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100 erste Tage an der Uni

Soirée der Musen

Soirée heißt Abend, Musen sind die Schutzgöttinnen der Künste. Es ist Winter - kalt und kurz sind die Tage. Man verbringt mehr Zeit in geschlossenen Räumen, Fahrradfahrten sind kaum mehr genüsslich. Deswegen lud ich ein paar Kommilitonen und Freunde zu einer ‚Soirée der Musen' ein - also zu einem Abend, an dem man sich dem, was durch die Musen inspiriert geschaffen wird, widmet. Jeder sollte Texte, Gedichte, Musik oder Bilder mitbringen - eigenes oder von anderen, und damit zur Gestaltung des Abends beitragen.

Bei einem Trödelhändler besorgte ich mir noch ein paar Stühle, zwei Kerzenständer aus Messing und Wein. Damit arrangierte ich unter meinem Hochbett eine gemütliche Sitzecke.

Kurz nach neun - wir hatten uns zuvor in der Küche Pasta gemacht und unterhalten - gingen wir in mein Zimmer, ich entkorkte die erste Flasche und bald begannen wir. Am Anfang ist man noch etwas zögerlich, hat so etwas noch nicht gemacht, weiß nicht, was andere erwarten, weiß vielleicht auch nicht, was man selber erwartet. Das legte sich bald und jeder, der etwas vorzutragen, zu erzählen oder zu zeigen hatte, tat dies. Manches wurde wohlwollend, manches genießend hingenommen, anderes, gerade auch eigenes, kritisiert und bemängelt, um daraus zu schöpfen, zu lernen und zu wissen. Schön ist es, dabei einen Kreis von Leuten zu haben, der hören will, der nicht nur Amen sagt, sondern der lobt, wenn möglich und kritisiert, wenn nötig. So trieben wir das Spiel bis spät in die Nacht, tranken guten Wein und aßen dunkle Schokolade und jeder freute sich zum Schluss, Neues kennen gelernt und gute Kritik erfahren zu haben.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jan 5, 2009
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Rubrik: studium
Jan 5, 2009

100 erste Tage an der Uni

Meine erste Demo (Teil 2)

Nachdem ich den Plattenbau verlassen und mich der Menge wieder angeschlossen hatte, setzte sich der Demonstrationszug mit den nun 2000 bis 2500 Studierenden in Bewegung, im vorderen Drittel der kleine Lkw mit der Bühne. Neben peppiger Musik schallten von dort verschiedene Parolen, die sich mehr oder minder Kreative zum Sächsischen Hochschulgesetz ausgedacht hatten: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.", „Hu-,Hu-,Humankapital", „Bildung für alle, und zwar umsonst!" Manch ein Spruch auf den Transparenten und Schildern schien mir da zwar nicht so griffig, dafür aber vom Aussagegehalt spannender, so zum Beispiel „Das Hochschulermächtigungsgesetz - freie Wahl nur noch in der Mensa?" oder „Achtung sie verlassen den demokratischen Sektor!" Und passend zur Tagespolitik: „500€ Milliarden für die Banken - 0€ für die Bildung".

Unser Demonstrationszug endete vor dem Sächsischen Landtag, ein sehr unscheinbares Gebäude mit einem gläsernen Anbau - im Sinne einer durchsichtigen Demokratie. Durchsichtig hilft aber natürlich nichts, wenn man auf das, was da sichtbar getan wird, keinen Einfluss ausüben kann.

An der uns zugewandten Seite des Landtags schauten ein paar Leute auf uns herab. Plötzlich ging eine Woge durch die Masse und mit einem Mal war die zum Landtag führende Treppe dicht bepackt mit Studenten. Ein paar Polizisten hielten jene Tollkühnen zurück, die noch weiter vordringen wollten, beziehungsweise fingen sie wieder ein, nachdem sie über die schnell installierte Absperrung gesprungen waren. Wir sollten die Treppe doch bitte wieder frei machen, appellierte ein Kommissar. Er verstehe unser Anliegen, müsse die Demonstration aber abbrechen, wenn wir uns nicht an die Regeln hielten. Nach einigem Zögern räumten die Leute die Treppe. Dass die wenigen Polizisten, die die Demonstration begleiteten, imstande gewesen wären, ihre Drohung wahr zu machen, bezweifelten jedoch einige. Von einer Bühne aus konnten die Demo-Teilnehmer ihre Forderungen kund tun. Dann war es auch vorbei und alle gingen ihrer Wege.

