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100 erste Tage an der Uni

Vom Mitfahren

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

18.08.2015

Beim ersten Blick auf die Preisliste der Deutschen Bahn erschrak ich ganz schön. Fuhr ich in Tschechien noch für 30 Euro durch die ganze Republik und zurück nach Prag – erster Klasse versteht sich – wollte nun die Deutsche Bahn Unmengen an Geld für meine Reisekette, die da lautete: Kühlungsborn/Ostseestrand (Familienurlaub) – Frankfurt a. M. (Zwischenübernachtung) – Heidenheim a. d. Brenz (FSJ Abschlussseminar vom Deutschen Roten Kreuz) – Halle an der Saale (Home, sweet home). Also suchte ich nach Alternativen und wurde bei einer Mitfahrzentrale fündig. Also los, dachte ich mir, das probierst du mal aus!

Mein Fahrer kommt fast pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt an der Autobahnauffahrt Wismar Mitte. Er heißt Daniel und muss erstmal eine rauchen. Laut seinem Profil ist er jung und festivalbegeistert. Kommt hin. 30 Kröten nimmt er für die Wismar-Frankfurt-Tour – da kann man nichts sagen! Der Beifahrersitz und der Platz hinten rechts sind schon belegt. An der Windschutzscheibe klebt das iPhone, zeigt den Weg und spielt allerheftigsten Deutsch-Rap über das Autoradio ab. Ich nehme Platz. Man unterhält sich halbwegs locker. Der silbergraue Škoda Octavia, sagt Daniel, ist nun schon 13 Jahre alt. Sein altes Auto hatte er loswerden müssen, denn dort hatte es reingeschneit.

Wir fahren den Hamburger Bahnhof an. Mitfahrerwechsel. Zwei junge Damen ersetzen die anderen beiden und schnurstracks geht es wieder auf die Autobahn und in den ersten von unzählbar vielen folgenden Staus. Daniels Fahrweise lässt sich am besten mit „jugendlich“ beschreiben. Er benutzt Schimpfwörter und schüttelt permanent den Kopf. Dennoch fühle ich mich erstaunlich wohl.

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