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100 erste Tage an der Uni

Beste Zeit des Lebens

Kurz vor Karneval fingen viele meiner Kommilitonen an, ernsthaft in Frage zu stellen, ob man es sich leisten kann, über das verlängerte Wochenende nach Hause zu fahren und ein wenig zu feiern, oder ob das in Anbetracht der immer näher rückenden Klausuren vielleicht eine eher kontraproduktive Idee wäre. Sicher ist eigentlich nur, dass diejenigen, die sich die Auszeit doch gönnen, ein ziemlich schlechtes Gewissen dabei haben werden. Ich habe mich als Kind einer traditionellen Karnevalsgegend natürlich ohne zu Zögern für das schlechte Gewissen entschieden und freue mich dementsprechend einerseits natürlich auf die schönen Tage zuhause, sehe mich auf der anderen Seite aber jetzt schon durch die Klausuren fallen. Halb Aachen scheint sich in einem ständigen Wechsel zwischen nur zwei Gedanken zu befinden. Erstens, dass das schon klappen wird und Studium auch irgendwo Spaß machen muss, und zweitens es wegen eigener Faulheit doch nicht vernünftig zu packen.

Ich bin Verfechterin der Theorie, dass das Studium zur besten Zeit des Lebens werden kann, wenn man sein Bestes gibt und sie auch dazu macht! Also habe ich vor, mir so viel Stress wie nötig zu machen – immerhin wurde uns die riesige Chance des kostenlosen Studierens nicht gegeben, um davon mehr Gebrauch als nötig zu machen – gleichzeitig aber auch so viel Spaß wie möglich zu haben. Denn wann werde ich nochmal die Chance haben so selbstbestimmt und frei zu leben? Ich habe keine festen Arbeitszeiten, muss nur alle paar Monate Leistungsnachweise erbringen, habe nirgendwo Anwesenheitspflicht, bin mobil und dazu noch mit einem jugendlichen, unverbrauchten und lebenslustigen Geist gesegnet. Wer dieses Potenzial nicht jetzt ausnutzt, der wird es wahrscheinlich nie wieder können. Es sei denn, er macht sich mit einer Surfschule auf den Fidschi-Inseln selbstständig. Aber das ist für die meisten von uns doch eher eine unwahrscheinliche Berufsperspektive.

Aber so ist das mit Karneval. Ab diesem Jahr werde ich – wie es unzählige Studenten schon vor mir getan haben – zumindest bis in mittelfristige Zukunft jedes Mal die Menschen verfluchen, die irgendwann einmal entschieden haben, dass die Klausurphase unbedingt in den Februar zu legen ist.

In diesem Sinne:

Kölle Alaaf!

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Feb 8, 2016
Autor: Katha
Rubrik: studium
Feb 8, 2016

100 erste Tage an der Uni

Rechtsphilosophie

Warum sollten sich Jurastudenten philosophische Gedanken machen? Der Sinn dahinter ist, sich Gedanken über Recht und Moral zu machen, über den Tellerrand zu schauen und nicht nur im Gutachtenstil zu denken. Am Ende des Semesters ist dann wahlweiße eine Klausur in Rechtsphilosophie, Deutscher Rechtsgeschichte oder römischer Rechtsgeschichte eine Klausur abzulegen. Natürlich machen diese Fächer Sinn aber wirklich ernst genommen haben meine Kommilitonen und ich sie nicht. Das ganze Semester über habe ich mich von den Inhalten berieseln lassen. Jetzt, eine Woche vor der Klausur, habe ich angefangen zu lernen.

Das Semester ist nur vier Monate lang und die zwölf Vorlesungen lassen sich gut durcharbeiten. Das war meine Überlegung, aber diese Art von Gedankenexperiment funktioniert meistens nur theoretisch gut. Ich weiß, dass ich es schaffen werde, aber die Klausur rückt immer näher und ich muss wirklich was tun. Kelsen, Moral, Rechtspositivismus – die Begriffe werden immer mehr. Das Gröbste behalte ich zwar schon beim ersten Lesen, aber die Details halten mich doch mehr auf, als ich dachte. Ich gewöhne mich sehr gut an das Leben in der Bibliothek. Zwar muss man früh da sein, um einen Sitzplatz zu bekommen – in der Klausurenphase ähnelt die Bibliothek in Heidelberg eher einem großen Wohnzimmer voller beschäftigter und sehr müder Menschen, aber wenn ich dort bin, kann ich auch einige Stunden am Stück effizient arbeiten. Ausgestattet mit einer Wasserflasche, meinem Laptop und den klausurrelevanten Büchern stürze ich mich also in die Tiefen rechtsphilosophischer Überlegungen. Die Thematik finde ich sehr interessant, aber wenn ich versuche mir den Inhalt irgendwie einzuprägen, geht mir die Freude am Stoff doch sehr schnell verloren. Ich lebe und lerne erst einmal ohne Muße für die Klausur, aber so ist das Leben als Studierender nun mal auch.

