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Studentenleben live

Von verwirrten Professoren

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

05.06.2013

Und manchmal sitzt man abends vor dem Laptop und starrt desinteressiert auf den von blinkenden Werbeanzeigen übersäten Bildschirm, checkt ahnungslos und mehr nebenbei seine Mails, liest den erlösenden Standardsatz „Für Ihre Veranstaltung wurde ein Ausfalltermin eingetragen“ und ... ist meistens erleichtert, weil man ausschlafen kann oder die Texte erst für die nächste Woche vorbereiten muss. Vielleicht ist man ein bisschen enttäuscht, dass es wieder die falsche Veranstaltung getroffen hat, oder regt sich künstlich darüber auf, dass die Dozentin irgendeinen Selbststudium-Arbeitsauftrag angesetzt hat, aber ein bisschen Zeit außerhalb des Hörsaals passt gerade im Sommersemester doch so ziemlich jedem ganz gut in den Kram.

Kein großes Thema also, nichts Besonderes und eigentlich keinen Beitrag wert. Aber neulich war das Ganze ein bisschen anders: Literaturwissenschaft. Gut 100 Studenten sitzen im Hörsaal 1.101 und warten. Tauschen Erlebnisse der letzten Partys aus, kreieren Übungsaufgaben für die nächste Nachhilfestunde, unterhalten sich über die Online-Aufgabe, die fünf Stunden zuvor hochgeladen werden musste, über Umberto Eco, über das Mittagessen in der Mensa, über Spliss, Friseurtermine, Shoppingtouren und Ballkleider… Doch vorne steht kein Dozent.

Naja, vielleicht kommt er ja gleich. - Der steht bestimmt im Stau. - Wo wohnt der eigentlich? - Der hat eh nur keine Lust. - Wetten, der hat's verpeilt? - Ich sag' da lieber nichts zu, vielleicht ist ihm am Ende wirklich was passiert und dann tut's mir leid, was ich gesagt habe.
Meinungen teilen sich, Gesprächsthemen versteifen sich auf seine Abwesenheit. Die ersten leiten die Aufbruchstimmung ein, ein paar warten weiter, ziehen nach, als die letzte Hoffnung geht und die nächste S-Bahn kommt.

Und dann sitzt man wieder abends vor dem Laptop und starrt desinteressiert auf den von blinkenden Werbeanzeigen übersäten Bildschirm, checkt ahnungslos und mehr nebenbei seine Mails und sieht, dass seine Online-Aufgabe genau in dem Zeitraum, in dem das Seminar stattgefunden hätte, bewertet wurde und ist nachhaltig irritiert. Eine Kommilitonin fragte ihn dann tatsächlich, wo er gewesen sei. Seine Antwort: „Es tut mir leid, dass ich im Semesterplan vergessen hatte, die gestrige Sitzung als Ausfalltermin einzutragen. Bis nächsten Dienstag – versprochen!“

Professoren sind eben auch nur Menschen.

 

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