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100 erste Tage an der Uni

Distanzdenken

Nach einem grandiosen Wochenende mit meinen Freunden aus der Heimat in meinem neuen Zuhause kann ich resümieren, dass wir uns alle mit der neuen Wohnsituation ziemlich gut angefreundet haben. Denn obwohl wir uns alle in alle Himmelsrichtungen verstreut haben, schaffen wir es immer noch regelmäßig, gemeinsam Spaß zu haben. Wie es auf dem Dorf üblich ist, hatte natürlich keiner von uns den kurzfristigen oder mittelfristigen Plan bei seinen Eltern wohnen zu bleiben. Dort gibt es keine Uni, kein Studentenleben und keine neuen Erfahrungen. Alles gute Gründe, die uns diskussionslos zu der Entscheidung bewegten, umzuziehen. Und zwar genau dorthin, wo uns die besten Ausbildungschancen hinzogen. Das heißt in meinem Freundeskreis: nach Aachen, Freiburg, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Münster oder gar nach Lörrach, ganz im Süden Deutschlands. Und trotzdem schaffen wir es regelmäßig, diese geographischen Distanzen bewusst zu unterschätzen, um doch wieder ein gemeinsames Wochenende zu verbringen.

Dabei profitieren gerade meine Freunde und ich in Nordrhein-Westfalen (NRW) ganz stark vom studentischen NRW-Ticket. Mit Bus und Bahn quer durch das zweitgrößte Bundesland Deutschlands zu fahren nimmt durch manche Bahnverspätung zwar meist noch mehr Zeit in Anspruch, als eh schon kalkuliert werden müsste, ist aber eine wunderbare Option, die Fahrt in die Heimat zu einer finanzierbaren Angelegenheit zu machen.

Nach den paar Wochen, die wir jetzt schon in unseren neuen Heimatstädten verbracht haben, überwiegt inzwischen also ein ganz neues Distanzdenken. Drei Stunden nach Hause und drei Stunden wieder zurück: gar kein Problem für einen Tag unter der Woche. Wir können die Zeit im Zug ja immerhin zum Schlafen nutzen.

Ich kann also zugegebenermaßen etwas überrascht und zufrieden feststellen, dass sich mein Freundeskreis entgegen meiner Vermutung überhaupt nicht auseinandergelebt hat. Und das kann ich jedem, der sein Abitur gerade hinter sich hat, nur wünschen. Wenn man weniger in Kilometerabständen denkt, und viel mehr an den Mehrwert, den eine lange Freundschaft mit sich bringt, ist es gar nicht so schwer, etwas so Wertvolles aufrecht zu erhalten.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Dec 16, 2015
Autor: Katha
Rubrik: studium
Dec 16, 2015

100 erste Tage an der Uni

Lichtblick vorlesungsfreie Zeit

Ich muss tatsächlich sagen, die Vorweihnachtszeit in Heidelberg ist wunderschön. Ich kann mir kaum eine andere Stadt vorstellen, die so romantisch, friedlich und verschlafen vor sich hinschlummert wie mein kleines Heideldorf, wie ich es liebevoll nenne. Wenn der Neckar früh morgens noch im Nebel liegt, das Schloss hoch oben auf dem Berg thront und die Altstadt unter den ersten Lichtern aufwacht, ist das unbeschreiblich schön.

Der Weihnachtsmarkt scheint sich auf die ganze Stadt auszudehnen; zentriert vor allem in der Altstadt und natürlich auch vor der Universität. Vor dem größten Vorlesungsgebäude in der Altstadt finden sich besonders viele Stände und so kommt es, dass ich meist vor den Vorlesungen doch noch einen kleinen Abstecher zu den wahr gewordenen Kindeheitsträumen mache. Man munkelt sogar, dass es einige letzten Endes nicht mehr in die Vorlesung schaffen, aber das gehört wohl auch zum Weihnachtszauber Heidelbergs.

