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Geschichte und Philosophie

Schlaflos durch Schokolade

Zwei Uhr Nachts – hellwach liege ich im Bett. Morgen keine Uni, aber doch atme ich schnell, wälze ich mich hin und her. Meine Fußzehen reiben ungeduldig, unausgelastet gegeneinander. Es klingt unter der Bettdecke wie eine Familie kleiner Nagetiere, die sich in knappen Zeiten über ein gefundenes Fressen hermacht.

Tausend Gedanken strömen auf mich ein. Gleich muss ich mich nach links drehen, die rechte Hand unter der Bettdecke hervorholen und meine Nachttischlampe anknipsen, den Füller in die Hand nehmen, mein Notizbuch aufschlagen und schreiben.

Eine ganze Tafel Bitterschokolade habe ich heute Vormittag zu einem späten Frühstück geschmolzen und über meine Brote mit Orangenmarmelade und Himbeerkonfitüre gegossen – herrlich! Heute Abend dann kochte ich mir einen halben Hokkaidokürbis und schmolz auch darin eine Tafel Bitterschokolade – wie Pudding! Ja, so schmeckte es und so war es in der Konsistenz.

Ist dies der Grund für meine weit aufgerissenen Augen? Oder sind es die vielen Gedanken, die mich gerade beherrschen? – Gedanken, die mir wie Schnellzüge durch den Kopf rasen. Auch während ich nun schreibe, finden am unteren Ende kleine Scharmützel statt – links gegen rechts, klein gegen groß, Nachbar gegen Nachbar …

Eine weitere Stunde vergeht, mancher Gedanke ist auf Papier gebannt, aus dem Kopf verbannt, aber auch festgehalten, festgenagelt. Die Kämpfer ermüden, der Schreiber auch – Frieden wird ausgehandelt – Licht aus.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 17, 2009
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Nov 17, 2009

Geschichte und Philosophie

20 Jahre Mauerfall — Studieren im Osten

Ich war knapp drei Jahre alt – fünf Tage vor meinem Geburtstag fiel die Mauer, jene Mauer, die Ost- und Westdeutschland voneinander trennte. Zu jung, um es mitzubekommen. Dort wo ich herkomme, im Taunus bei Frankfurt am Main, änderte sich auch nicht sehr viel. Die Male, die ich bis zu meinem 19. Geburtstag in der ehemaligen DDR war, kann ich an einer Hand abzählen, einmal davon in Berlin und einmal in Dresden.

Bevor ich zum Studium nach Leipzig kam, wusste ich sehr wenig über die ehemalige DDR. Der Geschichtsunterricht hatte dieses Thema geflissentlich ausgespart und „Good-bye Lenin“ hatte nicht viel mehr zu bieten, als alte Klischees zu bedienen.

Hier in Leipzig lernte ich mit großem Interesse und zum Teil aus erster Hand von der Geschichte der ehemaligen DDR und ihren Bürgern. Erich Mielke wurde mir ein Begriff; auf einem Flohmarkt erzählte mir ein Verkäufer von seiner Arbeit in einer Fabrik und seinen Erfahrungen mit russischen Soldaten; von einer Sportlerin erfuhr ich, wie sie nach 1989 mit dem Gesetz in Konflikt kam, als sie einen Arzt des Doping im Namen der SED beschuldigte und ein Mann, der mich auf der Straße neugierig betrachtete und dann ansprach, schwärmte mir von seiner Zeit als 17-18-Jähriger auf einem großen Segelschiff vor.

Viele haben sich mit dem Wandel, der häufig erst einmal Arbeitslosigkeit bedeutete, noch nicht abgefunden, andere feiern ihn. Es ist eine Frage der Generationen. Kindheit und Jugend sind die prägenden Zeiten. Viele meiner Kommilitonen zählen wie ich zu der Generation, die die Zeit vor der Wende nicht mehr erlebt hat. Spannend und lohnend ist es aber, den Erzählungen der Älteren zu lauschen.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 9, 2009
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Nov 9, 2009

Geschichte und Philosophie

WG gesucht (Teil 2)

Nun schaue ich mich nach einer neuen WG um, Internetseiten wie wg-gesucht.de helfen mir dabei. Ich kenne Leipzig nun besser. In ein paar Gegenden will deshalb ich auf keinen Fall, andere gefallen mir gut. Ruhe brauch ich. In eine Straße mit viel Verkehr bringen mich keine zehn Pferde. Anderen macht das wohl nichts aus, mir vergraut es manchen Morgen, vom Berufsverkehr geweckt zu werden. Grün muss wenn nicht vor der Haustür, dann zumindest in der Nähe sein, auch der Weg zur Uni soll möglichst grün und ruhig sein – in Konkurrenz zu genervten oder unausgeschlafenen Pendlern fahre ich nicht so gerne.

Wohnungen gibt es hier viele, nur wenige Viertel sind für Studenten nicht erschwinglich. Fast überall finden sich leer stehende Häuser. Manch zerfressener Balkon, manch zerflossenes Tympanon zeugt von einstiger Pracht der vor 100 Jahren sehr wohlhabenden Handelsstadt Leipzig. Es wird noch einige Jahre dauern, bis Leipzig vollends von Kapital durchdrungen ist und einer westdeutschen Stadt wie Frankfurt gleicht.

Ein paar WGs habe ich mir schon angeschaut, meist weiß ich nach wenigen Sekunden schon, ob ich einziehen wollen würde oder nicht. Das Gefühl im Bauch ist da sicherer als irgendeine Checkliste oder ein Kriterienkatalog, den man abhakt.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 6, 2009
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Nov 6, 2009