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100 erste Tage an der Uni

Ostium atrioventriculare dextrum

Als mehr oder weniger alten Geisteswissenschaftler zog es mich am vergangenen Freitag das erste Mal in Vorlesungen der Naturwissenschaftler – die der Mediziner! Es war der letzte Unitag des Kalenderjahres 2015, ich hatte bereits am Tag zuvor die letzten Veranstaltungen hinter mich gebracht und machte mich nun auf, meine Mitbewohnerin die Medizin studiert, einmal bei ihrem Unitag zu begleiten.

Mein Tag als Medizinstudent begann mitten in der Nacht: um 6.30 Uhr klingelte der Wecker und riss mich aus dem Schlaf. Montag bis Freitag die erste Vorlesung um acht Uhr zu haben – daran will ich mich wirklich nicht gewöhnen müssen. Im altehrwürdigen Anatomiehörsaal mit den hölzernen Sitzbänken (Wer hier wohl schon alles gelernt hat?) herrscht Bahnhofsatmosphäre. Die Studierenden tauschten sich nicht gerade leise darüber aus, wohin sie in den Winterurlaub fahren würden. Der Professor vorne wäre ohne sein Headset völlig aufgeschmissen gewesen. Er erzählte etwas von Koronararterien und berichtete, dass ein Herz eigentlich so aussieht, „wie bei der Fleischtheke bei ihnen!“. Pulmonalvenen, Vena cardiaca cordis parva, Ostium atrioventriculare dextrum – bei so vielen lateinischen Begriffen ist es vielleicht wirklich sinnvoll, dass die Vorlesung schon nach 60 Minuten endet und nicht wie bei mir erst nach 90 Minuten.

Im Anschluss an die Anatomievorlesung ging es mit Biologie weiter. Der Professor vermittelte keinen Stoff, sondern hielt stattdessen eine Weihnachtsvorlesung ab. Er stand Bier trinkend mit Weihnachtsmannmütze und weihnachtsmarktähnlicher Beschallung im Hintergrund am Pult. Er erzählte außerordentlichen Stuss von ausgestorbenen Tierarten; unter anderem Wesen mit vier Nasen, oder solche, die sich nur mit der Nase fortbewegen.

Höherklassiger Humor erwartete mich bei der Weihnachtsvorlesung der Chemie, dem letzten Punkt auf meiner Agenda als Medizinstudent. Die Chemikerveranstaltung war komplett von den Studierenden organisiert und gestaltet. Gegen zwei Euro Eintritt (der Hörsaal war brechend voll!) bekam ich einiges geboten: Weihnachtsliedersingen, Glühweinausschank und einen Abklatsch diverser Märchen mit vielen, vielen Experimenten mit ordentlich Bumm und Knall und Peng und Blitz und floureszierenden Farben. Sogar Schnaps-Pralinen wurden in die Reihen geschleudert. „Aus 100 Prozent Zucker und 100 Prozent Alkohol“, de facto ein mit Alkohol getränkter Zuckerwürfel in Alufolie eingewickelt.

Willkommen bei den Naturwissenschaftlern!

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Dec 29, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Dec 29, 2015

100 erste Tage an der Uni

Frauen und Technik

Natürlich war mir von Anfang an klar, dass ich mit meiner Studienwahl eine für mein Geschlecht untypische Entscheidung getroffen hatte. Und zwar weniger weil ich mir selbst Gedanken über den Frauenanteil in meinem Studiengang machte, sondern viel mehr, weil mich ständig andere danach fragen.

