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100 erste Tage an der Uni

Rechtsphilosophie

Autor:
Bo

Rubrik:
studium

01.02.2016

Warum sollten sich Jurastudenten philosophische Gedanken machen? Der Sinn dahinter ist, sich Gedanken über Recht und Moral zu machen, über den Tellerrand zu schauen und nicht nur im Gutachtenstil zu denken. Am Ende des Semesters ist dann wahlweiße eine Klausur in Rechtsphilosophie, Deutscher Rechtsgeschichte oder römischer Rechtsgeschichte eine Klausur abzulegen. Natürlich machen diese Fächer Sinn aber wirklich ernst genommen haben meine Kommilitonen und ich sie nicht. Das ganze Semester über habe ich mich von den Inhalten berieseln lassen. Jetzt, eine Woche vor der Klausur, habe ich angefangen zu lernen.

Das Semester ist nur vier Monate lang und die zwölf Vorlesungen lassen sich gut durcharbeiten. Das war meine Überlegung, aber diese Art von Gedankenexperiment funktioniert meistens nur theoretisch gut. Ich weiß, dass ich es schaffen werde, aber die Klausur rückt immer näher und ich muss wirklich was tun. Kelsen, Moral, Rechtspositivismus – die Begriffe werden immer mehr. Das Gröbste behalte ich zwar schon beim ersten Lesen, aber die Details halten mich doch mehr auf, als ich dachte. Ich gewöhne mich sehr gut an das Leben in der Bibliothek. Zwar muss man früh da sein, um einen Sitzplatz zu bekommen – in der Klausurenphase ähnelt die Bibliothek in Heidelberg eher einem großen Wohnzimmer voller beschäftigter und sehr müder Menschen, aber wenn ich dort bin, kann ich auch einige Stunden am Stück effizient arbeiten. Ausgestattet mit einer Wasserflasche, meinem Laptop und den klausurrelevanten Büchern stürze ich mich also in die Tiefen rechtsphilosophischer Überlegungen. Die Thematik finde ich sehr interessant, aber wenn ich versuche mir den Inhalt irgendwie einzuprägen, geht mir die Freude am Stoff doch sehr schnell verloren. Ich lebe und lerne erst einmal ohne Muße für die Klausur, aber so ist das Leben als Studierender nun mal auch.

So trübselig wie mein Text klingt, ist es dann doch nicht, denn mit mitleidenden Freunden eine Mittagspause oder Kaffeepause zu verbringen ist dann dreimal so schön. Was uns wirklich alle beunruhigt, ist der Gedanke an die Hausarbeiten in den kommenden Semesterferien. So entspannt das erste Semester war, so anstrengend und kräftezehrend wird wohl das zweite Semester werden. Vielleicht sollte ich dann tatsächlich die Bibliothek als ersten Wohnsitz angeben?

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