Mit der Weihnachtszeit kommen allerdings auch die vielen Touristen in die Stadt und verstopfen die Straßen. Wenn ich es eilig habe und zwischen Juristischem Seminar und den Vorlesungsräumen pendele, bin ich manchmal ziemlich genervt davon. Insbesondere wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, mit gefährlichen, lebensbedrohenden Manövern durch die Straßen rase und gleichzeitig versuche, irgendwie das akademische Viertel nicht zu sehr auszureizen.

Am 18. Dezember fahre ich nach Essen zu meiner Familie. Bis dahin stehen noch Weihnachtsvorträge an der Uni, Weihnachtsfeiern, eine Klausur, mein Geburtstag und der Besuch von Freunden, die Heidelberg sehen wollen, auf dem Programm. Danach kehrt hoffentlich Ruhe ein und ich bin dann endlich mal wieder zu Hause. Viele meiner Kommilitonen waren doch öfter mal zu Hause, aber mir waren die Wochenenden dann doch etwas zu schade, um so viel Zeit im Zug zu verbringen. Jetzt werde ich erst mal eine Runde entlang des wunderschönen Neckars Fahrrad fahren und dann mal sehen, was der Tag noch so bringt!

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  Dec 14, 2015
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
Dec 14, 2015

100 erste Tage an der Uni

Vielleicht doch zu viel?

In letzter Zeit hatte ich leider nicht ganz so viel Zeit, Texte für diesen Blog zu schreiben. Das Studium ist nämlich definitiv anstrengender als ich gedacht hatte. Momentan habe ich das Gefühl, dass mich alles etwas überrollt. Studium, Fachschaft, Weihnachtsstimmung und mein soziales Leben unter einen Hut zu bringen, fühlt sich unmöglich an!

Als auch noch die Verfassungsrechtsklausur auf den 17. Dezember gelegt wurde, statt auf Ende Januar, war irgendwie alles doof. Außerdem habe ich nächste Woche Geburtstag und muss noch einige Dinge organisieren. Am Samstag kommt eine Freundin, die ich beschäftigen sollte, und als ob das nicht schon reichen würde, habe ich mir auch noch eine Erkältung eingefangen.

Was mich aber wirklich verunsichert, ist, dass ich das Gefühl habe, nicht das richtige Studium gewählt zu haben. Das ist ein ganz unangenehmes, schweres Gefühl, das sich in meiner Bauchgrube ausdehnt. Ständig frage ich mich, ob ich die Inhalte tatsächlich sechs Jahre lang studieren kann und will. Jura ist ein Fach, das theoretisch jeder beherrscht, aber manche beherrschen es einfach besser. Ich brauche jedenfalls Stunden, um den Stoff zu lernen – und lerne dabei auch unheimlich viel über mich. Ich glaube, ich bin nicht der theoretische und abstrakte Typ. Auswendiglernen liegt mir zwar, aber das alleinige Wiedergeben ödet mich an. Auch habe ich einsehen müssen, dass ich nicht unbedingt immer nach Lösungen suchen will. Vielmehr interessiert es mich, Fragen zu stellen und nachzudenken.

Mein Kopf sagt mir, dass dem Jura-Studium mindestens zwei Semester geben sollte, während mein Herz mir sagt, dass ich mit diesem Studium nicht glücklich werden kann. Jedoch fühle ich mich so wohl in Heidelberg und mit meinen Kommilitonen, dass ich eigentlich gar nicht weg will. Natürlich weiß ich aber auch, dass ich meine Entscheidung nicht davon abhängig machen soll. Außerdem habe ich das Gefühl, mit diesem Problem ganz allein zu sein. Jeder in meinem Umfeld spricht von der angeblichen Elite-Uni und ist stolz darauf, an diesem Standort Jura studieren zu können. Dabei gibt es sicher einige, die das genauso empfinden wie ich, sich aber nicht trauen, offen darüber zu reden.

Was soll ich also tun? Und vor allem: Was soll ich sonst studieren? Mal sehen, ob dieses Gefühl verschwindet. Bis dahin heißt es aber: Ab in die Bibliothek!

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Dec 9, 2015
Autor: Bo
Rubrik: studium
Dec 9, 2015