Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

100 erste Tage an der Uni

Ein Sofa auf dem Balkon

Was für ein tolles Gefühl. Die letzten Kisten sind die Treppen hochgewuchtet, wir winken den Umzugshelfern hinterher und essen Pizza. Es ist der erste Abend in unserer Wohnung. Das fühlt sich komisch an. Seit diesem ersten WG-Abend hat sich schon wieder einiges geändert. Mein Hochbett ist nach viel Frust und Arbeit sicher in der Wand verplombt. Dübel dafür im Baumarkt zu kaufen, war ein Erlebnis. Wie lange war ich wohl nicht mehr in einem Baumarkt? Zwei Jahre? Drei? Oder doch fünf? Der Rest meiner Möbel – das sind derzeit noch nicht sehr viele – ist mittlerweile auch aufgebaut. Insgesamt wirkt die Bude mit jedem Tag wohnlicher – freilich auch und eigentlich vor allem dank der Hilfe von Familienmitgliedern, die handwerklich begabter sind als meine Mitbewohner und ich. Seit Neuestem steht so nun auch endlich unsere Küche. Und auch die Waschmaschine ist angeschlossen.

Auf der Pirsch nach günstigen und schönen Möbeln verschlug es uns zuletzt auf einen der zahlreichen Leipziger Flohmärkte. Dort haben wir so viel gekauft, dass nicht einmal alles in unser Auto passte. Als wir am Abend noch einmal hin fuhren, um eine Küchenbank nachzuholen, bat man uns, auch das danebenstehende Sofa mit einzuladen. Ein geschenktes Sofa, das man uns am Mittag noch für 170 Euro verkaufen wollte, nehmen wir natürlich gern. Das gute Stück hat nun seinen Platz auf dem Balkon gefunden.

So ein Umzug ist schon aufregend und das, obwohl doch eigentlich gar nicht so viel passiert. In meinen ersten Tagen in Leipzig habe ich die Straße, in der wir wohnen, nicht einmal verlassen. Nur zum Supermarkt habe ich es noch geschafft. Ansonsten verbrauchte ich meine Tage mit putzen, dem Hin- und Herschieben von Möbeln und der Suche nach irgendwelchen Dingen, die im Chaos verschwunden sind.

Mittlerweile habe ich es zumindest einmal in die berühmte Karl-Liebknecht-Straße geschafft, die für ihre unzähligen Kneipen und Restaurants berühmt ist. Dass ich Leipzig noch kaum kennenlernen konnte, macht mir eigentlich nichts aus. Ich weiß ja, dass ich noch ganz viel Zeit habe, um die Stadt zu erkunden. Dass ich irgendwann einen noch schnelleren Weg mit dem Rad ins Zentrum finden und die Straßenbahnlinien auswendig kennen werde. Und ich weiß, dass es eine gute Zeit wird.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Oct 12, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Oct 12, 2015

100 erste Tage an der Uni

Per Anhalter nach Bayern

Da die Zeit bis zum Studienstart an sich gerade nicht so spannend ist, bin ich gerade ziemlich viel in Deutschland unterwegs. Nach meiner Rückkehr aus Tschechien, habe ich nun viel mehr Interesse daran, auch mein eigenes Land besser kennenzulernen und zu bereisen.

So trieb es mich in der letzten Zeit in Frankfurter Kunstmuseen und in hessische Fachwerkhausstraßenzüge auf dem Lande. Auch in Magdeburg habe ich jüngst Freunde besucht. Letztes Wochenende verschlug es mich nach Unterfranken in eine kleine Ortschaft in der Nähe von Würzburg, wo auf einer alten Mühle ein Wiedersehen mit den lieben Freunden aus Tschechien stattfand. Ich entschied ich mich dieses Mal dazu, gemeinsam mit meiner zukünftigen WG-Mitbewohnerin per Anhalter zu fahren.

