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100 erste Tage an der Uni

Fahrradfahren

„I want to ride my bicycle, I want to ride my bike. I want to ride my bicycle, I want to ride it where I like“, sangen Queen 1978 in „Bicycle Race“ und nichts drückt wohl besser aus, was in Leipzig fahrradtechnisch abgeht.

Fahrradfahren ist in! Ja, und auch ich gehöre zu denen, die ihr Fahrrad lieben. Mit meinem chiliroten Damentrekkingrad mache ich die Stadt unsicher. Das Rad ist für die Leipziger aus verschiedenen Gründen das Transportmittel der ersten Wahl:

  1. Fahrradfahren ist flexibel! Auf die Tram muss man warten, mit dem Rad hingegen kann man losfahren, wann man will. Und wenn spätabends am Wochenende gerade kein Nachtbus fährt, ist das Fahrrad ein treuer Begleiter.
  2. Fahrradfahren ist abwechslungsreich! Heute mal keine Lust auf die stets selbe Route zur Uni? Bisher unentdeckte Parks, Parallelstraßen und Stadtviertel warten!
  3. Fahrradfahren ist schnell! Mit dem Fahrrad ist man in Leipzig in den meisten Fällen schneller als mit der Straßenbahn oder dem Auto. Wenn man sich an der roten Ampel an den glänzenden Karossen vorbei nach vorne schlängelt, ist das jedes Mal ein kleines Glücksgefühl. Außerdem kommt man mit dem Fahrrad dorthin, wo man mit dem Auto nicht hinkann oder -darf. Zudem entfallen die Parkplatzsuche oder der Weg von der Haltestelle zum Zielpunkt – mit dem Fahrrad kann man seine Destination direkt ansteuern.
  4. Fahrradfahren macht wach! Wenn man morgens allzu harsch vom Wecker geweckt wird und einen nichts so recht in die Uni zieht, ist das Rad genau das Richtige. Man bewegt sich, ist an der frischen Luft und irgendwann fangen die meisten unweigerlich an, ein Guten-Morgen-Liedchen zu singen. Kommt man dann an der Uni an, ist man wach und bereit für den Tag.
  5. Leipzig ist fahrradfreundlich! Es ist eine wahre Freude, in so einer Stadt zu radeln. Statt Radwegen gibt es überall in der Stadt Radfahrerstreifen auf den Straßen. Man fährt mit den Autos (denen also ein wenig Platz weggenommen wird) auf einer Fahrbahn und ist dank des guten Asphalts und der Verkehrsführung ziemlich schnell unterwegs.

Durch die Menge an Fahrrädern gibt es am Campus nun auch schon kuriose Auswüchse: Meine Universität bietet zwei riesige Fahrradgaragen an, da die Räder sonst die umliegenden Straßen verstopfen würden. Dort stehen die Studentenschätze regengeschützt und – so zumindest das Gefühl – auch halbwegs sicher vor Fahrraddieben. Denn die gibt es leider auch in Leipzig.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Dec 2, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Dec 2, 2015

100 erste Tage an der Uni

Debattenkultur

Langsam kehrt Routine ein. Unter der Woche lebt es sich hervorragend auf Sparflamme – hauptsächlich in Unigebäude und Mensa. Am Wochenende miete ich mich immer noch regelmäßig im Hotel Mama ein. Es ist immer wieder ein gutes Gefühl, am Freitag den letzten fünf Minuten der Physik-Vorlesung den Rücken zu kehren, um den ersten Zug zurück in die Heimat zu erwischen.

Das letzte dieser Wochenenden wurde leider überschattet von den Anschlägen in Paris. Kaum war ich zuhause, gab es fast minütlich neue Eilmeldungen – der Schreck sitzt unverhältnismäßig tief. Verschwörungstheorien über Bombenbau in den Kellern der Universität, bewaffnete Polizisten in den Aachener Straßen und die Omnipräsenz des Themas in ganz normalen Gesprächen bringen das Gefühl, das wohl aktuell in Paris herrschen muss, ein kleines unangenehmes Stück weit auch in meinen Alltag. Unter meinen Kollegen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr, die das letztes Jahr wie ich in Frankreich, teilweise sogar in Paris verbracht haben, herrscht plötzlich eine komische, schockierte, sogar leicht aggressive Stimmung. Die meisten von uns hatten das Gefühl nach den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ noch gut in Erinnerung, einige waren sogar damals in Paris. Nachdem wir uns versichert hatten, dass es unseren gemeinsamen Bekannten in Paris gut geht, entstand eine unangenehme Stille in der Gruppe, die selbst einige Tage später niemand gebrochen hat. Irgendwie wussten wir alle nicht, was wir uns dazu gegenseitig zu sagen hatten. Ich hatte das Gefühl, dass sich niemand traute, etwas loszuwerden, um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, etwas Unangemessenes zu sagen. Ich denke, diese Angst kam daher, weil wir wussten, welch persönlichen Bezug einige von uns zu den Anschlägen in Paris hatten.

Mein Freundeskreis in der Heimat ging mit den Ereignissen in Paris viel forscher um. Wir diskutierten weniger über die Aussagen hochrangiger Politiker, sondern sprachen über die Motivation der Anschläge, die Reaktion Frankreichs und verschiedene Optionen, wie mit einer Terrororganisation umzugehen sei. In diesen Gesprächen wurde mir bewusst, wie wertvoll es ist, von einer guten Debattenkultur profitieren zu können. Ich habe dank meiner Eltern und Freunde nicht nur gelernt, mich ganz passabel auszudrücken, sondern konnte immer schon von meinungsbildenden und konstruktiven Diskussionen lernen.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Dec 1, 2015
Autor: Katha
Rubrik: studium
Dec 1, 2015

100 erste Tage an der Uni

So ein Theater!

Nachdem ich nun ein Jahr in Tschechien gelebt und dort kein Theater gespielt habe, zog es mich in den ersten Wochen in Leipzig wieder einmal auf die Bühne.

Schon vor dem Abitur spielte ich in meiner Heimatstadt im Jugendclub des städtischen Theaters – was eine super Erfahrung war, nun war ich auf der Suche nach einer Truppe in Leipzig.

Fündig wurde ich im Kalender einer Kommilitonin, in den ich heimlich hinein linste, als sie etwas eintrug. Unter Dienstag stand dort „Theater“! Nachgefragt, nachgehakt – nun fahren wir immer dienstags nach dem letzten Seminar zusammen mit den Rädern zum Studententheaterclub des Theaters der Jungen Welt.

Das Theater der Jungen Welt ist ein ziemlich großes Kinder- und Jugendtheater in der Stadt. Es wurde 1946 als erstes professionelles Theater für junge Menschen in Deutschland gegründet. Im Dienstagsclub, der von einer Schauspielerin geleitet wird, sind wir ungefähr 40 junge Teilnehmer. Sich alle Namen zu merken, ist also eine ganz schöne Herausforderung. Wir studieren die verschiedensten Fächer (na gut, die Geisteswissenschaften überwiegen schon recht deutlich), doch eines verbindet uns: die Liebe zum Theater spielen.

Sich nach dem Sitzen im Hörsaal noch einmal zu bewegen, herumzualbern, zu lachen, sich aber auch auf andere Dinge konzentrieren zu müssen und unter so vielen spannenden Leuten zu sein – all das tut mir im Moment richtig gut. Das Theater hilft mir gerade sehr, in Leipzig anzukommen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Nov 30, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Nov 30, 2015