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100 erste Tage an der Uni

"Willkommen an der Uni Leipzig"

Es war ein Montag. Mein Wecker klingelte. Ich weiß nicht mehr wann, aber auf jeden Fall viel zu früh. Ich schwang mich unter die Dusche, dann in die WG-Küche und dann auf mein Rad, um schlussendlich im Audimax zu landen. Ferdinand H. hat es tatsächlich in einen Hörsaal geschafft. Vorne erzählte ein junger Mann, wie die Fakultäten aufgebaut sind, was Leistungspunkte sind, und wie die Organisation funktioniert. Am frühen Nachmittag hörte ich mir noch die Einführung zur WLAN- und Bibliotheksbenutzung an.

Am nächsten Tag klingelte mein Wecker nicht ganz so früh. Nein, er klingelte so spät, dass ich zur Einführung der Westslawistiker, völlig verschwitzt und hechelnd, 15 Minuten zu spät hereinpolterte. Um mich herum saßen die Dozenten und meine Kommilitonen – auch wenn es von letzteren nicht so viele gibt. Nach der Vorstellungsrunde und dem gemeinsamen Durchgehen des Studienverlaufsplans war die Veranstaltung zu Ende. Und damit der offizielle Part meiner Einführungswoche.

In Leipzig gibt es seit einigen Jahren zusätzlich noch eine alternative Einführungswoche. Die Veranstaltungen tragen Namen wie „Weg mit dem Geld – Marx Grundgedanke zu einer neuen Gesellschaft“ oder „Wieso brauchen wir plurale Ökonomie?“ Ich entschied mich dazu, an einer Fahrradtour durch das alternative Leipzig teilzunehmen. Und ich war nicht der Einzige. In einer Traube von ungefähr 100 Erstsemestern brachten wir den Stadtverkehr teilweise kurzzeitig zum Erliegen. Wir besuchten einen Nachbarschaftsgarten, ein Hausprojekt und zu guter Letzt einen Platz für alternatives Wohnen. Das ist schon alles ganz spannend, aber ich denke, ich muss mich an das Leben in Leipzig erst noch gewöhnen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Oct 20, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Oct 20, 2015

100 erste Tage an der Uni

Ein Sofa auf dem Balkon

Was für ein tolles Gefühl. Die letzten Kisten sind die Treppen hochgewuchtet, wir winken den Umzugshelfern hinterher und essen Pizza. Es ist der erste Abend in unserer Wohnung. Das fühlt sich komisch an. Seit diesem ersten WG-Abend hat sich schon wieder einiges geändert. Mein Hochbett ist nach viel Frust und Arbeit sicher in der Wand verplombt. Dübel dafür im Baumarkt zu kaufen, war ein Erlebnis. Wie lange war ich wohl nicht mehr in einem Baumarkt? Zwei Jahre? Drei? Oder doch fünf? Der Rest meiner Möbel – das sind derzeit noch nicht sehr viele – ist mittlerweile auch aufgebaut. Insgesamt wirkt die Bude mit jedem Tag wohnlicher – freilich auch und eigentlich vor allem dank der Hilfe von Familienmitgliedern, die handwerklich begabter sind als meine Mitbewohner und ich. Seit Neuestem steht so nun auch endlich unsere Küche. Und auch die Waschmaschine ist angeschlossen.

Auf der Pirsch nach günstigen und schönen Möbeln verschlug es uns zuletzt auf einen der zahlreichen Leipziger Flohmärkte. Dort haben wir so viel gekauft, dass nicht einmal alles in unser Auto passte. Als wir am Abend noch einmal hin fuhren, um eine Küchenbank nachzuholen, bat man uns, auch das danebenstehende Sofa mit einzuladen. Ein geschenktes Sofa, das man uns am Mittag noch für 170 Euro verkaufen wollte, nehmen wir natürlich gern. Das gute Stück hat nun seinen Platz auf dem Balkon gefunden.

