interaktiv

100 erste Tage an der Uni

Frauen und Technik

Autor:
Katha

Rubrik:
studium

28.12.2015

Natürlich war mir von Anfang an klar, dass ich mit meiner Studienwahl eine für mein Geschlecht untypische Entscheidung getroffen hatte. Und zwar weniger weil ich mir selbst Gedanken über den Frauenanteil in meinem Studiengang machte, sondern viel mehr, weil mich ständig andere danach fragen.

Es passiert mir oft, dass von vornherein angenommen wird, ich sei Medizinerin. Eine Studentin in Aachen ist eigentlich per Definition Medizinerin. Die Tatsache, dass ich ganz normal aussehe, keine Computerspiele spiele und offensichtlich weiblich bin, scheint für viele unterbewusst ein Ausschlusskriterium für die „Schublade Maschinenbau“ zu sein. So ist fast jeder überrascht, der nach meinem Studienfach fragt. Selbstverständlich ist es heute auch für Frauen völlig normal in technische Bereiche zu gehen. Das ist zum Glück nichts Neues mehr. Nichtsdestoweniger werde ich häufig nach diesem Klischee gefragt, wie es denn so wäre als Frau Maschinenbau zu studieren. Eine Frage, die ich in den letzten Monaten häufig zu hören bekam. Antworten kann ich immer wieder nur, dass die Frau im technischen Bereich längst in der Gesellschaft angekommen ist und ich noch nie Erfahrung mit Unverständnis oder mangelnder Akzeptanz gemacht habe. Im Gegenteil, ich bekomme oft unerwartet Zuspruch. Die Klosterschwestern beispielsweise, bei denen ich im letzten Jahr gearbeitet und gelebt habe, sind begeistert von der Richtung, die ich nach dem sozialen Jahr eingeschlagen habe, weil sie sehen, wie eine Frau demonstrativ ihren eigenen Weg geht.

Mir war schon immer klar, dass ich irgendwann im Bereich der Energieforschung arbeiten will. Mit Maschinenbau bin ich für einen Beruf in der Forschung bestens aufgestellt und genau das ist es, was ich möchte.

In diesem Zusammenhang scheint es vielleicht etwas unlogisch, dass ich nach dem Abitur erst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gemacht habe, obwohl mein technischer Berufswunsch schon deutlich länger feststeht. Das freiwillige Jahr diente mir auch nie der Wegfindung, wie es bei anderen FSJlern oft der Fall ist. Es ging mir viel mehr darum einmal etwas anderes zu sehen. Ich bin behütet aufgewachsen, beide Eltern sind studierte Ingenieure und es stand eigentlich immer fest, dass auch ich studieren würde. Als mir das klar wurde, wusste ich plötzlich nicht mehr so richtig, ob ich Ingenieurin werden wollte, weil mir diese Fachrichtung Spaß macht, oder einfach nur, weil es mir quasi in die Wiege gelegt wurde. Bei der Arbeit im Altenheim konnte ich dann herausfinden, dass der Beruf der Ingenieurin tatsächlich mein Wunsch war – und nicht der meiner Eltern.

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