Studierende mit Transparenten stehen vor dem sächsischen Landtag, in der Abenddämmerung.

Foto: Privat


Im Großen und Ganzen muss ich sagen, war die Demonstration sehr unradikal und nur selten - oder vielleicht gar nicht - kam dieses Gefühl auf, das ich mir von einer Massenbewegung erwartet hatte. Ein Gefühl, das ich zuletzt bei der Fußball-WM 2006 gespürt hatte. Das lag vielleicht daran, dass das Gesetz, um das es ging, nicht von existentieller Bedeutung zu sein scheint. Viele Kommilitonen scheinen mir schon im ersten Semester sehr auf Leistung und Erfolg bedacht, weniger idealistisch, mehr pragmatisch.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Dec 8, 2008
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Rubrik: studium
Dec 8, 2008

100 erste Tage an der Uni

Meine erste Demo (Teil 1)

Treffen um zehn Uhr am Leipziger Hauptbahnhof, der StuRa (StudentInnnenrat) hatte einen Zug nach Dresden organisiert. Es geht gegen das Sächsische Hochschulgesetz (SächsHG). Viel mehr wusste ich nicht, als ich mich mit einem WG-Mitbewohner zum Hauptbahnhof aufmachte. Auf einer Demo war ich noch nicht gewesen und mit sächsischer Hochschulpolitik kannte ich mich auch noch nicht aus. Dass der StuRa ziemlich „links" sei, hatte man mir gesagt, und, dass ihm jährlich aus Studentenbeiträgen eine relativ große Summe zur Verfügung gestellt würde. Was „links sein" in diesem Fall heißt - also ob da auch meine Interessen vertreten würden - und was mit dem ganzen Geld angestellt wird, das interessierte mich dann genug, um für die Demo meine einzige Vorlesung an diesem Tag sausen zu lassen.

So groß schien mir die Schar an Studenten nicht, die sich da um kurz vor zehn vor dem Hauptbahnhof eingefunden hatte. Knapp 30.000 Studenten sind wir allein an der Uni Leipzig, mit den anderen Hochschulen zusammen sogar 40.000. Voll war der Zug dann aber doch, an die 750 Studenten sollen dabei gewesen sein. Nach Fahrtbeginn lief ich durch den Waggon und fragte den ein oder anderen, um was es ginge, in diesem umkämpften SächsHG. Das Rektorat hätte damit „viel mehr Macht" und Studenten und Professoren „viel weniger", meinte einer zu mir. Ganz zufrieden war ich mit der Antwort nicht, doch bald liefen ein paar Leute vom StuRa durch die Gänge, zählten uns und verteilten Flugblätter zu Demo und Gesetz.

 Ansicht eines Demonstrationszuges mit Studierenden, einige halten Transparente hoch.

Als wir in Dresden ankamen, begrüßte uns die Polizei. Alles war schon geplant und der Streckenverlauf der Demo abgesperrt. Kurz darauf trafen noch weitere Studenten ein, aus Chemnitz und Freiberg. Als wir uns in Bewegung setzten, Richtung TU Dresden, schien mir das Ganze viel zu unspektakulär - keine lauten Parolen und keine großen Transparente, kein Wir-Gefühl. Ein kleiner LKW - umfunktioniert zur Bühne mit großen Lautsprechern rundum - führte den Zug an. Nachdem ich den ein oder anderen gefragt hatte, warum sie denn auf der Demo seien, und gemerkt hatte, wie unradikal doch manch einer war, der hier mitzog - einer meinte, das Mensa Essen solle doch „noch billiger" werden - schlich ich mich kurz davon und ging zum Eingang eines Plattenbaus, um ein Foto von oben zu schießen.

Blick von oben auf die Demonstranten

Fotos: Privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Dec 3, 2008
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Rubrik: studium
Dec 3, 2008