Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

100 erste Tage an der Uni

WG-Suche 2.0

Nachdem der erste Versuch, die richtige WG zu finden, gescheitert war, musste ich mich erneut auf die Suche begeben. Diesmal wollte ich nicht mehr so unstrukturiert vorgehen, sondern speziell nach 2er- und 3er-WGs suchen. Ich bekam von einer bereits in Innsbruck wohnenden Freundin zudem den Tipp, dass es auf der Homepage der Uni eine gute Wohnungsbörse gibt.
Es klappte von Anfang an, alle Besichtigungstermine zeitlich ohne zu große Pausen zu legen. Das würde ich jederzeit wieder so machen. Am besten vereinbart man jede Stunde eine Besichtigung, da man noch zwischen den Wohnungen hin- und herfahren muss. Ich habe mir, um wenig Zeit in der Stadt zu verlieren, ein Fahrrad ausgeliehen. Damit konnte ich die über die komplette Stadt verteilten Wohnungen viel schneller erreichen. Wichtig fand ich vor allem, sich mit den Mitbewohnern auch mal etwas ausgiebiger zu unterhalten und auch mal einen Kaffee zu trinken. Das zeigt, wie ich finde, ob man sich gut versteht oder eben nicht.
Nachdem ich also nochmals dutzende E-Mails verschickt hatte, konnte ich viel schönere Wohnungen besichtigten. Anfangs bekam ich noch einige Aussagen zu hören, wie: „Wir können Dir dann so in einem Monat Bescheid sagen, ob wir Dich nehmen“. Doch von Besichtigung zu Besichtigung gefielen mir die Wohnungen immer besser und als Letztes kam tatsächlich die perfekte WG.
Diese war für studentische Verhältnisse geradezu luxuriös mit Spül- und Waschmaschine ausgestattet und das Verhältnis zur Mitbewohnerin passte sofort. Einige Tage musste ich mich noch gedulden bis ich die Zusage bekam. Ich war überglücklich und erleichtert. Wenig später fuhr ich nach Innsbruck und nahm stolz die Schlüssel zu meiner ersten eigenen Wohnung entgegen. Damit war meine Wohnungssuche beendet.

Autor: Chris  |  Rubrik: studium  |  Sep 29, 2016
Autor: Chris
Rubrik: studium
Sep 29, 2016

100 erste Tage an der Uni

Abschied aus Prag

Vier Wochen, die wie im Flug vergingen, in denen ich so viel gelernt habe – das sind meine Erkenntnisse der Sommerschule in Prag:
Erstens: Tschechisch ist eine spannende Sprache. Ich habe nicht nur viele Vokabeln und grammatikalische Regeln gelernt, sondern auch Hintergrundwissen erlangt. So habe ich neue Erkenntnisse über die Unterschiede von Umgangssprache, die ich ja zunächst gelernt hatte, und Schriftsprache gewonnen und festgestellt, dass die Sprache absolut und schnell im Wandel ist. Was gestern noch Slang war, wird heute in der Zeitung geschrieben.
Zweitens: Prag ist die schönste Stadt des Planeten. Das erste Mal habe ich nun richtig in Prag gelebt und nicht in einem Vorort. Es ist atemberaubend. Diese Vielfalt, dieses Immer-wieder-etwas-Neues-entdecken-können! All das sorgt dafür, dass ich hier gar nicht mehr weg will.
Drittens: Die Welt ist kleiner als man denkt. Irgendwie bin ich während meines Aufenthalts in Prag auch einmal um die ganze Welt gereist. Ich habe nicht nur Tschechisch gelernt, sondern auch meine eingerosteten Englischkenntnisse anwenden müssen, mich mal wieder im Französischen versucht und gelernt, was „Hallo“ und „Tschüss“ auf Finnisch heißen. Ich habe mich einmal mehr wie ein Europäer gefühlt.
Dazu folgende – wahre! – Anekdote: Ein kaputtes Auto steht in einem Park an einem Teich. Die Spiegel sind abgeschlagen, die Kennzeichen fehlen, die Scheiben zerbrochen, das Dach ist zur Hälfte ab. Es ist bereits 22 Uhr und stockdunkel. Ein Deutscher, ein Ungar und ein Pole treffen sich in der Kneipe am Rande des Parks. Der Deutsche erzählt, er wäre auf seinem Weg an diesem Auto vorbeigelaufen. Nachdem er im See und im Kofferraum nach einer Leiche geschaut hätte, aber nichts fand, rief er die Polizei. Der Ungar erzählt, er hätte den Wagen zwar gesehen, sich aber gar nicht darum gekümmert. Der Pole dagegen sagt trocken, dass er – auch wenn er den gleichen Weg gegangen ist – die Karosse gar nicht wahrgenommen hat. Die Tschechen in der Polizeistation können die Deutschen zunächst nicht recht verstehen. Dann sagen sie, sie wären bereits seit Wochen informiert. Alles wäre in Ordnung. So verschieden sind wohl die Kulturen in Europa.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Sep 27, 2016
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Sep 27, 2016

100 erste Tage an der Uni

Okno Fenster

Der Professor spricht über die „mannigfaltige Verwendung des Verbes ‚jít‘ (gehen) im Tschechischen“. Ich verstehe nur Bahnhof. Ich gehe zum Bahnhof, du gehst zum Bahnhof.
Der Blick schweift ab und aus dem Fenster.
Vorne links ist das Konservatorium, wo ich einmal bei einem Lichtfestival eine grandiose Installation erlebt habe. Rechts das Rudolfinum. Da saß ich einmal neben dem japanischen Botschafter in einem Konzert. Davor der Jan-Palach-Platz. 1969, nach der Invasion der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag, hatte sich der Student der Philosophischen Fakultät, in deren Reihen ich gerade sitze, selbst verbrannt, um die Bevölkerung wachzurütteln. Ich sehe wieder nach vorne. Links und rechts der Tafel hängen großformatige Schwarzweißfotografien. Jan Palachs Kommilitonen mit Schildern auf denen in Blockbuchstaben „Bildungsstreik!“ und „Wir wollen den Jan-Palach-Platz“ geschrieben steht.
Draußen, am Nebenhaus, wird das Dach repariert. Die vergangenen Tage über habe ich dem Loch dabei zusehen können, wie es kleiner und kleiner wird. Nun setzen die Bauarbeiter die letzten Ziegel ein. Weiter hinten sehe ich auf der Letná-Ebene das überdimensionale Metronom schlagen, das dort anstelle des gigantischen Stalin-Denkmals aufgebaut wurde und nun den Takt der Geschichte schlägt.
Da ist die Brücke hinter dem Dvorák-Denkmal, die über die Moldau mit ihren Tretbooten und Ausflugsdampfern führt. Und dann ergießt sich die Kleinseite in die Hügellandschaft. Die roten Dächer auf den weißen Häusern sind auch von hier drüben zu erkennen. Dahinter erhebt sich stolz die Burg. Gerade weht nicht die tschechische Flagge, sondern eine andere, quadratische, mit der Aufschrift „Recht siegt“. Sie wird immer gehisst, wenn der Präsident in der Stadt ist. Einmal erklomm eine Künstlergruppe das Burgdach und hisste eine rote Unterhose, deren Größe ungefähr eine 37XL war. Politischer Protest á la Tschechien. Von hier drüben hat man sie bestimmt auch wehen sehen können.
Jede einzelne Sekunde, die ich diesen Blick genießen darf, erlebe ich wie eine Stunde. Ich speichere die Bilder in mir ein und hoffe, sie nie wieder zu vergessen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Sep 16, 2016
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Sep 16, 2016