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Studentenleben live

Lieber das Hirn ausschalten

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

21.06.2013

Letzte Woche berichtete mir meine Mitbewohnerin von einer Infoveranstaltung für zukünftige Juristinnen. Es gibt verschiedenste Aktionen, um Frauen eine Karriere schmackhaft zu machen. Denn noch immer ist es so, dass zum Beispiel in Jura circa 50 Prozent der Studierenden Frauen sind, je weiter man aber nach oben schaut (Doktorandinnen, Habilitandinnen, Professorinnen), um so weniger werden es.

Daher waren zwei Frauen aus einer Spitzenkanzlei bei der Veranstaltung zu Gast. Es ging viel um den Arbeitsalltag, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie viel Freizeit man hat und so weiter. Eine wichtige Frage allerdings schien noch unausgesprochen im Raum zu schweben. Wie es sich in einer Spitzenkanzlei aushalten lässt, deren Kunden nicht auf Ökobauernhöfen ihr großes Geld machen, sondern, sagen wir mal, in der Rüstungsindustrie oder mit Atomstrom. Da sich anscheinend niemand diese Frage stellte, oder sich vielleicht nicht traute, die Juristinnen auf Moral und Gewissen anzusprechen, fasste sich meine Mitbewohnerin ein Herz.

Kommt es vor, dass Sie Anfragen von Kunden kriegen, die Sie nicht vertretbar finden? Gegenfrage der Juristin: juristisch oder ethisch?
Ethisch gesehen, natürlich. Darauf die trockene, vielleicht auch resignierte, für mich aber alarmierende Antwort: Wenn man über solche Fragen in diesem Beruf nachdenken würde, könnte man ihn nicht ausüben.

Aha. Wer also in einer Spitzenkanzlei arbeiten will, muss sein Gehirn im gegebenen Fall ausschalten und stur juristisch bearbeiten, was auf seinen oder ihren Schreibtisch kommt? Und wie kann es sein, dass Menschen mit einem top Uniabschluss nie über ihr Tun reflektieren?

Ich bin mir sicher, dass sich ihr Hirn und Gewissen schon manchmal melden und sagen: Mensch, Mädel, was machst du da? Aber man kann solche Überlegungen natürlich auch unterdrücken und sich sagen: Ich mache ja wie alle anderen nur meinen Job. Schade.

 

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