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Jura-Krimi

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

31.08.2017

Hamburg und der G-20-Gipfel: Ein wahrer Jura-Krimi. Das dachte ich schon vor dem Gipfel, als ich mir rechtliche Bewertungen der verschiedenen Demonstrationsverbote und Räumungsversuche von Protest-Camps durchgelesen habe. Da versuchte der Veranstalter mit allen Mitteln, seine Veranstaltung zu schützen. Das Gericht hat seinem Anliegen teilweise stattgegeben. Und dann hat die Polizei doch noch rechtliche Mittel gefunden, um die Veranstaltung zu räumen. Jura kann sehr trocken sein, aber bei großen Veranstaltungen ist es echt spannend, zu sehen, wie alle Parteien versuchen, mit allen zur Verfügung stehenden (rechtlichen) Mitteln ihr Ziel zu erreichen. Und als Jurist kann man als maßgeblicher Drahtzieher mittendrin sein!
Diese positive Aufregung über die spannenden versammlungsrechtlichen Ereignisse wich spätestens am Freitagabend des Gipfels großem Entsetzen. Ich konnte an dem Wochenende nicht in Hamburg sein, aber die Videos von meiner geliebten Stadt, die halb in Flammen stand, haben mich richtig schockiert. Man konnte Aufnahmen sehen von furchterfüllten Hamburgern, die in Bussen oder vor ihrem Haus von vermummten Menschen bedroht worden sind. Von einem Mob, der mit Fackeln in den Händen durch die Straßen zog und Autos anzündete und Scheiben einschlug. Ein Beifahrer filmte die Fahrt durch ein Viertel in Altona, wo jedes fünfte Auto brannte. Für einen Mitteleuropäer Jahrgang 90 wirkte das wie Krieg.
Zwei Tage lang haben Randalierer aus verschiedenen Ländern Hamburg gezeigt, wie ein rechtsloser Zustand aussehen kann. Und wie schnell es passieren kann, dass man sich in einem solchen wiederfindet, in dem der Gesellschaftsvertrag „Ich tu dir nichts, wenn du mir nichts tust“ einfach aufgekündigt ist. Schwer Vorstellbares wird auf einmal möglich. Bestimmte Garantien, auf die man sein Leben aufbaut, sind für ein paar Tage wertlos geworden.
Kurz nach G-20 bin ich durch das Schanzenviertel geradelt und war überrascht, wie wenig von den Zerstörungen noch zu sehen war. Es waren ein paar Fensterscheiben mehr als sonst demoliert und Supermärkte sowie alle Geldinstitute hatten zu, aber ansonsten war das Leben wieder ganz normal. Was aber bleiben wird, ist das Gefühl, dass man von einem „schwarzen Block“ einfach überrannt werden kann.

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