obwohl ich kleinere Schritte dann nicht mehr genau weiß, versteht sie es bei mir immer noch besser als in der Schule. Mathe verlernt man eben nicht!

Außerdem habe ich im letzten Jahr nicht nur vergessen, sondern vor allem auch viel Neues gelernt. Über mittelhochdeutsche Artusromane, Radiotextsorten, und das richtige Verfahren bei empirischen Erhebungen weiß ich heute deutlich mehr als noch vor zwölf Monaten. Was ich gelernt habe, hilft mir bei dem, was ich später mal arbeiten möchte, bestimmt auch mehr als mein Chemie-Schulwissen.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Sep 19, 2013
Autor: Janna
Rubrik: studium
Sep 19, 2013

100 erste Tage an der Uni

Der Hausarbeits-Horror

Thema: Hausarbeit. Kann doch eigentlich nicht so schwer sein, oder? Ich muss dazu sagen, dass dies meine allererste ist und ich keine große Ahnung habe, wie genau so etwas funktioniert. Ich weiß zum Beispiel nicht wie man die Arbeit aufbauen und gliedern muss. Aber da ich in Sachen Schreiben ja schon immer talentierter als beim Lernen war, dachte ich, kann ja alles nicht so schwer sein. Falsch gedacht! Der Hausarbeits-Wahnsinn hat von mir Besitz ergriffen und ich bekomme schon einen leichten Würgereflex, wenn ich bloß daran denke, den Laptop hochfahren und mich zum hundertsten Mal dransetzen zu müssen.

Dabei ist mein Thema gar nicht mal uninteressant. Da ich ein Seminar mit dem Titel „Storytelling Down Under“ belegte, was sich hauptsächlich mit den Eingeborenen Neuseelands und Australiens und deren Literatur beschäftigte, musste meine Hausarbeit natürlich auch etwas damit zu tun haben. Ich entschied mich letztendlich dafür, über Australier zu schreiben, die sowohl Weiße als auch Aborigines als Vorfahren haben.

So weit, so gut. Die wirklichen Probleme taten sich jedoch an ganz anderer Stelle auf. Abgabetermin war nämlich der 31. August und so blieb mir nicht viel Zeit nach den geschriebenen Klausuren. Dennoch war ich relativ motiviert und setzte mich, so oft es ging, an den Computer. Zuletzt brachte ich sogar sechs bis acht Stunden täglich auf diese Weise zu. Leider war ich mir nicht sicher, wo ich anfangen sollte, welche Vorgehensweise die richtige wäre und was überhaupt alles in meiner Hausarbeit vorkommen sollte. Meine Professorin war zu der Zeit jedoch im Urlaub und antwortete mir nicht auf meine Mails, weshalb ich also besten Gewissens in die Tasten haute, um rechtzeitig fertig zu werden. Dann endlich: Nach zwei Büchern und gefühlt hundert gelesenen Sekundärtexten hatte ich meine Arbeit auf insgesamt elf Seiten beendet und war ziemlich erleichtert. Dieses Glücksgefühl hielt aber nicht sonderlich lange an. Am nächsten Morgen las ich eine Mail meiner Professorin. Darin stand, dass mein Aufbau nicht ganz korrekt sei und ich das Ganze literaturwissenschaftlicher angehen müsse.

Da war es erst mal vorbei mit meinen Nerven! Wie sollte ich es in der kurzen Zeit schaffen, meine ganze Arbeit noch einmal umzukrempeln? Doch meine Professorin beruhigte mich sofort wieder. Ich würde die Zeit bekommen, die ich brauchte, um alles noch einmal durchzugehen.

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  Sep 11, 2013
Autor: Noelle
Rubrik: studium
Sep 11, 2013