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100 erste Tage an der Uni

Soirée der Musen

Autor:

Rubrik:
studium

05.01.2009

Soirée heißt Abend, Musen sind die Schutzgöttinnen der Künste. Es ist Winter - kalt und kurz sind die Tage. Man verbringt mehr Zeit in geschlossenen Räumen, Fahrradfahrten sind kaum mehr genüsslich. Deswegen lud ich ein paar Kommilitonen und Freunde zu einer ‚Soirée der Musen' ein - also zu einem Abend, an dem man sich dem, was durch die Musen inspiriert geschaffen wird, widmet. Jeder sollte Texte, Gedichte, Musik oder Bilder mitbringen - eigenes oder von anderen, und damit zur Gestaltung des Abends beitragen.

Bei einem Trödelhändler besorgte ich mir noch ein paar Stühle, zwei Kerzenständer aus Messing und Wein. Damit arrangierte ich unter meinem Hochbett eine gemütliche Sitzecke.

Kurz nach neun - wir hatten uns zuvor in der Küche Pasta gemacht und unterhalten - gingen wir in mein Zimmer, ich entkorkte die erste Flasche und bald begannen wir. Am Anfang ist man noch etwas zögerlich, hat so etwas noch nicht gemacht, weiß nicht, was andere erwarten, weiß vielleicht auch nicht, was man selber erwartet. Das legte sich bald und jeder, der etwas vorzutragen, zu erzählen oder zu zeigen hatte, tat dies. Manches wurde wohlwollend, manches genießend hingenommen, anderes, gerade auch eigenes, kritisiert und bemängelt, um daraus zu schöpfen, zu lernen und zu wissen. Schön ist es, dabei einen Kreis von Leuten zu haben, der hören will, der nicht nur Amen sagt, sondern der lobt, wenn möglich und kritisiert, wenn nötig. So trieben wir das Spiel bis spät in die Nacht, tranken guten Wein und aßen dunkle Schokolade und jeder freute sich zum Schluss, Neues kennen gelernt und gute Kritik erfahren zu haben.

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