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100 erste Tage an der Uni

Ahoj again

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

31.10.2015

Es war ein schöner melancholischer Herbsttag und ich war wieder auf dem Weg in die Tschechische Republik. Es lässt mich einfach nicht mehr los: Dieses Land, diese Menschen und diese Erlebnisse dort.

Beim Umstieg auf dem Dresdner Hauptbahnhof traf ich einen alten Freund aus Pilsener Tagen. Auch er war bei der neunten Amtszeit des Deutsch-tschechischen Jugendforums dabei. Das JuFo ist der jüngere Ableger des Deutsch-tschechischen Gesprächsforms, einem recht wichtigen politischen Organ für die Beziehung der beiden Länder. 15 junge Menschen aus Tschechien und 15 aus Deutschland arbeiten zwei Jahre lang an einem Oberthema. Sie tauschen sich aus, organisieren Projekte und präsentieren schließlich ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit. Das Oberthema für diese Amtszeit lautet: Wo ist mein zuhause.

In Zubrnice, einem 300 Einwohner zählenden, böhmischen Dorf, trafen wir nun das erste Mal alle aufeinander. Tschechen mit vietnamesischen Wurzeln, die 19 Stunden lang aus Saarbrücken angereist waren, Bilinguale, Bayern, die noch nie etwas mit Tschechien zu tun hatten, Prager, die Germanistik studierten. Und auch frisch gebackene Leipziger, die ein Jahr lang in Tschechien lebten und nun Westslawistik studieren.

Es war ein bisschen wie auf einer großen Familienfeier, wo man die anderen an der Tafel nicht kennt, aber sich dennoch mit ihnen verbunden fühlt. Sechsmal am Tag gingen wir zusammen essen: Zum Frühstück, zum Vormittagskaffe, zum Mittagessen, zum Nachmittagstee, zum Abendbrot und zum Feierabendtrunk. Die Dorfgemeinschaft war aufgeregt und fragte sich, warum so viele junge Menschen ständig durch ihr Dorf wanderten. Zwischen den Kneipenbesuchen diskutierten wir, machten uns Gedanken, genossen den Anblick des Herbstwaldes mit den Nebelschwaden aus der Ferne, lernten die Namen der anderen und hörten uns eine Rede vom tschechischen Generalkonsul in Dresden oder einen Vortrag von Jaroslav Sonka an, einem bekannten tschechischen Politologen und Publizisten.

Als wir am Sonntag schließlich alle wieder in die verschiedensten Himmelsrichtungen zurückreisen mussten, war doch ein bisschen Melancholie dabei. Doch dazu gab es gar keinen Anlass, denn wir wussten alle, dass wir uns schon sehr bald auf dem nächsten Plenartreffen wiedersehen werden.

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