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100 erste Tage an der Uni

Vermöbeln

Nachdem Wohnung und Mitbewohner gefunden sind, steht nun das nächste Kapitel meines Auszugs an: das Vermöbeln. Ohne blaue Flecken, versteht sich. Als ich nach Prag ging, war das alles kein Problem: Ich habe meinen riesigen Koffer gepackt, noch eine Tasche und einen Rucksack dazu und bin in ein möbliertes Zimmer im Altersheim gezogen. Nun ziehe ich demnächst in eine komplett leere Wohnung, und muss dafür sorgen, dass sie mit Möbeln gefüllt wird. Ich blättere also durch einschlägige Möbelprospekte. „Joxtorp“ klingt nicht schlecht! „Mulig“ und „Hejne“ könnte ich auch gebrauchen. Es scheint, als würde ich neben Tschechisch auch noch ein wenig Schwedisch lernen. Auf einem Flohmarkt sitze ich Hocker probe und frage, wieviel denn das Silber-Besteck kosten würde. Schlussendlich erstehe ich aber doch nur einen todschicken Emaille-Eimer, für den ich erfolgreich gehandelt habe.

Da ich das kleinste Zimmer in meiner WG abbekommen habe, kam mir nun die Idee, den Wohnraum künstlich zu vergrößern. Das ist eigentlich ganz einfach: Das Schlafen wird ausgelagert. Und zwar nach oben! Ich lege mir also ein gebrauchtes Hochbett zu. Um die ganze Möblierung finanzieren zu können, jobbe ich nun wieder in „meinem“ Altersheim, in dem ich vor einem Jahr das vorbereitende Praktikum für mein FSJ absolviert habe. Die Pflege ist und bleibt zwar auf Dauer nichts für mich – für ein paar Stunden Schnitten-Schmieren in der Spätschicht bin ich aber definitiv immer noch zu haben.

Seit Neuestem tun sich mir nun auch unzählige Wege auf, noch günstiger – nämlich für kostenlos – an Möbel zu kommen. Das scheinbar größte Problem, die Küche, haben wir schon gelöst. Wir haben über Kontakte sogar schon zwei Küchen zur Auswahl – umsonst! Wenn ich jetzt mit dem Rad durch Halle fahre, sehe ich auf einmal überall Sperrmüllberge, die nur darauf warten, in Kombis verladen und sichergestellt zu werden. Und diese Möbel haben zudem einen besonderen Charakter, den man nirgends anders kaufen kann.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Sep 22, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Sep 22, 2015

100 erste Tage an der Uni

Wohnungssuche

Wenn man ein Studium in einer anderen Stadt beginnt, steht man früher oder später vor der Frage, wo man denn eigentlich wohnen will. Da ich kein allzu großer Freund von Wohnheimen bin und auch das Pendeln für mich nicht infrage kommt, beschloss ich, mit einer Freundin aus Schulzeiten, die ebenfalls nach Leipzig geht, eine WG zu gründen. Soweit, so gut.

Heutzutage nach einer Wohnung zu suchen, ist eigentlich wirklich kein Problem. Man macht den Computer an, stöbert auf den einschlägigen Seiten umher, verschickt ein paar E-Mails und schon hat man die ersten Besichtigungstermine im Kalender stehen. Doch schlussendlich war die Wohnung, die wir zunächst für den absoluten Hit hielten, gar nicht so toll: Das dritte Zimmer war viel zu klein, der Stil passte gar nicht und der Markler übergoss uns die ganze Zeit mit seinen schleimigen Gedanken über die Schönheit Leipzigs und der Architektur „Osteuropas“ und der „Tschechoslowakei“. Das ging gar nicht!

Unsere Traumwohnung haben wir nun auf ganz einfachem Wege gefunden: per Mund-zu-Mund-Propaganda. Wie altmodisch ist das denn? Meine zukünftige Mitbewohnerin kannte jemanden, der jemanden kannte, der wiederum jemanden kannte, der von seinem Vermieter hörte, dass in seinem Haus gerade eine Wohnung frei ist. Lage, Ausstattung und die Atmosphäre sind perfekt, ein schönes 30er-Jahre Haus – natürlich mit Balkon. Nur die Miete müssen wir noch ein bisschen drücken. Und einen Mitbewohner finden!

Und das ist gar nicht mal so einfach. Eine Anfrage auf „WG-Gesucht“ mit netten Texten und ein paar Bildern einzustellen, ist noch nicht das Problem. Das Problem ist die Bewältigung des darauf folgenden E-Mail-Ansturms. Die Leute kommen von überall aus der Bundesrepublik und ihre Geschichten klingen alle so spannend! Ich will sie am liebsten alle kennenlernen und mit allen gemeinsam wohnen! Aber das geht natürlich nicht, wir wollen schließlich eine WG und kein Hotel starten! Aber ich mir sicher: Wir werden den oder die Richtige/n noch finden und eine super WG haben! Nach dem Abenteuer Prag beginnt nun also das nächste Kapitel „Raus von Zuhaus“. Leipzig, ich komme!

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 31, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 31, 2015

100 erste Tage an der Uni

Vom Mitfahren (Teil 2)

Munter fahren wir weiter und kommen gut voran. Irgendwann, vielleicht eine Stunde nach Hamburg, vielleicht zwei: Die Fotografin neben mir schläft, die Medizinstudentin vor mir liest ihren London-Reiseführer. Klingeln Fotografinnentelefon. Sie ist sofort hellwach. „Was? Feuerwehr!? Oh Gott! Polizei!? Kann nicht einmal alles gut gehen! Herd! Was hat der nur wieder gemacht!?“ In ihrer Wohnung hatte es wohl ein wenig geraucht und die Nachbarn haben die Polizei gerufen. Sie nimmt es mit Humor. Die Feuerwehr wäre schon drinnen gewesen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Nun sind sie alle wieder hellwach. Wir fahren den Parkplatz mit dem schönen Namen „Am Bierberg“ zu einer Pause an, bevor sich Daniel wieder mit Kupplung und Gas in den Kampf mit den Staus wirft. Gegen 19 Uhr laufen wir in Frankfurt ein. Wir werden am Bahnhof rausgeschmissen und verabschiedet mit den Worten „Bis bald vielleicht mal wieder!“ Bis bald, Daniel!

Die anderen beiden Fahrten lege ich dennoch wieder mit dem Zug zurück. Nicht, weil mir das Mitfahren keinen Spaß gemacht hätte, sondern weil einfach keiner auf meinen Strecken fährt. Oder weil mein Koffer zu groß für einen Renault-Clio-Kofferraum gehalten wird. So fahre ich eben mit der Bahn, strande kurzzeitig wegen Verspätungen und Klimaanlagenausfällen auf der Hinreise nach Heidenheim in Ulm und auf der Abreise nach Halle in Nürnberg. Doch das stört mich weniger, als im Stau zu stehen. Ich entdecke beim Umsteigen spätabends in Naumburg einen grandiosen, neuen Dönerladen mit dem Namen „Express Pizza“ und dem Slogan „Italienische, Griechische, Indische, Thailändische und Internationale Spezialitäten“ und im Ersatzzug lerne ich einen Australier kennen, der gerade eine Europatour macht. Und durch das Ausfüllen des Fahrgastrechteformulars kriege ich später sogar 50 Prozent vom Kaufpreis zurück – ein richtiges Schnäppchen sozusagen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 25, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 25, 2015