Es passiert mir oft, dass von vornherein angenommen wird, ich sei Medizinerin. Eine Studentin in Aachen ist eigentlich per Definition Medizinerin. Die Tatsache, dass ich ganz normal aussehe, keine Computerspiele spiele und offensichtlich weiblich bin, scheint für viele unterbewusst ein Ausschlusskriterium für die „Schublade Maschinenbau“ zu sein. So ist fast jeder überrascht, der nach meinem Studienfach fragt. Selbstverständlich ist es heute auch für Frauen völlig normal in technische Bereiche zu gehen. Das ist zum Glück nichts Neues mehr. Nichtsdestoweniger werde ich häufig nach diesem Klischee gefragt, wie es denn so wäre als Frau Maschinenbau zu studieren. Eine Frage, die ich in den letzten Monaten häufig zu hören bekam. Antworten kann ich immer wieder nur, dass die Frau im technischen Bereich längst in der Gesellschaft angekommen ist und ich noch nie Erfahrung mit Unverständnis oder mangelnder Akzeptanz gemacht habe. Im Gegenteil, ich bekomme oft unerwartet Zuspruch. Die Klosterschwestern beispielsweise, bei denen ich im letzten Jahr gearbeitet und gelebt habe, sind begeistert von der Richtung, die ich nach dem sozialen Jahr eingeschlagen habe, weil sie sehen, wie eine Frau demonstrativ ihren eigenen Weg geht.

Mir war schon immer klar, dass ich irgendwann im Bereich der Energieforschung arbeiten will. Mit Maschinenbau bin ich für einen Beruf in der Forschung bestens aufgestellt und genau das ist es, was ich möchte.

In diesem Zusammenhang scheint es vielleicht etwas unlogisch, dass ich nach dem Abitur erst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gemacht habe, obwohl mein technischer Berufswunsch schon deutlich länger feststeht. Das freiwillige Jahr diente mir auch nie der Wegfindung, wie es bei anderen FSJlern oft der Fall ist. Es ging mir viel mehr darum einmal etwas anderes zu sehen. Ich bin behütet aufgewachsen, beide Eltern sind studierte Ingenieure und es stand eigentlich immer fest, dass auch ich studieren würde. Als mir das klar wurde, wusste ich plötzlich nicht mehr so richtig, ob ich Ingenieurin werden wollte, weil mir diese Fachrichtung Spaß macht, oder einfach nur, weil es mir quasi in die Wiege gelegt wurde. Bei der Arbeit im Altenheim konnte ich dann herausfinden, dass der Beruf der Ingenieurin tatsächlich mein Wunsch war – und nicht der meiner Eltern.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Dec 28, 2015
Autor: Katha
Rubrik: studium
Dec 28, 2015

100 erste Tage an der Uni

Wie sinnvoll sind Vorlesungen?

Vorlesungen sind an sich freiwillig, doch wie genau sollte ich mich verhalten? Es gibt viele Gerüchte und gut gemeinte Vorschläge, die besagen, in Vorlesungen würde alles Relevante genannt werden. Aber Jura ist ein Selbststudium, die Vorlesungen begleiten sozusagen das Lehrbuch. Sie machen noch mal genau klar, was der Professor aus den Büchern wichtig findet, und auf was es in den Prüfungen ankommt. Mit anderen Worten: Die Vorlesung zu besuchen ist nicht unbedingt lebensnotwendig.

Eigentlich kann ich mich auch in die Bibliothek setzen und dort arbeiten. Aber jetzt mal ganz ehrlich, wer setzt sich letzten Endes in die Bücherei wenn es viel interessantere andere Dinge zu tun gibt? Auf einmal fällt mir ein, dass ich das Zimmer aufräumen sollte, der Wocheneinkauf noch wartet und langsam aber sicher die saubere Wäsche ausgeht. Wenn sich dann noch jemand meldet und ich Lust auf einen Kaffee habe, dann war es das mit den guten Vorsätzen.

Diese Woche wird es die erste Prüfung geben. Zwar ist es nur eine Probeklausur aber es ist dann schon mal gut zu sehen, wie weit ich mitgekommen bin und ob ich die nächsten sechs Jahre diese Art von Prüfungen schreiben will. Wenn alles gut läuft, dann werde ich sie hoffentlich auch mit einem guten Ergebnis bestehen. Die anderen Klausuren schreibe ich nach den Winterferien.

Am Freitag vor Weihnachten fahre ich nach Hause und bleibe bis zum fünften Januar dort. Die Uni ist auch schon sehr in Weihnachtsstimmung, keiner hat wirklich mehr Lust dort zu sitzen und zu arbeiten, denn jeder denkt an die Weihnachtstage, an die Familie und an die entspannenden Zeiten.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Dec 24, 2015
Autor: Bo
Rubrik: studium
Dec 24, 2015