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100 erste Tage an der Uni

Sprichst du cojc?

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

10.11.2015

Studieren ist schön und gut. Dennoch nimmt mein Reisetrieb nicht ab und so ich nutze ich immer gerne jede Chance, mir das Wissen von Seminaren wie „Kulturstudien Böhmischer Länder“ und „Tschechische Phonetik I“ ganz praktisch selbst zu erarbeiten. Jüngst trieb es mich also wieder einmal zu einem deutsch-tschechischen Abenteuer auf der anderen Seite der Grenze – zur Cojclandska Konferenz 2015!

Das Theaternetzwerk „cojc“, wurde vom Theaterpädagogischen Institut Bayern „DAS Ei“ und dem tschechischen Kulturverein „A BASTA!“ ins Leben gerufen, und betreibt seit dem Jahr 2002 Jugendarbeit – vor allem im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet. Mit einem ganz besonderen Mittel: „Mit divadlem theater hýbat grenzen hranicemi bewegen“, lautet der Slogan. Bei den Projekten des Theaternetzwerks bekommt Sprache eine ganz neue Bedeutung, denn auf der Bühne wird nicht Deutsch oder Tschechisch gesprochen, sondern cojc (sprich: „tscheutsch“, ein Wortspiel aus „cesky“ und „deutsch“). Es geht weniger um Grammatik und Rechtschreibung, sondern vielmehr um Spaß. Und das klappt meistens ziemlich gut! Schon im Mai hatte ich an einem Projekt teilgenommen. Beim „magnet“ erarbeiteten 50 junge Tschechen und 50 junge Deutsche ein gemeinsames Theaterstück und brachten es in Pilsen, der europäischen Kulturhauptstadt 2015, zur Aufführung.

Außerdem organisiert das Theaternetzwerk noch viele weitere Projekte. Beim „CheckCzech!“, einem Sprachkurs für Deutsche, die die Sprache der r's, c's und z's lernen wollen, konnte ich meine Tschechischkenntnisse voranbringen, im „Zug der Kultur“ von Regensburg nach Prag wurden die Fahrgäste, ohne es zu merken, Zuschauer von verstecktem Theater und außerdem werden Fortbildungen für Lehrer und Pädagogen organisiert.

Die Cojclandska Konferenz fand in As statt, einem kleinen, böhmischen Dorf nahe der bayerischen Grenze. Zunächst gab es einen Workshop zur Sprachvermittlung. Wie kann man eine Sprache lehren, so dass es allen Spaß macht? Durch das Theater natürlich! Den Rest des Wochenendes ging es vor allem darum, die Ziele des Theatervereins für 2016 zu definieren und Projekte für eine Sommerakademie im August zu gestalten, was anstrengend war, aber freilich auch Spaß machte.

Am Sonntag, nach vielen schönen Momenten mit lieben Menschen, brachte mich die Vogtlandbahn wieder zurück nach Hause. Auf meiner Fahrt begegnete ich vielen graubehaarten, deutschen Rentnern, die wohl zum sonntäglichen Heilwasser trinken den Ort Franzensbad besuchten oder auf Wandertour waren. Ihre Parfumwolken brannten in meiner Nase, aber der draußen vorbeirauschende Herbstwald im Abendlicht machte das wieder wett. Deutschland? Tschechien? Wo bin ich eigentlich gerade?

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