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Bachelor live

Die ersten Tage

Pünktlich am Sonntag vor Beginn des Semesters, kam ich in Freising mit Fahrrad und Wanderrucksack an.
Da meine WG zehn Kilometer außerhalb von Freising liegt und der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Bayern vor allem sonntags mehr als bescheiden ist, blieb mir nichts anderes übrig, als mein Gepäck zu schultern und mich mit dem Rad durch die Wälder zu schlagen. Doch jammern half nichts, tatsächlich hatte ich mich darauf schon eingestellt. Ich wollte von nun an sogar jeden Tag den Weg zur Uni mit dem Drahtesel zurücklegen.
Verschwitzt erreichte ich schließlich mein Ziel. Von meinen neuen Mitbewohnern kannte ich bislang nur drei vom WG-Casting, die anderen sechs lernte ich jetzt kennen.
Ein bunter Haufen hatte sich da zusammengefunden. Die Studiengänge reichten von Landschaftsarchitektur über Brauwesen bis hin zu Agrarwissenschaften. Mein größtes Glück jedoch war Torid: Im Laufe unseres ersten Gespräches stellte sich heraus, dass auch sie Forst-Ersti war, genau wie ich! Mein Vorhaben, jeden Tag zur Uni zu radeln, verpuffte damit, denn ihr Auto dient mir seither als Taxi.
Den restlichen Sonntag verbrachte ich damit, mein Bett aufzubauen, Umzugskartons auszupacken und mich nochmal kräftig auszuschlafen.
Die ersten Wochen des Studiums waren geprägt von allerlei Einführungsveranstaltungen und einem fortdauernden Angebot an Abendveranstaltungen, um uns verschüchterte Erstis aus der Reserve zu locken.
Und mit Erfolg: Bald schon hatte ich den ein oder anderen, bayrisch „Spezl" genannten Freund gefunden – Bekanntschaften, die sich bis zum heutigen Tage fortsetzen und vertiefen.

Autor: Hannes  |  Rubrik: studium  |  Dec 13, 2019

Bachelor live

Die Live-Show

Im Zuge der technischen Ausbildung an der Filmhochschule muss jeder Jahrgang innerhalb von drei Tagen eine Live-Sendung umsetzen. Da ich dieses Pflichtseminar im vergangenen Jahr verpasst habe, musste ich es in dieses Jahr nachholen. Der gesamte Jahrgang wurde in drei Gruppen von circa 15 Leuten unterteilt, die jeweils eine eigene Live-Show umsetzen sollten. Hierzu gab es drei Vorbereitungstermine, in denen der allgemeine Ablauf einer solchen Produktion erklärt wurde. Anschließend machten wir ein Brainstorming, welches Thema wir behandeln könnten. Unsere Gruppe entschied sich relativ schnell dazu, eine satirische Sendung zu inszenieren, in der Verschwörungstheoretiker auftraten, um für ihre Idee Forschungsgelder zu gewinnen.
Dabei sollte die ganze Sendung vor und hinter der Kamera mit Studierenden besetzt werden. Von den Gästen bis zur Regie wurde alles von uns selbst übernommen, wobei wir natürlich professionelle Unterstützung erhielten von Leuten, die regelmäßig große TV-Sendungen ausrichten. Ein TV-Studio, wo die Sendung stattfinden konnte, gibt es bei uns in der Hochschule und auch einen dazugehörigen Live-Regie-Raum.
Nach einer Einführung in die Studiotechnik wurden am ersten Tag der Produktion die Aufgaben ausgelost. Die einzigen Posten, die vorher feststanden, waren die Darsteller vor der Kamera und die Szenenbildnerinnen, die bereits den Aufbau im Studio vorbereitet mussten.
Ich war verantwortlich für den Ton im Studio und assistierte an der Kamera als Kabelhilfe. Konkret sahen meine Aufgaben also so aus, dass ich unsere drei Darsteller mit Ansteckmikrofonen verkabelte sowie bei den Proben und der Aufzeichnung einer Kamerafrau dabei half, nicht über Kabel oder sonstiges zu stolpern.
Insgesamt probten wir den Durchlauf der Sendung fünf Mal, bevor wie am dritten Tag die Live-Aufzeichnung machten. Bis dahin mussten Einspieler gedreht und geschnitten sein und jeder wissen, was er zu tun hatte. Die Generalprobe lief zum Glück nicht allzu gut. Es gab Probleme im Ton und einige Texthänger. Gemäß dem alten Theateraberglauben, konnte einer guten Sendung also nichts mehr im Wege stehen. Und so war es auch. 17 Minuten dauerte der finale aufgezeichnete Durchlauf und er war so gut wie keine Probe davor. Mir machte es großen Spaß, eine solche Sendung umzusetzen.

Bachelor live

Berg-WG

Bis ich nach Freising gezogen bin, verlief meine WG-Suche immer kurz und schmerzlos: Am Wattenmeer lebte ich in einem vom Naturschutzverein gestellten Häuschen, in Tansania im gleichen Bungalow wie die Schulgründer und in Jena schließlich bin ich in die Wohngemeinschaft einer guten Freundin eingezogen.
Hier in Freising konnte ich keine Kontakte vorweisen, um an eine WG zu kommen. Ich musste den langen Weg über Castings gehen. Casting ist in diesem Fall nur ein extravagantes Wort für Bewerbungsgespräch. Über eine spezielle Internetseite kann man gezielt nach Studentenwohnungen in Freising suchen, deren Bewohnern man dann eine möglichst eingängige Nachricht schickt, um aus der Bewerberflut herauszustechen.
Finden diese Gefallen daran, wird man von ihnen zur Besichtigung eingeladen. Auch dort muss man während der Unterhaltung wieder so einprägsam sein, dass man sich gegen alle anderen Mitbewerber durchsetzt und den Platz in der WG bekommt. Ihr seht schon, es ist nicht ganz einfach.
In meinem Fall kam noch erschwerend hinzu, dass ich in Jena bislang für unter 250 Euro wie ein König in der Stadtmitte gewohnt habe und deswegen kaum gewillt war, mehr als 300 Euro für ein Zimmer auszugeben. Freising ist aber nicht Jena, vor allem die Nähe zu München sorgt meiner Meinung nach dafür, dass die Preise gerne mal die 400-Euro-Schallmauer durchbrechen.
Es half alles nichts, ich bewarb mich auf das, was für mich in Betracht kam – also nicht viel. Oft bekam ich gar keine Antwort auf meine Nachrichten, doch auch nach zwei persönlichen Gesprächen wurde mir abgesagt, eines davon in einer Wohnung, in der es außer einem Kamin keine Heizung gab. Das dritte Zimmer, das ich schließlich besichtigte, war in der Berg-WG. Zehn Kilometer außerhalb von Freising auf einem Bauernhof gelegen war mir diese direkt sympathisch. Durch die unabgeschlossene Haustüre wurde ich per Zuruf in die Küche gebeten. Diese war über und über voll mit Zeitdokumenten ehemaliger Mitbewohner: Fotos, Postkarten, Bildern. Das Gespräch fühlte sich nicht wirklich nach Bewerbung an, sondern vielmehr, als wäre ich einfach auf ein Bier vorbeigekommen.
Nach einigen Tagen bekam ich die Zusage, seitdem darf ich die Berg-WG mein Zuhause nennen. Und ich bereue meine Entscheidung nicht. Wenn ich nicht gerade in der Uni bin oder etwas zu lernen habe, sitze ich meistens in der Küche und quatsche mit einem meiner neun Mitbewohner.

Autor: Hannes  |  Rubrik: studium  |  Nov 25, 2019