Und das klappte in der Tat richtig gut! Um 9.30 Uhr legten wir in Halle ab und hatten dabei sehr spannende Fahrer! Eine Fernstudentin zum Beispiel, die einen Bürojob hat, aber nebenbei noch Erziehungswissenschaften und Psychologie studiert. Ein angehender Berufssoldat erzählte uns von seiner Ausbildung und seiner Einstellung zum Militär, die sich von der unsrigen doch unterscheidet. Als uns eine Frau mit tschechischen Wurzeln ein paar Kilometer mitnahm, konnte ich sogar meine Tschechisch-Kenntnisse anwenden. Nach fünfeinhalb Stunden betraten wir schließlich Würzburger Boden. Auf den Rat unserer letzten Fahrerin hin besuchten wir zunächst die Alte Main Brücke. Als wir nach dem Weg fragten, schien es mir, als würden in Würzburg nur Russen leben, doch dann zeigte sich, dass das gerollte "R" einfach nur ein fester Bestandteil des fränkischen Dialekts ist.

Nachdem wir zwei Abende gesungen, getrunken, geredet, gelacht, geweint haben, ging es am Sonntag wieder zurück. Wir warteten keine zwei Minuten, bis uns eine dreiköpfige Familie in ihrem Kombi mitnahm. Später standen wir aber auf einmal mitten auf der Autobahn. Man zeigte uns Vögel, hupte uns zu, aber manche lächelten auch. Wir zerknüllten unser "Erfurt"-Schild und schrieben in großen Buchstaben "WEG HIER!" auf das Schild. Nach elenden 45 Minuten schließlich hielt ein VW Bus, der extra die nächste Abfahrt genommen hat und noch einmal zurückgefahren war, um uns einzusammeln. Wir waren sehr erleichtert und froh, als wir auf einmal direkt an unserem Wunschziel, mitten in Halle, ankamen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Oct 5, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Oct 5, 2015

100 erste Tage an der Uni

Vermöbeln

Nachdem Wohnung und Mitbewohner gefunden sind, steht nun das nächste Kapitel meines Auszugs an: das Vermöbeln. Ohne blaue Flecken, versteht sich. Als ich nach Prag ging, war das alles kein Problem: Ich habe meinen riesigen Koffer gepackt, noch eine Tasche und einen Rucksack dazu und bin in ein möbliertes Zimmer im Altersheim gezogen. Nun ziehe ich demnächst in eine komplett leere Wohnung, und muss dafür sorgen, dass sie mit Möbeln gefüllt wird. Ich blättere also durch einschlägige Möbelprospekte. „Joxtorp“ klingt nicht schlecht! „Mulig“ und „Hejne“ könnte ich auch gebrauchen. Es scheint, als würde ich neben Tschechisch auch noch ein wenig Schwedisch lernen. Auf einem Flohmarkt sitze ich Hocker probe und frage, wieviel denn das Silber-Besteck kosten würde. Schlussendlich erstehe ich aber doch nur einen todschicken Emaille-Eimer, für den ich erfolgreich gehandelt habe.

Da ich das kleinste Zimmer in meiner WG abbekommen habe, kam mir nun die Idee, den Wohnraum künstlich zu vergrößern. Das ist eigentlich ganz einfach: Das Schlafen wird ausgelagert. Und zwar nach oben! Ich lege mir also ein gebrauchtes Hochbett zu. Um die ganze Möblierung finanzieren zu können, jobbe ich nun wieder in „meinem“ Altersheim, in dem ich vor einem Jahr das vorbereitende Praktikum für mein FSJ absolviert habe. Die Pflege ist und bleibt zwar auf Dauer nichts für mich – für ein paar Stunden Schnitten-Schmieren in der Spätschicht bin ich aber definitiv immer noch zu haben.

Seit Neuestem tun sich mir nun auch unzählige Wege auf, noch günstiger – nämlich für kostenlos – an Möbel zu kommen. Das scheinbar größte Problem, die Küche, haben wir schon gelöst. Wir haben über Kontakte sogar schon zwei Küchen zur Auswahl – umsonst! Wenn ich jetzt mit dem Rad durch Halle fahre, sehe ich auf einmal überall Sperrmüllberge, die nur darauf warten, in Kombis verladen und sichergestellt zu werden. Und diese Möbel haben zudem einen besonderen Charakter, den man nirgends anders kaufen kann.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Sep 22, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Sep 22, 2015