interaktiv

Studentenleben live

Wie im Kindergarten

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

20.11.2013

Erstigruppen auf Facebook sind eine tolle Erfindung. Man kann Fragen stellen, die in der Regel zügig beantwortet werden, findet meistens die Leute, mit denen man ein Referat halten muss, und der Austausch über gute und schlechte Dozenten ist ebenfalls ein Thema.

Erstigruppen auf Facebook sind allerdings manchmal auch ein guter Grund, um die Hände fremdschämend über dem Kopf zusammenzuschlagen. So lautete eine Frage, die kürzlich gestellt wurde: „Hallo Leute, mir wurde mitgeteilt, dass ich die und die Lektüre bis zur nächsten Sitzung vorbereiten soll. Bedeutet vorbereiten komplett durchlesen? Oder die Lektüre einfach besorgen?“

Es ist eine Sache, noch immer nicht verstanden zu haben, wie das mit dem Wahlpflichtbereich, den Anwesenheitspflichten, den Tutorien oder den Beteiligungsnachweisen funktioniert. Aber eine solche Frage sollte doch eigentlich schon in der Schule klar gewesen sein. Einen Text zur nächsten Stunde vorzubereiten heißt nicht, ihn nur wieder mitzubringen. Gelesen sollte er sein, und bestenfalls noch bunt mit Textmarkern bearbeitet.

In der Erstigruppe von letztem Jahr, in der theoretisch nur Drittsemester wie ich sein sollten, geht es allerdings immer noch schlimmer. Die zahlreichen Fragen nach den E-Mail-Adressen von Dozenten (die sowohl auf der Uni-Website als auch im HISLSF, dem Online-Portal der Heinrich-Heine-Universität, leicht zu finden sind) kann man vielleicht noch damit entschuldigen, dass der eine oder andere Prof seine private E-Mail-Adresse herausgegeben hat, da er den Uni-Account nur selten frequentiert. Auch dass man vielleicht überliest, dass Anmeldungsfristen um Mitternacht beginnen und 24 Stunden später enden, wenn nicht anders angegeben, kann man vielleicht noch nachvollziehen. Dann aber gab es einen Post, der mich als geduldige Ersti-Tutorin, die auch ihren Kommilitonen im dritten Semester gerne noch Antworten gibt, schockierte.

Es begann mit der Frage, wo denn dieses oder jenes Seminar um diese und diese Uhrzeit standfände. Außer dem netten Studenten, der trocken „in der Uni“ antwortete, half ein anderer Kommilitone aus: „Gebäude 23.32 in dem und dem Raum“. Als nun eine andere Studentin fragte, wo denn dieses ominöse Gebäude 23.32 zu finden sei, zweifelte ich ernstlich an meiner Lesefähigkeit. Hat sie das tatsächlich geschrieben? Man muss dazu vielleicht sagen, dass man sich auf unserem Campus ganz gut zurechtfindet. 23 steht für die philosophische Fakultät, 32 für den Gebäudeteil, der am zentralsten Teil des Campus‘ liegt, dick und fett mit großen Zahlen auf dem Gebäude erkennbar ist, und den man nicht verfehlen kann – vor allem nicht, wenn man bereits seit einem Jahr hier studiert.

Wenn ich solche Beiträge lese, frage ich mich jedes Mal, wie man so unselbstständig sein kann. Wenn man eine Frage hat, sollte man doch zuerst versuchen, sich selbst zu helfen. Selbstständigkeit ist doch auch eine Qualifikation, die man an der Uni lernen sollte.

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