So ein Umzug ist schon aufregend und das, obwohl doch eigentlich gar nicht so viel passiert. In meinen ersten Tagen in Leipzig habe ich die Straße, in der wir wohnen, nicht einmal verlassen. Nur zum Supermarkt habe ich es noch geschafft. Ansonsten verbrauchte ich meine Tage mit putzen, dem Hin- und Herschieben von Möbeln und der Suche nach irgendwelchen Dingen, die im Chaos verschwunden sind.

Mittlerweile habe ich es zumindest einmal in die berühmte Karl-Liebknecht-Straße geschafft, die für ihre unzähligen Kneipen und Restaurants berühmt ist. Dass ich Leipzig noch kaum kennenlernen konnte, macht mir eigentlich nichts aus. Ich weiß ja, dass ich noch ganz viel Zeit habe, um die Stadt zu erkunden. Dass ich irgendwann einen noch schnelleren Weg mit dem Rad ins Zentrum finden und die Straßenbahnlinien auswendig kennen werde. Und ich weiß, dass es eine gute Zeit wird.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Oct 12, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Oct 12, 2015

100 erste Tage an der Uni

Per Anhalter nach Bayern

Da die Zeit bis zum Studienstart an sich gerade nicht so spannend ist, bin ich gerade ziemlich viel in Deutschland unterwegs. Nach meiner Rückkehr aus Tschechien, habe ich nun viel mehr Interesse daran, auch mein eigenes Land besser kennenzulernen und zu bereisen.

So trieb es mich in der letzten Zeit in Frankfurter Kunstmuseen und in hessische Fachwerkhausstraßenzüge auf dem Lande. Auch in Magdeburg habe ich jüngst Freunde besucht. Letztes Wochenende verschlug es mich nach Unterfranken in eine kleine Ortschaft in der Nähe von Würzburg, wo auf einer alten Mühle ein Wiedersehen mit den lieben Freunden aus Tschechien stattfand. Ich entschied ich mich dieses Mal dazu, gemeinsam mit meiner zukünftigen WG-Mitbewohnerin per Anhalter zu fahren.

Und das klappte in der Tat richtig gut! Um 9.30 Uhr legten wir in Halle ab und hatten dabei sehr spannende Fahrer! Eine Fernstudentin zum Beispiel, die einen Bürojob hat, aber nebenbei noch Erziehungswissenschaften und Psychologie studiert. Ein angehender Berufssoldat erzählte uns von seiner Ausbildung und seiner Einstellung zum Militär, die sich von der unsrigen doch unterscheidet. Als uns eine Frau mit tschechischen Wurzeln ein paar Kilometer mitnahm, konnte ich sogar meine Tschechisch-Kenntnisse anwenden. Nach fünfeinhalb Stunden betraten wir schließlich Würzburger Boden. Auf den Rat unserer letzten Fahrerin hin besuchten wir zunächst die Alte Main Brücke. Als wir nach dem Weg fragten, schien es mir, als würden in Würzburg nur Russen leben, doch dann zeigte sich, dass das gerollte "R" einfach nur ein fester Bestandteil des fränkischen Dialekts ist.

Nachdem wir zwei Abende gesungen, getrunken, geredet, gelacht, geweint haben, ging es am Sonntag wieder zurück. Wir warteten keine zwei Minuten, bis uns eine dreiköpfige Familie in ihrem Kombi mitnahm. Später standen wir aber auf einmal mitten auf der Autobahn. Man zeigte uns Vögel, hupte uns zu, aber manche lächelten auch. Wir zerknüllten unser "Erfurt"-Schild und schrieben in großen Buchstaben "WEG HIER!" auf das Schild. Nach elenden 45 Minuten schließlich hielt ein VW Bus, der extra die nächste Abfahrt genommen hat und noch einmal zurückgefahren war, um uns einzusammeln. Wir waren sehr erleichtert und froh, als wir auf einmal direkt an unserem Wunschziel, mitten in Halle, ankamen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Oct 5, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Oct 5, 2015