interaktiv

100 erste Tage an der Uni

Tanz in den Mai

Autor:
Katha

Rubrik:
studium

06.06.2016

Meine Lerngruppe ist ein ziemlich bunter Haufen. Vom absoluten Dorfkind bis zum Städter ist alles dabei. Als Vertreterin der ländlichen Fraktion überraschte ich die Städter mit der Tradition des Maibaumsetzens. In meiner Heimat wird in der Nacht zum ersten Mai traditionell eine mit bunten Bändern geschmückte Birke vor das Haus der Liebsten gestellt. Da diese Bäume allerdings auch völlig legitim geklaut werden dürfen, muss der Maibaumsetzende entweder bei der Befestigung der Birke am Haus kreativ werden, Wache stehen oder das Risiko in Kauf nehmen, am nächsten Morgen bei seiner Liebsten nicht mit einem Maibaum aufwarten zu können. Seit der Jahrtausendwende ist es außerdem Brauch, dass in Schaltjahren nicht die Jungs, sondern die Mädels an der Reihe sind, ihren Lieben den Maibaum zu setzen.

Nachdem mein Freund im vergangenen Jahr also einen wunderschönen Baum vor unserem Wohnzimmerfenster aufgestellt hatte, war dieses Jahr ich an der Reihe. Das Problem war, dass wir für den Abend verabredet waren, er von der Aktion aber ja nichts mitbekommen darf. Mit der Hilfe meiner Schwester klügelte ich einen fast perfekten Plan aus, um ihn trotz der Verabredung noch überraschen zu können. Meine Schwester und ich fuhren kurzerhand in den Wald, fällten eine Birke und schnallten sie auf die eigentlich für Surfbretter ausgelegten Dachgepäckträger des Autos. Mit Maibaumschmuck und Kabelbindern bewaffnet, warteten wir auf das Stichwort seiner Mutter, die uns Bescheid gab, sobald sich mein Freund in sein Auto geschwungen hatte, um zu mir zu fahren. Dann klemmten wir den Baum mit Kabelbindern kurzerhand an die Regenrinnenhalterung hinterm Haus und sprangen wieder ins Auto. Um uns etwas Zeit zu verschaffen, hatten wir meinen Freund im Vorhinein gebeten, noch ein Buch abzuholen und so kamen wir fast zeitgleich bei meinem Elternhaus an. Die Überraschung war geglückt und er freute sich am nächsten Tag riesig über seinen ersten Maibaum.

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