So trübselig wie mein Text klingt, ist es dann doch nicht, denn mit mitleidenden Freunden eine Mittagspause oder Kaffeepause zu verbringen ist dann dreimal so schön. Was uns wirklich alle beunruhigt, ist der Gedanke an die Hausarbeiten in den kommenden Semesterferien. So entspannt das erste Semester war, so anstrengend und kräftezehrend wird wohl das zweite Semester werden. Vielleicht sollte ich dann tatsächlich die Bibliothek als ersten Wohnsitz angeben?

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Feb 1, 2016
Autor: Bo
Rubrik: studium
Feb 1, 2016

100 erste Tage an der Uni

Summer-University

In einem der vergangenen Beiträge schrieb ich einmal, dass ich wirklich beeindruckt bin, wie viele Menschen sich zum freiwilligen Helfen in Flüchtlingsheimen gemeldet haben. Ich bekam ein ums andere Mal eine Mail von der Stadt Aachen, in der man sich grundsätzlich für das Engagement der Aachener Bürger bedankte und erklärte, dass der Bedarf an Helfern vollständig gedeckt sei. Daher raffte ich mich nach ein paar Jahren Schülersprecheramt und dem Freiwilligen Sozialen Jahr wieder auf, um mir eine neue ehrenamtliche Tätigkeit zu suchen und stieß dabei auf die europäische Studenteninitiative „AEGEE“ (Association des Etats Généraux des Etudiants). Das ist ein Verein, der fast überall in Europa Mitglieder und lokale Gruppen hat, die für andere Europäer Veranstaltungen organisieren, unter anderem das ERASMUS-Austauschprogramm fördern und sich insgesamt kulturellen Austausch, Bildungsförderung und Friedenstiftung auf die Fahne geschrieben haben.

Schon nach dem ersten Treffen mit den Leuten von AEGEE in Aachen war mir klar, dass dieser Verein genau das ist, wofür ich mich engagieren möchte und ich das sogar gemeinsam mit Leuten tun kann, die absolut offen, meist in meinem Alter sind und sich für genau die gleichen Dinge begeistern, wie ich es tue. Jeden Montag findet ein gemütliches Treffen in der „Bar Zuhause“ statt, bei dem sich alle Mitglieder kurz und knapp über den neuesten Stand der Dinge informieren können. Vergangenen Montag ging ich noch ohne zu wissen, was mich dort erwarten würde, zu einem dieser Treffen und wurde mit offenen Armen empfangen. Eine Vorstandsvorsitzende nahm sich mir auch sofort an und fand in mir offenbar ein williges Opfer für die noch zu organisierende „Summer-Univerity“ – eine zweiwöchige Veranstaltung, die fast jede lokale Gruppe in ihrer Heimatstadt für andere AEGEE-Mitglieder organisiert, mit dem Ziel fremde Länder, Sitten und Kulturen kennenzulernen. Mit einem Team aus sechs weiteren Studenten an der RWTH arbeite ich jetzt also dafür dass die nächste „Summer-University-Aachen“ ein interessanter, spannender und vor allem lustiger Urlaub für alle die Mitglieder wird, die in diesem Sommer für zwei Wochen nach Aachen kommen.

Im Hinblick auf die immer näher rückende Klausurphase bin ich noch nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee war, gerade jetzt bei AEGEE Mitglied zu werden. Aber vor allem bin ich froh, wieder an etwas mitwirken zu können, für das ich mich begeistere, das Spaß macht und nebenbei auch noch sinnvoll ist!

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Jan 28, 2016
Autor: Katha
Rubrik: studium
Jan 28, 2016